Baiersbronn Zum guten Schluss wird's festlich
Schwarzwälder-Bote, 30.03.2012 23:00 UhrVon Helga Michel Baiersbronn. Viele Gäste, illustre Redner, frühlingshafter Blumenschmuck, beeindruckende junge Musiker und ein dem Sternedorf würdiges Häppchen-Büfett: So richtig festlich war die Amtseinsetzung von Bürgermeister Michael Ruf in der Schwarzwaldhalle.Auch wenn es am Donnerstagabend in der Schwarzwaldhalle nicht so aussah, es war eine öffentliche Gemeinderatssitzung, in der erster Bürgermeisterstellvertreter Fritz Kalmbach, der auch die Moderation des Abend übernahm, Michael Ruf auf sein Amt verpflichtete.
Es war ein bisschen, als ob Baiersbronn es gerade zum Trotz noch ein bisschen feierlicher gemacht hat – mit Beiträgen junger Talente der Jugendmusikschule und einem Büfett, zusammengestellt von verschiedenen Gastronomen der Feriengemeinde. Baiersbronn hat sich die Feierlichkeit nicht verderben lassen von Rüdiger Widmann, dem einstigen Gegenkandidaten Rufs. Widmann hatte es zwar nicht nötig, einen Wahlkampf zu führen, dafür war er aber im Nachhinein mit Rechtsmitteln umso aktiver und bewirkte so die Verzögerung. Das kuriose Wahlnachspiel ist zu Ende, aber so ein bisschen prägte es dann eben doch auch die Amtseinsetzung, zu der viele Gäste gekommen waren, unter anderen Vertreter der Landes- und Kommunalpolitik, der Kirchen, der Behörden und Schulen, Mitarbeiter der Gemeinde und natürlich die Gemeinde-, Ortschafts- und Bezirksbeiräte.
"Eigentlich sollte heute der 1. September 2011 sein", stieg Michael Ruf in seine Rede ein. An diesem Tag, seinem ersten Arbeitstag, hätte seine Amtseinsetzung stattfinden sollen. Wegen der Klage Widmanns war sie kurz zuvor abgesagt und Ruf zunächst nur zum Amtsverweser bestellt worden.
Ein großes Lob hatte Ruf, in dessen Rede das Wandern der rote Faden war, für seinen Vorgänger Norbert Beck parat, der die Wege von und für Baiersbronn und alle Ortsteile sehr positiv gestaltet habe. Ruf machte deutlich, dass er wie seine Vorgänger die Murgtalgemeinde positiv gestalten will – mit seinem eigenen Stil, seiner Persönlichkeit und seiner offenen Art. Der Bürgermeister ging ebenso auf die Herausforderungen der Zukunft wie den demografischen Wandel ein wie auf die große Bedeutung einer freien und fairen Diskussionskultur und seine Rolle als Bürgermeister. Quer durch die kommunalpolitischen Themenfelder führte Ruf seine Zuhörer – von Kindergärten und Schulen über das ehrenamtliche Engagement und damit die Vereine bis zu Feuerwehr und Polizei. Mit Letzterer war er gleich bei einem heiß diskutierten Thema: "Die Entscheidung, den Landkreis Freudenstadt einem Polizeipräsidium Tuttlingen anzugliedern, kam wohl für alle überraschend, macht sie aber deshalb nicht besser", erklärte er. Baiersbronn sei die von diesem Präsidium am weitesten entfernte Gemeinde. Deshalb bat Ruf, dass die derzeit vakante Stelle beim Polizeiposten Baiersbronn schnellstmöglich wieder besetzt wird, um zu verhindern, "dass wir als Baiersbronner Bürger möglicherweise vor geschlossenen Türen des Postens stehen müssen".
Auch das nächste heiße Eisen packte Ruf in seiner Rede an: das Thema Nationalpark, das in seiner bisherigen Amtszeit das maßgebende gewesen sei. Es sei weit leichter, sich als Einzelner eine Meinung zu bilden, als eine Entscheidung als Gemeinde zu treffen. Diese müsse abgewogener und vielschichtiger angelegt sein, denn es gelte, die Interessenslage vieler zu berücksichtigen. Solche Entscheidungen seien nur auf der Grundlage von Fakten und Tatsachen zu fällen, und diese würden teilweise erst durch das Gutachten geklärt. Zwischenapplaus erntete Ruf für die Feststellung: "Letztendlich steht aber die Regierung in der Pflicht, keine Entscheidung gegen die Region zu treffen."
Baiersbronn (cim). Viele gute Wünsche gaben die Redner bei der Amtseinsetzung Michael Ruf mit auf den Weg – und auch jede Menge Lob. Denn im Amt des Amtsverwesers hatten sie alle Ruf schon als Bürgermeister kennengelernt, dem bisher eigentlich nur eins fehlte: das Stimmrecht im Gemeinderat.
Dass der Diplom-Verwaltungswirt Michael Ruf das notwendige Rüstzeug, sowohl fachlich, als auch menschlich, für sein Amt als Bürgermeister mitbringt, davon zeigte sich Landrat Klaus Michael Rückert in seiner Ansprache zur Amtseinsetzung überzeugt. Und dass Ruf Hobbykoch ist, das passe zu Baiersbronn natürlich ganz besonders gut. Rückert gab zu, dass die Tatsache, dass die Klage die Amtseinsetzung um 211 Tage aufgehalten hat, auch bei ihm ein schales Gefühl hinterlasse, er wolle aber trotzdem für den Rechtsstaat werben.
Baiersbronn, so Rückert, sei einer der großen Sympathieträger des Kreises Freudenstadt – und das weltweit. Damit sei es auch eine besondere Verantwortung, Baiersbronn zu führen. Anerkennung zollte der Landrat Ruf dafür, wie er mit der Diskussion um den Nationalpark umgeht. Mit der Gemeinde Baiersbronn übernehme Ruf ein wohl bestelltes Haus. Sein Amtsvorgänger Norbert Beck habe sehr gute Arbeit geleistet.
Er sei sich sicher, dass Michael Ruf alle Herausforderungen hervorragend meistern werde, erklärte Landtagsabgeordneter Norbert Beck. Bürgermeister von Baiersbronn zu sein, sei ein Traumjob – "mit all diesen liebenswürdigen Menschen". Deutlich wurde Beck, was das juristische Nachspiel anging: Vielleicht sollte man doch darüber nachdenken, die Hürden für solche Wahlanfechtungen höher zu legen.
Landtagsabgeordneter Timm Kern hatte seine Doktorarbeit nicht nur als Geschenk für Ruf dabei, er ging auch in seiner Rede auf sie ein. Der Titel: "Warum werden Bürgermeister abgewählt?". Danach habe ein Bürgermeister zwei tiefenpsychologische Sehnsüchte zu erfüllen – die nach Identifikation und die nach Projektion, dürfe also auf der einen Seite nicht abgehoben sein, müsse auf der anderen aber ein Vorbild sein.
Als Vertreter des Gemeindetags und der Bürgermeister im Landkreis sprach der Eutinger Bürgermeister Armin Jöchle, der Ruf bescheinigte, für das Amt des Bürgermeisters geradezu ideale Voraussetzungen mitzubringen. Auf Rufs Einstieg bei der Gemeinde als Erster Beigeordneter und Kämmerer im Oktober 2010 und auf die Bürgermeisterwahl im Juli, bei der Ruf 95,6 Prozent der Stimmen erhalten hatte, ging Fritz Kalmbach, erster stellvertretender Bürgermeister, der die Sitzung leitete, ein. Kalmbach freute sich, dass Baiersbronn nun wieder einen "echten" Bürgermeister hat und bot von Seiten des Gemeinderats gute Zusammenarbeit an: "Gemeinsam können wir Baiersbronn noch weiter voranbringen."
Von Helga Michel
Baiersbronn hat nun wieder einen "richtigen" Bürgermeister: Michael Ruf. Auf dessen feierliche Amtseinführung hat die Murgtalgemeinde lange warten müssen. Ja, es ist richtig, zum Rechtsstaat zu stehen. Aber dieser Rechtsstaat sollte sich nicht von Hinz, Kunz oder Widmann zum Kasperletheater degradieren lassen müssen. Warum Rüdiger Widmann, der einzige Gegenkandidat Rufs, zwar im Wahlkampf unsichtbar blieb, dafür danach kämpferisch jedes Rechtsmittel ausschöpfte, ist im Grunde gleichgültig, da er als Bewerber nicht ernst zu nehmen war. Baiersbronn hat das Pech, weniger als 20 000 Einwohner zu haben, dann nämlich müsste ein Bürgermeisterbewerber 50 Unterstützerunterschriften vorlegen. Zumindest eine Einstiegshürde sollte es auch für Bewerber in kleineren Kommunen geben. Dann wäre uns dieses Kasperletheater wahrscheinlich erspart geblieben.



