Baiersbronn Von leichtfüßig bis optimistisch

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Das Bruno Frey Nascimento Trio war zu Gast im Waldknechtshof. Foto: Müller Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Claudia Müller

Das Bruno Frey Nascimento Trio machte bei seiner Tour durch Süddeutschland Station im Waldknechtshof in Klosterreichenbach – und zog mit seinen Improvisationen die Zuhörer in seinen Bann.

Baiersbronn-Klosterreichenbach. Zu einer Jazzformation gehört oft ein Klavier. Von dem stand beim Konzert des Bruno Frey Nascimento Trios im Waldknechtshof nur noch der Klavierhocker auf der Bühne. Als Sitzgelegenheit für Schlagzeuger Jan Kadereit. Links von ihm gab Gitarrist und Bandleader Bruno Frey Nascimento den Ton an. Mit flinken Fingern und mit Einfühlungsvermögen brachte der gebürtige Brasilianer mit seinem Instrument Melodieläufe zum Leuchten, ließ die Gitarre weinen, singen, grummeln und seufzen.

"Jazzmusiker sind immer auf der Suche nach dem besonderen Klang", erklärte der Dritte im Bunde, Bassist Daniel Somaroo aus Venezuela, nach dem Konzert. Diesen Klang fand die Combo auch bei Jazz-Standards, von denen sie einige spielte. Das Trio machte in seinem Spiel nicht einfach nach, was Jazzmusiker mit großem Namen sich einmal ausgedacht hatten, sondern spielte seine eigenen Versionen, in denen jeder immer wieder Freiraum hatte, zu improvisieren. Leichtfüßig kam das erste Stück daher und verbreitete ein Gefühl von Copacabana. Mit verschmitzter Spielfreude präsentierte das Trio anschließend den Standard "Softly as in a Morning Sunrise", bevor ein modernes Stück das Kopfkino der Zuhörer in Gang setzte. Hier, wie auch an anderer Stelle, war eindrücklich, welche Klänge Jan Kadereit der kleinen Trommel seines Drumsets entlockte – vom gewohnten Schlagzeugsound über das Geräusch, das entsteht, wenn jemand mit einem Stock auf einen Eimer klopft, bis zum satten Klang einer afrikanischen Konga. Beim Stück "Alone together" bekam Bassist Daniel Somaroo nach einer sportlichen Soloeinlage großen Applaus. Das zweite Set begann nach der Pause mit "Benny’s Tune" von Lionel Loueke afrikanisch. Mit der Komposition des Beniners ging die Combo zurück zu den westafrikanischen Wurzeln des Jazz.

Wenig später, nach den Standards "Along came Betty" und "All the Things you Are", erweiterte das Trio die geografische Palette noch einmal. Mit "Samba em Preludio" lud es zu einem Ausflug in die Heimat von Bandleader Bruno Frey Nascimento ein. "Es ist wunderschön, finde ich", sagte Frey Nascimento bei der Ankündigung des Stücks, das der, ebenfalls brasilianische, Gitarrist Baden Powell de Aquino Anfang der 60er-Jahre komponiert hat.

Zum Schluss wurde es mit "Der Stoff, aus dem das Denken ist", noch einmal ganz modern und optimistisch. Immerhin ist das Denken in dieser musikalischen Lesart vielschichtig – mal fließend, mal staccato, mal eintönig und gegen Ende des musikalischen Gedankengangs anstrengend laut.

Umso angenehmer war die Stille nach dem letzten Akkord. Sie hielt nur kurz. Denn das Publikum belohnte die jungen Musiker mit herzlichem Applaus und ließ sie erst nach zwei Zugaben ziehen. "Ihr seid gut. Ihr sollt mal berühmt werden", wünschte eine Zuhörerin den Musikern beim Abschied. Verdient hätten sie es.

  
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