Baiersbronn Konditor kreiert keine Schwarzwälder

Frank Krause, 08.08.2012 07:18 Uhr

Baiersbronn/Brüssel - Wer Eberhard Holz kennt, der weiß, dass man den erfolgreichen Konditor- und Bäckermeister aus Baiersbronn im Schwarzwald so schnell nicht aus der Fassung bringen kann.Er beherrscht nicht nur sein Metier, seine freundliche, unkomplizierte Art hat ihn in den vergangenen Jahrzehnten zugleich zu einem Botschafter des Handwerks aus Baden-Württembergs werden lassen. Unzählige Male hat er mit seinen Mitarbeitern diverse Ministerpräsidenten wie Günther Oettinger (CDU) und Kabinettsmitglieder der Landesregierungen auf Auslandsrei- sen begleitet und beim Em­pfängen vor Ort ein bisschen Geschmack auf Baden-Württemberg gemacht.

Nun aber ist Holz mächtig verärgert und hat seine nächste Reise in Diensten des Landes kurzerhand abgesagt. Der Grund: Die kritischen Äußerungen des baden-württembergischen Wirtschafts- und Finanzministers Nils Schmid (SPD) über die Bedeutung der heimischen Landwirtschaft.

Neben Kirschtorte auch grün-rotes Brot geplant

Ursprünglich sollte Holz mit seinem Team am 18. September beim Empfang der grün-roten Landesregierung in der Brüsseler Landesvertretung zum 60-jährigen Landesjubiläum auftreten und dort wieder mal mit Produkten für den Südwesten werben. Holz und seine Helfer, so sah es die Planung vor, sollten dort für 250 geladene Gäste eine überdimensionale original Schwarzwälder Kirschtorte sowie weitere Köstlichkeiten wie ein grün-rotes Tomatenbrot backen, das man zu Maultaschen und Kartoffelsalat reichen wollte.

Doch daraus wird nun nichts. "Wir hätten das gerne gemacht und alle Vorbereitungen waren bereits getroffen. Aber es geht nicht, dass der stellvertretende Ministerpräsident eine Bevölkerungsgruppe auf diese Art und Weise als Hinterwäldler beleidigt. Das ist einfach geschmacklos", bestätigte Holz auf Anfrage unserer Zeitung seine Absage, die man in der Landesvertretung in Brüssel seit Anfang dieser Woche auch schriftlich hat.

Die Äußerungen von Schmid, der jüngst angekündigt hatte, Investitionen in Bildung und Kinderbetreuung seien wichtiger als die Unterstützung der Landwirte und notfalls müsse halt mal ein Schwarzwaldtal zuwachsen, hätten zwangsläufig zu dieser Absage geführt. "Ich habe nichts gegen die SPD und kenne viele engagierte Bürgermeister und Kreisvorsitzende. Aber was Herr Schmid gesagt hat, ist durch nichts zu entschuldigen. Das spricht von großer Unreife", sagte Holz.

Der Minister könne "nicht 45 Prozent der Landesbevölkerung als Hinterwäldler bezeichnen", so der erfolgreiche Konditor aus Baiersbronn. Offenbar habe der Wirtschafts- und Finanzminister "völlig vergessen", dass auch die Menschen in den Städten und Ballungsräumen gesunde Lebensmittel vom Land schätzen und Produkte der heimischen Landwirtschaft einen großen Boom erleben.

Holz fordert in seinem Absageschreiben an die grün-rote Landesregierung den stellvertretenden Ministerpräsidenten deshalb auf, "sich auf die Wurzeln zu besinnen", die bei vielen Politikern offenbar zunehmend verloren gingen. Ein aktueller Spruch gilt mehr denn je: "Hat der Bauer, der Müller, der Metzger und der Bäcker Geld, hat es die ganze Welt." Das Verhalten von Schmid sei deshalb nicht nachvollziehbar. "Es tut mir leid um die Sache, denn wir hätten gerne unsere Heimat, den Schwarzwald, in Brüssel mit der in der Welt bekanntesten Torte präsentiert. Unter solchen Bedingungen geht das aber nicht", schreibt Holz und schließt seinen Brief mit "Vorzüglicher Hochachtung eines Hinterwäldlers aus dem Schwarzwald".

 
 
Kommentare (7)
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
AUG
15
Wutbürger, 12:52 Uhr

@Hinterwäldler

Wie wäre es mit arbeiten ? ... anstatt den Eltern und dem Staat auf der Tasche zu liegen. Ich habe während meines Studiums auch gearbeitet.

AUG
11
Hinterwäldler, 14:28 Uhr

Bildung tut Not

Das Bäckerhandwerk in Ehren aber Nils hat Recht. Allein die Tatsache das so viele Jahre die CDU regieren konnte zeigt doch das es jede Menge Hinterwäldler geben muss. Auch das Abstimmungsergebnis zu S21 zeigte das es einem Großteil der Bevölkerung nicht möglich war die Frage zu verstehen. Hätte man einfach gefragt 'Tiefbahnhof ja oder nein' wäre die Volksabstimmung völlig anders ausgegangen. Das wußten die Köpfe in Stuttgart, darum wurde die Frage bewußt missverständlich formuliert. Irreführend eben um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Als Bäcker hat er sicher schon festgestellt das Mehl teurer geworden ist weil es aus dem Ausland importiert wird. Unsere Bauern blasen das Korn lieber in die Biogasanlagen da es mehr Gewinn abwirft. Diese sind subventioniert. Mit Lebensmitteln spielt man nicht wurde uns als Kind beigebracht, von verheizen war damals keine Rede. Wir haben zwar eine Rot Grüne Landesregierung aber selbst diese ist noch arg weichgespült. Bildung muss sein, und vor allem muss sie für alle Schichten bezahlbar sein. Da ist einiges im Argen. Wenn Studierende jedes Semester fast 3 Monate auf die Bewilligung des Bafögs warten müssen, wovon leben sie in dieser Zeit wenn Eltern das nicht überbrücken können? Das BAfög reicht zum Überleben deckt aber nicht Bücher und sonstige Ausgaben. Da es nur ein Darlehen ist kann der Grund für diese Vorgehensweise nur darin liegen das man lediglich Privilegierten Bildung ermöglichen will aber ein Alibi benötigt. Wer das nicht erkennt ist wahrlich ein Hinterwäldler. Und davon scheint es sehr sehr, viele zu geben. Darum sind Reformen in Baden Württemberg mehr als schwierig. Wir brauchen endlich aufrichtige und keine weichgespülten Politiker.

AUG
10
Roland Späth, 10:14 Uhr

Bier und Alkoholika

Die meisten Alkoholika sind ausl. Billigstprodukte, Bier, in Massen konsumiert -6 pack vom Discounter-, ebenfalls. Als regional ist allenfalls noch die badische Rothaus anzusehen, die Hausbrauerei der Schwarzen. Auch die Produkte auf den meisten Wochenmärkten stammen nicht, wie das sein sollte, aus heimischer Produktion sondern vom Grossmarkt, billige Schnittblumen aus Afrika und Südamerika. Die paar Erdbeeren, Kirschen und Zwetschgen aus heimischer Ernte sind nicht relevant und werden immer ihren Markt behalten. Man kann hier mal wieder deutlichst erkennen, wie uninformiert manche daherplappern, nur weil sie eine Partei nicht ausstehen können. Was SS21 angeht, werdet ihr noch euer blaues Wunder erleben und was die immer wieder auftauchenden Steuervorwürfe an die SPD anbelangt, ist ebenfalls Unwissenheit oder Ignoranz Motor dieser 'Diskussionen'. Die Schwarzen haben das System geschaffen, insbesondere die Ausnahmetatbestände, die Missbrauch und Steuerflucht begünstigen, ebenso die gesamte insbesonders europäische Subventionsmaschinerie, welche die heimische Wirtschaft und Kleinbauern ruiniert hat. Aber anscheinend hoffen viele Kleinstnörgler, irgendwann auch einmal daran teilhaben zu können und setzen deshalb noch immer auf die 'Mappen' und die gelbe Gefahr.

Kommentar-Seite 1  von  3