Baiersbronn Im Kampf gegen Borkenkäfer

Monika Braun, 24.04.2012 05:02 Uhr

Baiersbronn-Klosterreichenbach - Die Diskussion über einen Nationalpark im Nordschwarzwald weckt in Hugo Züfle aus Klosterreichenbach Erinnerungen an die Nachkriegsjahre, in denen über zwei Millionen Festmeter Fichtenholz Opfer einer Borkenkäferplage wurden.

Oft denkt der fast 94-jährige Forstamtsrat a.D. an die heißen Sommer und die fehlende Forstwirtschaft in den Kriegsjahren, die als Hauptgründe für die rasante und nicht mehr aufzuhaltende großflächige Waldvernichtung auch in seinem Revier, dem Forstamt Schönmünzach, galten. "Die Käferbekämpfung war für mich damals eine Mordsaufgabe. Bis zu 200 Personen musste ich koordinieren, die Brennholz einschlugen und versuchten, den Wald zu schützen", so Züfle. Arbeitskräfte waren allerdings in jener Zeit rar. Männer über 6o, Frauen und Jugendliche standen zur Verfügung. Die modernen Geräte der heutigen Forstwirtschaft gab es nicht.

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"Zwei-Mann-Motorsägen und unsere Hände waren alles, was wir hatten, um der Käferplage entgegenzuwirken, und das war schon ein Kampf", denkt der Senior zurück. Sogar die Augen der Ochsen, die als Arbeitstiere dienten, mussten aufgrund des starken Käferflugs verbunden werden.

Schönmünzach war französische Besatzungszone, so musste alles über die Forstdirektion Tübingen abgewickelt werden. "Zum Glück bekam ich auch einen Arbeitstrupp mit 20 deutschen Soldaten, die sich in französischer Gefangenschaft befanden und zur Käferbekämpfung freigestellt wurden, zur Seite gestellt", so die Erinnerungen an eine schwere Zeit.

"Wir arbeiteten auch sonntags", so Züfle, der betont, dass man alles versucht habe – vom Entrinden bis zum Verbrennen des befallenen Holzes. Die vielen Waldbrände in dieser trockenen Zeit hätten dann glücklicherweise geholfen, den Borkenkäfer aufzuhalten.

"Fakt ist, dass man aus der Sache nichts gelernt hat", meint Züfle. "Warum werden denn die Jahre 1945 bis 1952 nicht berücksichtigt?", fragt sich der ehemalige Forstamtsrat. Der Bannwaldforschung misst er dennoch eine große Bedeutung bei. Die natürlichen Prozesse lieferten stets neue Erkenntnisse. Falsch wäre es nach Meinung von Züfle, den Menschen die Mitverantwortung durch einen Nationalpark zu entziehen. "Es ist ihre Heimat, in der sie verantwortlich mitarbeiten wollen, das ist in einem Nationalpark nicht mehr möglich", betont der ehemalige Forstmann. "Meine Vorstellung wäre ein gepflegter Mischwald, ähnlich dem Freudenstädter Plenterwald, der ein abwechslungsreiches und lebendiges Waldbild bietet", so Hugo Züfle. Nutzen, Pflegen und Verjüngen seien die Aufgaben, die im Forst nebeneinander hergehen sollten. Diese Bewirtschaftung halte er für die richtige.

 
 
Kommentare (1)
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APR
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Hans aus Forbach, 15:17 Uhr

warum weckt das Erinnerungen

Warum weckt ein Nationalpark Erinnerungen an die damalige Zeit? Der Mangel an Arbeitskräften kann es nicht sein, werden doch in einem NLP sicherlich mehr Menschen zur Borkenkäferbekämpfung in den Pufferzonen eingesetzt als damals. Auch das Material ist wesentlich besser. Damals galt es Holz als Wertgut zu retten (meine Anerkennung dafür!). Jetzt geht es darum Wohlstand durch die Gewährleistung natürlicher Prozesse auch für nachkommende Generationen zu erhalten. Borkenkäferkalamitäten IM Nationalpark sind daher durchaus erwünschenswert. Der Forstdirektor a.D. meint auch, ihm würden Mischwälder vorschweben! Hervorragend: Das schwebt auch der grünen Landesregierung auf der zukünftigen Nationalparksfläche vor (und vermutlich auch der Natur)! Man sieht außerdem: Der Borkenkäfer ist eine Gefahr wie das Beispiel aus den Nachkriesjahren zeigt und er wird sich die Fichten im Klimawandel ohnehin holen - ob mit oder ohne Nationalpark. Für mich ist ein Umbau der einzige effektive Schutz.