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Baiersbronn Ein Gefühl und seine vielen Spielarten

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Sascha Falk (links) und Walle Sayer hießen als Organisatoren der Literaturtage die Autorin Annette Pehnt zur Lesung im Mitteltaler Morlokhof willkommen. Foto: Keck Foto: Schwarzwälder-Bote

B aiersbronn-Mitteltal. Um Missverständnisse auszuschließen: Annette Pehnts "Lexikon der Liebe" ist keine Anleitung für wie auch immer geartete Praktiken aus dem erotischen Bereich. Die Liebe offenbart sich stattdessen in der alphabetisch angeordneten Kurzprosa in vielerlei Gestalt, wie sie das Leben so bereithält. Unter Annette Pehnts brillanter Formulierungskunst werden die unterschiedlichen Facetten höchst lebendig.

Die Autorin aus Freiburg führt mit ihrem neuen Werk eine Reihe fort, die sie 2013 mit dem "Lexikon der Angst" begonnen hat. Nach ihrer Einschätzung ist diese Darstellungsform ideal für kleine Geschichten. Deshalb sollen weitere Publikationen dieser Art folgen. Zum Thema Liebe gibt sie sich überzeugt: "Niemand kann besser erzählen als die Liebenden." Und so schreibt sie von "Schmerz und Glück, Ungewissheit, Lust, Auf- und Hingabe, Verzweiflung und Ritual".

Walle Sayer, Ko-Organisator der Literaturtage, dankte in seiner Einführung der Familie Bareiss dafür, das sie die Lesung wiederum im stilvollen, voll besetzten Morlokhof ermöglicht hatte. Dieses Ambiente habe besondere Autoren verdient.

Entlang eines Lebenslaufs

Mit dieser Anmerkung traf er voll ins Schwarze, denn Annette Pehnt, Jahrgang 1967, weit gereiste promovierte Literaturwissenschaftlerin und Dozentin, wurde in der Folge zahlreicher vorangegangener Auszeichnungen jüngst geehrt mit dem Kulturpreis Literatur Baden-Württemberg. Aus ihrem Manuskript – das Buch erscheint erst Anfang Oktober – trug sie mit akzentuierter, wohlklingend-geschulter Stimme zehn Geschichten vor, die "entlang eines Lebenslaufs" arrangiert waren und zumindest teilweise "eigenes Lebensmaterial" thematisieren. Annette Pehnt ist eine Meisterin der literarischen Miniatur. In ihren Texten erweist sie sich als scheinbar rationale Registratorin menschlicher Verhaltensweisen und Gefühlsäußerungen. Mit ihrem oft unterkühlt wirkenden Duktus unter Verzicht auf Namen schafft sie immer wieder eine Distanzierung ihrer Figuren zur sozialen Umgebung.

In der Tradition der Kurzgeschichte verweilend, verzichtet die Autorin auf Lösungen. Dem Publikum ist dadurch die Rolle des Interpreten aufgegeben, der sich mit vielen Situationen identifizieren kann. Da ist die Liebe der Eltern zu dem "Kind", das eben von einer Auslandsreise zurückkommt. "Erwachsen ist es geworden, ein ernster Mensch", der die "Eltern mit freundlicher Zurückhaltung mustert". Diese Distanz bremst der Eltern "starker Wunsch, das Kind anzufassen". Loslösung als schmerzhafter Prozess.

Annette Pehnt wuchert gekonnt mit ihrem Pfund der Metaphorik und der Sprachmusik. Eben ist nach langem Anlauf "das neue Kind" geboren mit dem "kleinen Gesicht, das so lange in ihr geschwommen ist". Die Hebamme, ganz mit ihrer Aufgabe verwachsen, leistet Unterstützung, aber die Mutter ist so mitgenommen, dass es ihr nahezu unmöglich ist, das Kind anzulegen und "die Brust aus dem Nachthemd zu schälen". Da ist auch die Liebe des kleinen Jungen zu seinem Stofftierchen, dessen Verlust ihm die Sinne zu rauben droht: "Abends weint er so heftig, dass der Vater ihm eine Beruhigungstablette in die Milch rührt."

"Sie beschließen, ihre Trennung feierlich zu begehen, kein beiläufiger Zettel, kein wutentbrannter Streit und kein gleichgültiger Auszug scheint ihnen angemessen", formuliert Pehnt in der Geschichte mit dem lapidaren Titel "Ohne". Der Therapeut gibt zu bedenken, dass eine Trennung zwangsläufig in einen neuen Lebensabschnitt mündet. Orientierungslosigkeit allenthalben. Als sie die Ringe von den Fingern ziehen, um sie im schäumenden Bach zu versenken, "steigen ihnen Tränen in die Kehle". Mag sein, dass Annette Pehnt beim Schreiben ab und an das "Hohelied der Liebe" aus dem Neuen Testament vor Augen gehabt hat, wo es heißt: "Die Liebe hört niemals auf…". Ko-Organisator Sascha Falk dankte der Autorin jedenfalls mit Präsent und Blumenstrauß "als florale Metapher auf die Liebe".

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