Baiersbronn Die ersten Kälber sind bereits da

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Er ist einer der ältesten Höfe Baiersbronns und ist doch schon lange im Jetzt angekommen. Vor zehn Jahren bekam der Seidtenhof mit der Hofstube ein zusätzliches Standbein. Zurzeit vollzieht sich ein Wandel in seiner landwirtschaftlichen Ausrichtung.

Baiersbronn-Klosterreichenbach. Landwirtschaftsmeister Mario Zimmermann sitzt im Biergarten des Seidtenhofs auf den Reichenbacher Höfen und hat ein wenig Zeit. Es ist Ruhetag. Das Tor an dem großen Gebäude ist geschlossen. "Wir hatten 15 Milchkühe im Stall, jetzt ist er leer", sagt Zimmermann und schiebt auch gleich die Erklärung hinterher: "Wir haben entschieden, die Milchviehhaltung aufzugeben, und unseren Schwerpunkt auf die Mutterkuhhaltung zu legen." Noch in einer anderen Hinsicht vollzieht sich zurzeit ein Wandel auf dem Hof: Seit Anfang des Jahres ist er Umstellungsbetrieb für ökologischen Landbau. Zwei Jahre werde es dauern, bis die Produkte vom Seidtenhof das EU-Biosiegel tragen dürfen. Viel geändert werden müsse dafür nicht, außer die Stallhaltung.

"Es ist unsere Lebensaufgabe, den Hof so zu bewirtschaften, dass man davon leben kann", sagt Mario Zimmermann. "Wir", damit meint er die ganze Familie. Drei Generationen leben auf dem Hof: Mario Zimmermann und seine Frau Cornelia, die beiden Töchter Johanna und Lina-Marie und nebenan im Leibgedinghaus die Schwiegereltern Zimmermanns, Doris und Bernhard Seidt, die den Hof mehr als 40 Jahre lang im Nebenerwerb bewirtschafteten, bevor sie ihn an die nächste Generation übergaben. Aber auch Zimmermanns Eltern, Hans und Helga Zimmermann, packen auf dem Hof mit an.

Jeder wird hier gebraucht. Seine Frau leitet die Hofstube, er ist für Landwirtschaft, Vermarktung und Büro zuständig, seine Schwiegermutter ist in der Küche am Werk, der Schwiegervater packt überall mit an und kümmert sich um die Gäste, die Domäne von Zimmermanns Mutter ist das hofeigene Eis, und als Haus- und Hofhandwerker ist sein Vater im Einsatz.

Vor zehn Jahren war mit Hilfe eines Förderprogramms für Frauen im ländlichen Raum die Gaststätte aus der Taufe gehoben worden. Die Hofstube, für die Hauswirtschaftsmeisterin Cornelia Zimmermann verantwortlich zeichnet, sei inzwischen ein Vorzeigebetrieb und das Hauptstandbein des Hofs, stellt Landwirtschaftsmeister Zimmermann fest.

Gastwirtschaft und Landwirtschaft sind auf dem Seidtenhof eine Symbiose. Die Hofstube würde nicht funktionieren ohne die Landwirtschaft, ist Zimmermann überzeugt. Denn auf dem Seidtenhof gibt’s eben nicht nur Bauernhofatmosphäre, sondern einen echten Bauernhof. Das schlage sich auch in den Produkten, die in der Stube angeboten werden, nieder – möglichst aus eigener Produktion oder aus Betrieben der Region.

Was die Viehhaltung angeht, gibt es auf dem Seidtenhof gleich in dreifacher Hinsicht einen Wechsel: Mit der Umstellung von der Milchvieh- auf die Mutterkuhhaltung geht die Umstellung von der Anbinde- auf die Laufstall- und Weidehaltung einher. Und die dritte Änderung: die Rasse – vom Fleckvieh auf Jochberger Hummeln, genetisch hornlose Pinzgauer Rinder.

Die Reaktionen seien positiv, vor allem auf die Weidehaltung, sagt Zimmermann. Das kommt nicht überraschend. Denn die Anbindehaltung habe zunehmend an Akzeptanz verloren. Das Idealbild von einem Bauernhof sind eben glückliche Kühe auf grünen Wiesen. Weidehaltung und ökologischer Landbau, das sei aber auch das, was er und seine Frau sich für den Hof für die Zukunft vorstellen. Dazu sei als weiterer Beweggrund für die Umstellung der schlechte Milchpreis gekommen.

Vor einem Jahr zogen die Jochberger Hummeln auf dem Seidtenhof ein. Die ersten Kälber sind jetzt da. Der Vater ist ein Limousin-Bulle. Doch inzwischen gibt es auf dem Seidtenhof auch einen eigenen Bullen. Die Rasse: Jochberger Hummel. So soll die Rinderhaltung nicht nur der Fleischerzeugung, sondern auch der Zucht dienen.

Ein weiteres Projekt steht schon an: Ein neuer Stall für 25 Mutterkühe ist in Planung und soll unterhalb des jetzigen Laufstalls entstehen. Denn so ganz ohne Dach über dem Kopf geht es auch in der Weidehaltung nicht. Die Zeit drängt. "Nächstes Jahr muss gebaut werden, sonst weiß ich nicht, wohin mit den Tieren."

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