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Bad Wildbad Ursula von der Leyen mit Entertainer-Qualitäten

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Als Dank für ihren Auftritt im Forum König-Karls-Bad in Bad Wildbad bekam "Frau Ministerin" leckere Schwarzwald-Spezialitäten von der Heidelbeerprinzessin aus Enzklösterle überreicht. Foto: Kunert

Bad Wildbad - Es gibt ihn doch noch, den echten, leidenschaftlichen, lauten Wahlkampf. Der Auftritt von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwoch in Bad Wildbad war solch ein Beispiel. Ein Heimspiel vor rekordverdächtiger Kulisse im Forum König-Karls-Bad.

"Das ist schon überraschend, damit haben wir eigentlich nicht gerechnet", musste selbst Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack angesichts der unfassbar langen Warteschlangen vor dem Gebäude bekennen. "So was haben wir hier wirklich noch nie erlebt."

Drinnen sieht es CDU-Fan Hans aus Bad Wildbad viel gelassener. "Das war doch abzusehen, wenn man sich die Wahlergebnisse der letzten Jahre hier anschaut. Wir wählen schwarz." Zehn Minuten, eine Viertelstunde habe er vor der Tür anstehen müssen mit den anderen. Warum er sich das antut? "Na, um einen guten Sitzplatz zu bekommen." Was er erwarte? "Nichts. Außer die Ministerin mal live und in Farbe zu sehen."

Tatsächlich finden lange nicht alle Zaungäste dieser Veranstaltung einen Sitzplatz in dem prächtigen historischen Saal.

CDU-Bundestagsabgeordneter Hans-Joachim Fuchtel macht den Einpeitscher der Versammlung, berichtet von seiner Zeit als Staatssekretär unter von der Leyen, als diese noch das Arbeitsministerium leitete. Aus dieser Zeit auch kennen sich die beiden – besonders gut. So gut, dass er die heutige Verteidigungsministerin auf jeden Fall in seinen Wahlkreis locken konnte. Und Bad Wildbad sollte es für deren Auftritt sein, weil genau diese Stadt ihm, Fuchtel, bei der vergangenen Wahl mit das beste Wahlergebnis überhaupt geschenkt hatte.

Und dann ist der Star des Abends da – superpünktlich. Darf man da angesichts des ersten Herbststurms sagen: "Bad Wildbad, 16.30 Uhr, der Orkan tobt über dem Nordschwarzwald. Die Frisur sitzt perfekt." Der Auftritt zu "Germanys Next Top-Politiker" kann beginnen, das Wildbader Kurorchester macht mit schmissigen Evergreens die Show-Kapelle. Von der Leyen, Tochter von Niedersachsens einstigen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, ist absoluter Politikprofi. Und spürt sofort, dass ihr hier die Herzen nur so zufliegen. Null Kritik an den diversen Ausrüstungs-Desastern in ihrer Truppe. Nicht der kleinste Schatten wegen der Führungs-Vorwürfe in Richtung der ausgerechnet im hiesigen Wahlkreis ansässigen Kommando Spezialkräfte (KSK).

Breite Unterstützung

Stattdessen breite Unterstützung für Wahlkämpfer Fuchtel durch die Ministerin. Und reichlich Wahlgeschenke, zum Beispiel auch in Bezug auf das KSK: "Wir werden in den nächsten Jahren weiter 84 Millionen Euro in den Ausbau des KSK am Standort Calw investieren." Womit der Standort Calw natürlich für die Zukunft gesichert sei. Es folgt ein bisschen SPD-Bashing – genau beim Thema Verteidigungsausgaben, für die ja bekanntlich aus Richtung der NATO und der US-Regierung von der Bundesregierung verlangt werde, diese auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben. SPD-Bashing deshalb, weil es scheinheilig sei, so von der Leyen, jetzt gegen diese zwei Prozent im Wahlkampf zu opponieren, wenn doch ausgerechnet eine rot-grüne Bundesregierung damals im Jahr 2002 diese Höhe des Verteidigungshaushalts der NATO zugesagt habe. An solchen Stellen hat Wahlkampf auch viel mit lustvoller Häme dem politischen Gegner gegenüber zu tun.

Weiter geht es, warum von der Leyen "den Tanker" Bundeswehr "einmal komplett drehen muss". Wiedervereinigung und der folgende weltweite "Friedens-Taumel" hätten zur Abrüstung auf breiter Front geführt. Mit der Finanzkrise und "der Annexion der Krim durch die Russen" und dem sich daraus entwickelnden "hybriden Krieg in der Ukraine" hätte sich die Sicherheitslage aber grundlegend geändert. Die Aufträge der Truppe nähmen seitdem kontinuierlich zu. Dem folge sie als zuständige Ministerin mit neuen, zusätzlichen Investitionen – wie eben denen in den KSK-Standort Calw. Wofür es von "ihrem" Publikum für die Ministerin tosenden Applaus gab.

Weshalb sich von der Leyen von dieser Leidenschaft gerne anstecken ließ und richtig laut wurde beim Thema Türkei: "Mein Gott, was ist da los!?" Es müsse Schluss sein mit den "unflätigen Beleidigungen" des Herrn Erdogan in Richtung der Bundesregierung. Der müsse lernen, "uns mehr Respekt zu zollen". Reisewarnung, Überprüfen der EU-Beitrittsverhandlungen seien dafür die richtigen Druckmittel – wie auch abermals die Bad Wildbader Fans lautstark fanden.

Blieb noch der innenpolitische Rundumschlag aus Sicht der Ergebnisse von zwölf Jahren Merkel: Vollbeschäftigung, Beseitigung der Jugendarbeitslosigkeit, "die Wirtschaft brummt, die Löhne steigen, die Renten steigen". Und das, nachdem man 2005 "Deutschland als den kranken Mann Europas" übernommen habe. Noch ein paar Geschenke: "Es wird mit uns keine neue Schulden geben, keine höhere Steuern – im Gegenteil, die Steuern werden um 15 Milliarden Euro gesenkt werden." Zum Beispiel durch die Entlastung von Eltern durch das Heraufsetzen der Kinderfreibeträge und die Wiedereinführung des Baukindergelds.

Es menschelt

Und dann zeigte die Ministerin, dass sie auch tatsächlich echte Entertainer-Qualitäten besitzt – als sie beim Stichwort "Bürokratieabbau" von einer besonderen Stilblüte berichtete, die sie und Kollege Fuchtel einst beim Durchforsten des Paragrafen-Dschungels im Arbeitsministerium fanden: "Auszug aus dem Bundesreisekostengesetz – stirbt ein Bediensteter während einer Dienstreise, gilt die Dienstreise als beendet." Das Forum König-Karls-Bad lacht schallend über dieses Erbe aus SPD-Regierungszeiten. Auch, als von der Leyen von einem Anruf "eines Genschers" in ihrem Elternhaus berichtete, den der jüngste, damals sechsjährige Sohn des Hauses annahm.

Da menschelte es auf einmal richtig ordentlich im Forum König-Karls-Bad. Gelungene (Wahlkampf-)Show also. Und lange Ovationen für die Politik-Entertainerin.

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