Bad Wildbad (cht). Die Stadt Bad Wildbad hat im vergangenen Jahr ein ehrgeiziges Energiekonzept beschlossen. Im Strombereich soll die Stadt zu 100 Prozent regenerativ versorgt werden. Aus diesem Grund hatten Verwaltung und Stadtwerke zu einer Auftaktveranstaltung mit dem Titel "Energietage in Bad Wildbad" eingeladen. Die Veranstaltung fand im Rahmen von "60 Jahre Baden-Württemberg" als dezentrale und mit Landesmitteln unterstützte Veranstaltung statt. Das Landesmotto lautete "Wir feiern in die Zukunft rein".

Bürgermeister Klaus Mack freute sich sowohl über den guten Besuch im Großen Saal des Forums König-Karls-Bad als auch über den Referenten Ernst Ulrich von Weizsäcker, einem der renommiertesten Umweltwissenschaftler und Klimaexperten. Er hatte über nachhaltiges Wachstum ein Buch geschrieben und seine Überlegungen zu höherer Energieeffizienz dargestellt. Verschiedene Maßnahmen, so Mack, zeigten, dass die Stadt auf dem richtigen Weg sei. Er wies auf die Energieversorgung des Palais Thermal durch eine Wärmepumpe, eine geplante ökologischere Wärmeversorgung der Landesgebäude, Fotovoltaikanlagen auf den Dächern der Stadt, private Wasserkraftanlagen, Holzpelletheizungen in städtischen Gebäuden sowie eine Studie zur Entnahme von Restholz aus dem Wald hin.

Jährlich würden in Bad Wildbad rund 47 Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht, wovon bereits jetzt 3,1 Millionen Kilowattstunden (6,6 Prozent) regenerativ erzeugt würden. Mack: "Mit fünf eigenen Windrädern und einer Beteiligung an einem Windpark in der Ostsee, einem weiteren größeren Wasserkraftwerk und einem Solarfeld auf der Hochebene könnte die benötigte Energie selbst erzeugt werden." Mack weiter: "Das Auerhuhn blockiert die Windkraft. Der diskutierte Nationalpark ohnehin. Unsere Flüsse sind zu flach, die Tallage für Fotovoltaik nur bedingt geeignet…" und so scheitere Stück für Stück manches beherzte Projekt.

Umweltwissenschaftler zählt Europa mit zu den Gewinnern

Dazu meinte Weizsäcker in seinem Vortrag allerdings, dass alles, was aus regenerativer Sicht gewonnen werde, eben nicht ausreiche, um eine Klimawende zu erzielen. Das Klimadesaster bezeichnete Weizsäcker als Mikadopolitik: Wer sich zuerst bewege, habe verloren! Die Zunahme der erneuerbaren Energie bezeichnete er als zu konventionell und zu optimistisch. Weizsäcker: "Wenn die reichste Milliarde Menschen bis 2020 20 Prozent erneuerbare Energie erreicht, dann ist nur der 35. Teil des Problems gelöst. Dagegen müssten zwei Drittel mit verstärkter Effizienz erreicht werden und ein Drittel mit erneuerbarer Energie. Im Schnelldurchlauf zeigte er die Möglichkeiten auf, mit weniger Energie auszukommen. Geographisch sah Weizsäcker als Gewinner Europa, Ostasien und rohstoffarme Entwicklungsländer, als Verlierer Nordamerika, Australien, Russland, die weltweit den höchsten Kohlendioxidausstoß hätten, sowie rohstoff-exportierende Entwicklungsländer. Die Themen für diese Länder müssten ökologische Energiepolitik, Ausstieg aus der Kernenergie, ernsthaftes Recycling und ökologische Preispolitik sein.

"Aus der Flughöhe des Adlers wieder in die Tiefen der Jetztzeit" kam der zweite Referent des Abends, Peter Hettenbach mit seinem Vortrag "Energetische Sanierung aus Bürgersicht". Hettenbach ist Geograph, Bauingenieur, Spezialist für Immobilienzukunft sowie Inhaber und Geschäftsführer des Instituts Innovatives Bauen (iib) in Schwetzingen. Er halte die Effizienz für sehr wichtig, aber es gebe zwei Probleme: Geld und Menschen. Mit seiner Immobilienökonomie wolle er Wohnqualität, Energiewert und Marktwert von Gebäuden weiter entwickeln. 75 Prozent aller Gebäude seien in privater Hand, wobei Mieteinnahmen fehlten und keine Rücklagen vorhanden seien.

Hettenbachs Überlegung ist, dass die "Energiekarawane" bestehend aus Gebäudeeigentümer, Handwerker und Finanzierer miteinander die Möglichkeiten der Sanierungen überprüften und ein Konzept erstellten, das für alle tragbar sei. Hettenbach betonte, dass man bereits mit einem relativ geringen Betrag von 1000 bis 1500 Euro eine Energieeinsparung von zehn bis 15 Prozent erreichen könne. Die Entscheidung für eine Sanierung liege grundsätzlich beim Eigentümer.

Als Termin für die allgemeine Bürgerinformation ist der 28. Februar vorgesehen. Ab Anfang März dürfen die Gebäudeeigentümer der Stadt ihre Immobilie ganzheitlich bewerten lassen, ergänzte Bürgermeister Mack.