Bad Wildbad Ein Festakt in Landesakademie
Schwarzwälder-Bote, 20.04.2012 23:00 Uhr
Helmut Nagel, Direktor der Landesakademie Wildbad, freut sich auf das Ende April stattfindende Jubiläum der Partnerschaft zwischen der Uraler Pädagogischen Universität in Jekaterinburg und der Landesakademie in Bad Wildbad. Foto: BechtleFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Götz Bechtle Bad Wildbad. Dass Württemberg zum russischen Zarenreich vor allem im 19. Jahrhundert zahlreiche familiäre Verbindungen hatte, ist bekannt. Die russischen Großfürstinnen Katharina (1788-1819) und Olga (1822-1892) waren württembergische Königinnen. Wildbad, damals Königliches Bad, profitierte von zahlreichen prominenten russischen Besuchern, was man in den Badblättern bis 1914 nachlesen kann – zudem es auch noch ein "Hotel de Russie" beziehungsweise später "Russischer Hof" gab.
Seit die Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen vor fünf Jahren von Calw nach Bad Wildbad umzog, kommen immer wieder Gruppen russischer Pädagogen nach Bad Wildbad, um hier ihre Kenntnisse über landeskundliches, kulturelles und schulisches Leben in Baden-Württemberg zu erweitern.
Weniger bekannt ist, dass die Landesakademie seit 1992, also seit 20 Jahren, eine intensive Partnerschaft mit der Uraler Pädagogischen Universität in Jekaterinburg unterhält. Diese Partnerschaft ist eingebettet in die ebenfalls seit 1992 bestehende Regionalpartnerschaft des Landes mit der Oblast (Gebiet) Swerdlowsk, die auf die Initiative vom russischen Präsidenten Boris Jelzin und dem baden-württembergischen Ministerpräsident Erwin Teufel zurückgeht.
Neben den jährlich mehrfach stattfindenden Fortbildungsveranstaltungen russischer Pädagogen in Baden-Württemberg besuchen im Gegenzug alle zwei Jahre 15 bis 20 deutsche Lehrer im Rahmen eines Fortbildungsangebots den Ural. Dort nehmen sie an landeskundlich orientierten Veranstaltungen teil, die von der Pädagogischen Universität Jekaterinburg, unterstützt durch das Department Bildung, die Pädagogische Hochschule Nischnij Tagil, die Administration der Stadt Alapajewsk und die dortige Schulbehörde organisiert werden. Seit einem Jahr besteht außerdem eine Partnerschaft mit der Stadt Wolgograd (früher Stalingrad). Regelmäßig weilen auch russische Pädagogen und Studiengruppen im Internationalen Forum Burg Liebenzell, dessen Leiter Manfred Hübscher – früher an der Staatlichen Akademie Calw tätig – zahlreiche Kontakte mit Jekaterinburg hat.
Die Feier zum 20-jährigen Bestehen dieser Partnerschaft wird in zwei Etappen begangen: vom 22. bis 28. April in Baden-Württemberg, in der zweiten Oktoberwoche in Jekaterinburg.
Helmut Nagel, Direktor und Vorstand der Landesakademie, war bereits mehrmals in Jekaterinburg, wobei er vor allem beim Zehnjährigen eine Hesse-Ausstellung im Jugendpalast Jekaterinburg eröffnete, die großen Anklang bei den Besuchern fand.
An der Uraler Pädagogischen Universität in Jekaterinburg gibt es außerdem ein Baden-Württemberg-Zentrum, zwei Räume, ausgestattet mit technischen Geräten, Medien, Material und Büchern aller Art aus Deutschland, das auch von Studenten anderer Hochschulen benutzt werden kann. Baden-Württemberg entsendet zudem seit einigen Jahren eine Deutschlehrkraft für jeweils ein Jahr.
Direktor Nagel gab in einem Gespräch einen Überblick über die stattfindenden Aktivitäten. Die russische Abordnung aus Jekaterinburg wird angeführt vom Bildungsminister der Oblast Swerdlowsk, Yuri Biktuganov, der gleichzeitig stellvertretender Ministerpräsident der dortigen Duma ist. Die Delegation aus Jekaterinburg wird von der Landesregierung in der Villa Reitzenstein in Stuttgart empfangen, weiter wird es einen Empfang im Europarat in Straßburg geben, Besuche weiterer maßgeblicher Orte in Baden-Württemberg, auch der Hesse-Stadt Calw, sind vorgesehen. Der eigentliche Festakt wird am 25. April in der Landesakademie für Lehrerfortbildung in Bad Wildbad stattfinden. Da auch von Baden-Württemberg verschiedene Organisationen und Betriebe gute Kontakte mit der Oblast Swerdlowsk haben, werden zudem Besucher aus der Region erwartet.



