Von Steffi Stocker

Bad Teinach-Zavelstein. Der Weg, den Maria und Josef zurücklegten, waren in den vergangenen Wochen das Thema. Schafe, Ochsen und Esel sowie Sterne und vieles andere entdeckten die Jungen und Mädchen auf den Bildern, die sie mit Hedwig Zeller betrachteten. Die Lese-Oma lässt immer mittwochs Kinderaugen strahlen.

Seit Schuljahresbeginn besucht Zeller jede Woche die Mädchen und Jungen in der Karl-Georg-Haldenwang-Schule. Und die können es kaum erwarten, bis sie mit der Lese-Oma in die Bücherei gehen dürfen. Dann starten die Kinder mit ihr zur Entdeckungsreise durch Bücher und Geschichten. Mal suchen sie sich selbst ein Buch aus, dann wieder begleitet die Erzählerin mit passenden Vorlagen die Themen von Unterricht oder Projekten.

Immer wieder lenken die kleinen Zuhörer die Aufmerksamkeit auf Darstellungen am Rande oder im Hintergrund der bildlichen Gestaltungen. Zeller nimmt die Beobachtungen auf und erklärt den Zusammenhang zur Kerngeschichte. Manchmal erzählen die Jungen und Mädchen dann selbst eine kleine Geschichte um die Randfiguren. Gerne denken sie sich aus, wie es wohl in der Situation sein könnte. Andere Schüler zeigen nur auf eine Abbildung und regen Zeller an, über diese zu erzählen. "Das Strahlen der Kinderaugen jedes Mal aufs Neue zeigt mir, dass hier etwas gewachsen ist", fasst Zeller ihre Verbundenheit zusammen. Deshalb kommt ihr Engagement inzwischen auch den älteren Schülern bei den Kochvorbereitungen für den Schlemmermarkt zugute. "Ich sehe es als großes Kompliment, dass sie mich für cool halten", schmunzelt Zeller über die Reaktionen.

"Lesen ist für meinen Mann und mich wichtig, und da unsere Enkel schon größer sind, wollte ich andere Kinder mit meiner Leidenschaft animieren", berichtet die Lese-Oma von ihrer Motivation.

"Ich war völlig perplex und überwältigt zugleich, dass uns jemand Zeit schenken will", erzählt Schulleiterin Ilse Dieterle. Darüber hinaus ist sie von der Ernsthaftigkeit erstaunt, mit der Zeller ihr Angebot angeht. "Es ist ein großer Schatz, der uns hier geboten wird", bekräftigt Dieterle. Eigentlich würde jetzt zur Abrundung nur noch ein Sofa für die Lesezeiten fehlen. Zeller selbst empfindet einfach nur riesige Freude, dass es den Kindern gefällt, sich gemeinsam mit Geschichten und dem Lesestoff zu beschäftigen. "Wenn ich dann noch Erfolge erlebe, beispielsweise ein Kind plötzlich ein Wort mehr spricht, als vorher, macht mich das froh", sagt die Lese-Oma, auf die die Schule nicht mehr verzichten möchte.