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Bad Rippoldsau-Schapbach - Am Dienstag war Fototermin bei der Bärin Jurka im Alternativen Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach. Noch vor dessen Eröffnung am 4. und 5. September wurde Jurka der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die 13-jährige Bärin machte ihre Sache professionell. Als wäre es ihr befohlen worden, postierte sie sich auf einem Felsbrocken, kaute auf einem Apfel, gähnte herzhaft, lief gemächlich durch ihr Gehege, blickte unbekümmert und gutmütig in das gute Dutzend unablässig klickender Kamera-Objektive der Journalisten. "Das wird das letzte Mal sein, dass Sie Jurka so nah zu sehen bekommen", lacht Rüdiger Schmiedel, Geschäftsführer der Stiftung für Bären, der sich wie Projektleiterin Annika Jürßen das kamerafreundliche Verhalten der Bärin nicht recht erklären kann.
Denn der alternative Wolf- und Bärenpark soll ja gerade alles andere sein, als noch ein Tierpark, in dem "dressierte" Tiere vorgeführt werden. Es ist ein rund sieben Hektar großes, sicher eingezäuntes Gelände mit natürlichem Wald- habitat und einem fließenden Bach. In dem Park sollen Bären, später auch Wölfe, die ihr Leben lang in zu engen Käfigen, im Zirkus oder in Tierparks dahinvegetierten, ein verhaltensgerechtes Umfeld vorfinden und sich auch vor Menschen verstecken können. Jurka wird dabei nicht allein sein. Ende Oktober, Anfang November werden ihr Ben, Poldi und Schapi, drei Bärenbrüder, Gesellschaft leisten, wenn es Jurka denn verträgt.
Die Bärin, Mutter des in Bayern erschossenen Problembären Bruno, ist als Wildtier aufgewachsen, und diese gelten in Gefangenschaft als besonders schwierige Tiere. Erst vor einer guten Woche wurde Jurka aus dem italienischen Trento in den Schwarzwald geholt, wo sie sich offensichtlich wohl fühlt. Noch lebt sie in einer Eingewöhnungsstation, einem relativ kleinen Außengehege, mit der Möglichkeit, sich in Käfige ins große Wirtschaftsgebäude zurückzuziehen. In ein paar Tagen wird sie in die große Anlage umgesiedelt.
Jurka gilt, so Rüdiger Schmiedel, als doppelte Botschafterin. Zum einen dafür, dass der Alternative Wolf- und Bärenpark nach fünfjährigem Bemühen und einem ehrenamtlichen Engagement ohnegleichen endlich geöffnet wird, zum anderen als Botschafterin dafür, dass es möglich ist, Wildtiere wie Bär, Luchs und Wolf wieder in heimischen Wäldern anzusiedeln. "Jurka soll uns lehren, wie wir uns Wildtieren gegenüber verhalten müssen", sagt Schmiedel und fordert, den Tieren Raum zu geben und ihnen mit Respekt zu begegnen. Damit verfolgt der Park das gleiche Konzept wie der Wolf- und Bärenpark in Worbis, beide getragen von der Stiftung für Bären.
Bei seiner Eröffnung wird der Wolf- und Bärenpark längst noch nicht fertig sein. Der Regen in den vergangenen Wochen hat die Arbeiten noch einmal behindert. Schmiedel ist überzeugt, dass mit Eintrittsgeldern, Spenden, Zuschüssen und ehrenamtlichem Engagement der Park in absehbarer Zeit wirtschaftlich arbeiten und sich weiter entwickeln und vergrößern wird. "Sie werden hier nie ein Schild finden ›Baustelle – Zutritt verboten‹, sondern immer nur das Schild ›Baustelle – bitte treten Sie näher.‹"