
Bad Rippoldsau-Schapbach - Seit vergangener Woche steht der Alternative Wolf- und Bärenpark Schwarzwald unter neuer Leitung. Der 48-Jährige Stephan Voegeli leitete in den vergangenen vier Jahren einen Tierpark in Nordhessen.
Voegeli hat die Anlage zu einem ansprechenden Naturerlebnispark ausgebaut. Davor war der biozertifizierte Nutztierhalter Inhaber einer Werbeagentur. Der ausgebildete Grafiker war für verschiedene Agenturen als Werbegrafiker und Artdirector tätig und will jetzt seine in den bisherigen Tätigkeiten erworbenen Erfahrungen nun in den Dienst des Wolf- und Bärenparks stellen.
"Die tierischen Bewohner der großzügigen Freianlagen haben mich schnell für sich eingenommen", nennt der neue Bärenparkchef einen der Beweggründe, zusammen mit dem Mitarbeiterteam, das er leiten wird, seine Energie künftig den Zielen der Stiftung für Bären zu widmen. Voegeli will im Wolftal heimisch werden und sucht für seine sechsköpfige Familie eine Bleibe, am liebsten einen schönen Bauernhof mit viel Platz für Mensch und Tier.
Der neue Parkleiter hat schon konkrete Vorstellungen davon, was er als Nächstes in Angriff nehmen will. Er strebt an, aus der derzeitigen "Baustelle" Bärenpark nach und nach eine Anlage zu schaffen, in die die Besucher immer wieder und gerne kommen. Eine ansprechende und informative Beschilderung soll hierzu genauso gehören wie ein neuer Imbissbereich und der Ausbau der Spieleinrichtungen für Kinder. Auch die Aufnahme weiterer Tiere steht an.
Rüdiger Schmiedel, Geschäftsführer der Stiftung für Bären, berichtete, dass entsprechende Gespräche zurzeit geführt werden. Innerhalb der vergangenen zwei Wochen seien zehn Anfragen für die Übernahme weiterer Bären eingegangen. Enttäuscht äußerte sich Schmiedel darüber, dass eine Initiative des Bundesrats zum Verbot von Wildtieren in Zirkussen im Bundestag gescheitert sei. Man werde in den Bemühungen nicht nachlassen, zumal wissenschaftlich nachgewiesen sei, dass Bären im Zirkus leiden.
Über die Tiere im Wolf- und Bärenpark berichtete Julia Kerbel, dass Ben als erster Bär sich durchgängig in die Winterruhe in seiner Höhle begeben habe.
Poldi, der unter starker Arthrose leidet, habe sich in die Eingewöhnungsstation zurückgezogen, wo er sich ein Strohlager zurecht gemacht und seine Aktivitäten weitgehend eingestellt habe. Der erblindete Schapi habe sich ebenfalls eine Schlafkuhle gebuddelt und diese mit einem ausrangierten Weihnachtsbaum zum Knabbern und Spielen ausgestattet.
Jurka gönnt sich auch im zweiten Winter keine Winterruhe, sei jedoch mittlerweile wesentlich entspannter. Die drei europäischen Grauwölfe haben ihre anfängliche Zurückhaltung verloren und durchstreifen nun den Park. Ihre Begegnung mit den Bären führe dazu, dass bei diesen ihre natürlichen Instinkte wieder aufleben. Insoweit gelten die Wölfe als "Therapeuten" der Bären.
Eine notwendige Investition stehe dem Bärenpark in naher Zukunft ins Haus, berichtete Rüdiger Schmiedel: die Ausstattung des medizinischen Behandlungsraums mit einem Operationstisch. Die Sonderanfertigung koste insgesamt 35 000 Euro und sei bisher zur Hälfte durch Spenden finanziert.