Bad Liebenzell Klinik: Hezel will Standorte erhalten
Wolfram Eitel, 11.07.2012 08:00 Uhr
Friedrich Hezel verfügt über ein weitreichendes Hintergrundwissen und über viel Erfahrung in der medizinischen Versorgungspraxis.Foto: Eitel
Bad Liebenzell - Die Aufgabe der Klinikstandorte Calw und Nagold zugunsten eines Neubaus an einem noch zu bestimmenden Standort wird in der Öffentlichkeit immer häufiger diskutiert. Auf einer SPD-Veranstaltung zum Thema demografischer Wandel und medizinische Versorgung sprach sich der Bad Liebenzeller Allgemeinmediziner Friedrich Hezel in aller Deutlichkeit für die Beibehaltung der beiden bisherigen Standorte aus.
Zudem warnte der Arzt vor einer Verschärfung der sich anbahnenden medizinischen Versorgungskrise und einem weiteren Infrastrukturverlust im ländlichen Raum. Die Möglichkeit einer Zusammenlegung der Kliniken ist auch im Kreistag schon seit einigen Monaten im Gespräch. Mittlerweile soll sie auch auf den gutachterlichen Prüfstand gestellt werden.
Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Da viele Jahre bei Investitionen gespart wurde, stehen jetzt für beide Kliniken gewaltige Erhaltungsaufwendungen an. Und im Gegensatz zu früheren Jahren, als die beiden Häuser noch regelmäßig schwarze Zahlen schrieben, entstehen heute so hohe Defizite, dass neue Überlegungen zwangsläufig erfor-derlich werden.
Dies alles vor dem Hintergrund einer brisanten Krise der medizinischen Versorgung in ländlichen Gebieten. Dafür macht Hezel vier Megatrends aus. Einmal führt die Überalterung der Bevölkerung generell zu einem höheren Versorgungsbedarf, anderseits aber auch zu einer stärkeren Gewichtung der wohnortnahen Versorgung insbesondere bei der Akutbehandlung von Schlaganfällen und Herzinfarkten.
Dagegen steht als zweiter Trend im ländlichen Raum ein vehement zunehmender Ärztemangel. Der Landarztberuf erscheint in der Tat nicht mehr attraktiv, wenn, wie Hezel offenbart, für Hausbesuche nur etwa 15 Euro entgolten werden. Als dritten Trend weist Hezel auf eine betriebswirtschaftlich bedingte bundesweite Schließungswelle kleinerer Kliniken hin. Und nicht zuletzt bringt auch die Ungewissheit über den künftige Versorgungsbedarf, etwa im Zusammenhang mit der Stammzellentherapie, noch größere Planungsunsicherheit mit sich.
Hezel verfügt als Arzt und Soziologe sowie als Vorstandsmitglied des "Vereins pro Krankenhäuser Calw Nagold" und als Moderator des ärztlichen Qualitätszirkels Calw über einschlägiges Hintergrundwissen. Er befürchtet, dass die besonders in Calw über viele Jahre gewachsene und bewährte Kooperationsstruktur mit der niedergelassenen Ärzteschaft zerschlagen wird. Ob Radiologie, Dialyse, Kardiologie, Notfallpraxis, akute chirurgische Versorgung oder weitere Bereiche – sie alle könnten leicht verlustig gehen. Hinzu kommen längere Transportwege.
Das alles habe zur Folge, dass sich im gesamten Calwer Umfeld keine Ärzte mehr niederlassen, und dass sich potenzielle Patienten eines zusammengefassten Klinikstandortes künftig in benachbarte Kreise orientieren und damit voreilige Zentralisierungsträume zunichte machen. Schließlich dürften auch für kommunale Infrastruktur und Wirtschaftskraft weitere gravierende Einbußen entstehen. Da hiervon die gesamte Bevölkerung betroffen ist, fordert Hezel die Einbeziehung der Öffentlichkeit in den Diskussions- und Entscheidungsprozess.


