Von Andrea Fisel

Bad Liebenzell. Vier Vortragsstücke standen auf dem Programm des Klavierkonzerts mit Besar Krasnigi. Sie unterschieden sich sowohl in den musikalischen Ausdrucksformen als auch in den kompositorischen Grundlagen. Eines jedoch wiesen sie gemeinsam auf: höchste Ansprüche an Technik und Einfühlungsvermögen.

Wenn der junge, in Prishtina gebürtige Musikstudent auf dem Steinway-Flügel im Parksaal des Bürgerzentrums Bad Liebenzell spielte, schien die Welt um ihn herum entschwunden zu sein. Völlig ohne Noten, mit geschlossenen Augen ganz in sein Spiel versunken, dazu die Bewegungen dem Wesen der Musik angepasst, verlieh er seinen ausgewählten Klavierstücken ein Höchstmaß an individueller Prägung und Ausdruckskraft.

Vier Sätze der Partita in a-Moll von Johann Sebastian Bach eröffneten das Konzert. Alle Partiten Bachs zählen zu den reifsten und technisch anspruchsvollsten Suiten seines Schaffens. Der Komponist selbst äußerste sich dazu: "Denen Liebhabern zur Gemüths Ergoetzung verfertigt. Klavierübung ist hier allerdings nicht im Sinne einer pädagogischen Literatur zu verstehen, sondern für den Meister des Spiels zur Erbauung."

Auch die folgende Klaviersonate "Appassionata" op. 57 Nr. 23 macht ihrer Bezeichnung "Die Leidenschaftliche" alle Ehre: Sie gilt in der Musikwelt als Inbegriff expressiver solistischer Virtuosität. Dieses Werk wurde einmal als "Tragödie" bezeichnet: "Hier wird die Geschichte eines großen Willens geschrieben, der verändern möchte, dessen Kampf jedoch nicht zur Befreiung führt." Auch außermusikalische Deutungen wie "eruptiv herausbrechende Leidenschaft" vermochte der begnadete Pianist hervorragend und gefühlsstark zum Ausdruck zu bringen.

Allein die Auswahl der wenig gespielten Konzertetüde "La Leggierezza" (Leichtigkeit, Gewandtheit) von Franz Liszt zeugte von der Qualität des Interpreten. Sämtliche Klavierwerke des deutsch-ungarischen Komponisten und Pianisten zählen zu den technisch schwierigsten und brillantesten Klavierstücken überhaupt, beinhalten indessen eine eigenwillige und bisweilen schwer zu verstehende Gefühlswelt. "Scherzo cis Moll op. 39" von Frédéric Chopin beeindruckte durch den fortlaufenden Wechsel zwischen melodischen, fast liedhaften Motiven und fantasievollen, nahezu abstrakt wirkenden Abschnitten. Zugleich beendete das Stück den Reigen jener Klavierwerke, die nur außergewöhnlichen Pianisten zugänglich sind.