Bad Herrenalb Referent entkräftet viele Einwände

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"Ist der Islam eine Religion der Gewalt oder des Friedens?" lautete der Vortrag von Rainer Merkle (links). Foto: Sander Foto: Schwarzwälder-Bote

"Ist der Islam eine Religion der Gewalt oder des Friedens?" Der Martin-Luther-Saal der Kirchengemeinde Neusatz-Rotensol war gefüllt, als Rainer Merkle, Pfarrer im Ruhestand, dieses brandaktuelle Thema anpackte.

Bad Herrenalb-Neusatz. Die Zuhörer kamen aus Neusatz, Rotensol, Dobel, Bad Herrenalb und der weiteren Umgebung. Die zahlreichen Besucher zeigten, dass der Islam in der heutigen Zeit viele Menschen umtreibt.

Neueste Erkenntnisse

Zuerst stellte der Referent den Islam und das geschichtliche Umfeld seiner Entstehung vor. Der Islam entstand nach neuesten Erkenntnissen aus einem syrisch-arabischen Christentum heraus. Anschließend stellte der Theologe die Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam heraus. Zwar sehe der Islam Jesus lediglich als wichtigen Propheten und nicht als Sohn Gottes an.

Der Bezug dieser beiden Religionen auf Abraham als Vater des Glaubens sei ein Zeichen, dass der Islam und das Christentum zusammen mit dem Judentum Geschwisterreligionen seien.

In einem nächsten Schritt konnte Merkle anhand von Koran-Versen nachweisen, dass der Islam die Juden und Christen als sogenannte Schriftbesitzer anerkenne. Nach den Offenbarungen Mohammeds dürfe es keinen Zwang zu einer Religion geben. Viele Jahrhunderte lang hielten sich die Muslime auch in den von ihnen eroberten Gebieten wie in Spanien oder dem heutigen Irak daran. Der sogenannte Dschihad war im eigentlichen Sinne kein heiliger Krieg, sondern zu allererst das Bemühen, ein frommer, dienender und wohltätiger Muslim durch den Kampf gegen das Schlechte in einem selbst zu werden.

Auseinandersetzungen

Zweifellos gebe es im Koran sehr viele Stellen, die zum Krieg aufrufen würden und von kriegerischen Auseinandersetzungen berichteten, ähnliche Stellen gebe es auch im Alten Testament. Diese Texte dürften aber keine überzeitliche Gültigkeit beanspruchen. Der Referent berief sich mit dieser Aussage auf den modernen muslimischen Theologen Mouhanad Khorchide. Dieser versuche durch den Verweis auf Schlüsselstellen im Koran nachzuweisen, dass der Islam im Grunde eine Religion des Friedens und der Barmherzigkeit sei.

In der sich anschließenden regen und kontroversen Diskussion wurde zum Ausdruck gebracht, dass der Islam durch einige extreme terroristische Gruppen wie den sogenannten Islamischen Staat oder die Taliban eine gewalttätige und menschenverachtende Facette bekommt.

Mehrheitlich friedlich

Dabei ist der Islam ursprünglich und auch heute noch mehrheitlich friedlich. Nicht alle Diskussionsteilnehmer hatten eine so positive Einstellung zum Islam wie der Referent Rainer Merkle. Auch die Ablehnung Israels durch die Muslimischen Saaten wurde zur Sprache gebracht. Durch seine vielen Kontakte zu muslimischen und jüdischen Theologen konnte Merkle viele Einwände entkräften oder abschwächen. Ein wichtiges Ergebnis des Abends war die Anregung des Referenten und vieler Zuhörer, mit den Muslimen ins Gespräch zu kommen, um die jeweils andere Religion besser kennen und verstehen zu lernen.

Altes Kirchspiel

Schnell war die geplante Zeit überschritten. Zum Abschluss verband Rudi Maulbetsch von der Kirchengemeinde Dobel seinen Dank mit der Hoffnung, dass derartige Veranstaltungen zukünftig im Wechsel zwischen den beiden Kirchengemeinden Dobel und Neusatz-Rotensol stattfinden sollten, um die Verbundenheit des alten Kirchspiels Dobel zu bekräftigen.

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