Bad Herrenalb Hotel im Kurpark wird verkauft

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Das Hotel am Kurpark wurde bislang als barrierefreie Einrichtung auf Vier-Sterne-Niveau betrieben. Foto: Kugel

Bad Herrenalb - Die Evangelische Heimstiftung (EHS) will das Hotel im Kurpark in Bad Herrenalb verkaufen. Es kann aber durchaus sein, dass sich der Gemeinderat bald wieder mit dem Thema "Wohnen Plus" beschäftigen wird.

Vorige Woche wurde in einer Pressemitteilung mitgeteilt: Das Maklerhaus Engel&Völkers Commercial habe den Auftrag bekommen, das Hotel wieder zu verkaufen. Zur Erinnerung: Die Paulinenpflege Winnenden stellte den Hotelbetrieb zum Januar ein, weil das Konzept eines Pflegehotels nicht die erforderliche Auslastung gebracht hat.

Die EHS mit Sitz in Stuttgart kaufte das Hotel im Herbst vergangenen Jahres und beabsichtigte, das Gebäude zum Wohnstift nach dem "Wohnen Plus"-Konzept umzubauen.

"Das Konzept wäre eine sinnvolle Weiterentwicklung des Pflegehotels, denn es wendet sich auch an einen Personenkreis, der trotz Pflegebedürftigkeit möglichst aktiv und selbstständig leben möchte", teilte die Heimstiftung mit.

Das neue Wohnstift-Haus am Kurpark hätte nach ihrer Überzeugung nichts mit einem Pflegeheim zu tun. Die Diakoniestation und die Tagespflege sollten im Gebäude bleiben und als Kooperationspartner eine wichtige Rolle im Wohnstift am Kurpark übernehmen.

"Es wäre ein tolles und innovatives Projekt geworden, das wir schnell hätten realisieren können und das ganz sicher zu einer Belebung der Stadtmitte beigetragen hätte", resümierte Bernhard Schneider, Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung.

Chance und Bereicherung

Im November stimmte der Gemeinderat gegen den Beschlussantrag der Verwaltung. Eine Nutzungsänderung für das "Hotel am Kurpark" wurde abgelehnt. Etliche Zuhörer im vollen Sitzungssaal applaudierten.

Dass Bürgermeister Norbert Mai von einem möglichen Fehler sprach, wenn man der Nutzungsänderung nicht zustimme, brachte nichts. Seit Jahren werde versucht, Betreiber für leer stehende Hotels zu gewinnen. Die Erfahrung habe gelehrt, dass Bad Herrenalb von außen "noch nicht so attraktiv ist". Mai meinte, ein Hotel sei sicherlich die Idealvorstellung, doch sollten die Räte in sich gehen. "Wohnen Plus" sei eine Chance und Bereicherung, die Kaufkraft im Ort werde gestärkt.

Stadtentwicklung

Michael Theis (GL) sagte, er gehe von einem aktiveren Leben als beim früheren Pflegehotel aus. Markus Merkle (FW) betonte, es sei blauäugig zu behaupten, der Hotelbetrieb könne in Zukunft weitergehen. Karl-Heinz Pfeiffer (FW) erklärte, als seinerzeit das Gebäude errichtet worden sei, habe man bereits bestimmte Weichen gestellt.

Diese Aussagen fanden aber keine Mehrheit. Andreas Tockhorn (BF-BHA) erinnerte an das Leitbild für Bad Herrenalb. Sein Fraktionskollege Reinhard Domke sagte, er könne nicht Einzelprojekten zustimmen. Wolfhart König (UBV) bezeichnete das Konzept positiv, nicht aber den Standort. Christian Romoser (CDU) meinte, er sehe keine Veranlassung, vom bestehenden Plan abzuweichen.

"Das war natürlich enttäuschend für uns", so Schneider zum Nein des Gremiums. "Aber wir respektieren die Entscheidung des Gemeinderates, auch wenn es schwerfällt. Wir haben verstanden, dass die Mehrheit des Gremiums aus Gründen der Stadtentwicklung das Hotel am Kurpark weiter als Hotel sehen möchte."

In der Geschäftsordnung des Bad Herrenalber Gemeinderats ist zu lesen: "(1) Der Bürgermeister stellt die Tagesordnung für die Sitzungen auf. (2) Auf Antrag eines Viertels der Stadträte ist ein Verhandlungsgegenstand auf die Tagesordnung spätestens der übernächsten Sitzung zu setzen. Die Verhandlungsgegenstände müssen zum Aufgabengebiet des Gemeinderats gehören. Satz 1 gilt nicht, wenn der Gemeinderat den gleichen Verhandlungsgegenstand innerhalb der letzten sechs Monate behandelt hat."

Also kann es durchaus sein, dass, wenn neue Erkenntnisse vorliegen, sich die Stadträte nach einem halben Jahr erneut mit "Wohnen Plus" beschäftigen. Wenn sich kein Käufer findet, kann das Thema wieder für Dikussionsstoff sorgen.

Betrieb eingestellt

Einen Tag nach der Entscheidung des Gemeinderats stellte Schneider auf Anfrage unserer Zeitung fest: "Wir sind schon enttäuscht!" Allerdings respektiere man durchaus die Entscheidung des Gemeinderats. Nun warte man den offiziellen Bauantrag-Bescheid ab. Die EHS sei offen für gute Gespräche, bemerkte Schneider. Mit der Stadt werde das weitere Vorgehen abgestimmt.

Es habe im Übrigen keine Parallelstrategie gegeben. Überlegungen würden in aller Ruhe überprüft. Hätte der Gemeinderat der Nutzungsänderung zugestimmt, wäre ab September 2016 wieder Leben ins Gebäude eingehaucht worden.

Übrigens: Auf der Homepage des Hotels am Kurpark war gestern noch zu lesen: Der Betrieb sei am 6. Januar eingestellt worden. Die EHS werde die seitherigen 61 Hotelzimmer und Appartements zu 43 betreuten Seniorenwohnungen umbauen.

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