
Bad Herrenalb. Technische Entwicklungen wurden schon immer ambivalent wahrgenommen: Der Bewunderung für Großleistungen technischer Ingenieurskunst standen Befürchtungen gegenüber, die vor Hybris und möglichen Katastrophen warnten. "Davon zeugt auch das Kentern der ›Costa Concordia‹, eines technisch bestens ausgestatteten Schiffes, das durch grob fahrlässiges Verhalten des Kapitäns dennoch auf die Felsen vor der Toscanaküste auflief", heißt es in einer Pressemitteilung.
Technik bleibe ambivalent: sie werde einerseits verklärt und dank Werbung zum Kultobjekt mit fast sakraler Aura, andererseits aber auch verteufelt und dämonisiert. Auf der Tagung "Technik – Angst – Folgen. Verantwortung für nachhaltige technische Entwicklung" vom 27. bis 29. Januar in Bad Herrenalb (Evangelische Akademie Baden, Dobler Straße 51) soll der zwiespältigen Bewertung von Technik nachgegangen werden.
Die öffentliche Tagung der Evangelischen Akademie Baden in Kooperation mit dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) fragt insbesondere nach den ethischen Kriterien für eine zukunftsfähige nachhaltige Technik jenseits von lähmender Technikangst und blinder Euphorie.
Meinungsmache und Informationsauftrag
Walter Kaiser (TU Aachen) wird mit Beispielen aus der Technikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts belegen, dass Angst und Technik immer in Beziehung stehen. Praxisnah wird Michael Decker (KIT und ITAS Karlsruhe) Folgen der Technik am Beispiel von Fukushima und Stuttgart 21 aufzeigen.
Wie Angst die technische Entwicklung Deutschlands beeinflusst, ist Thema des Beitrags von Walter Krämer (TU Dortmund), bekannt geworden durch den Bestseller "Lexikon der populären Irrtümer". Elke Duwenig (Limburgerhof) wird die Frage der Technikangst am "Schreckgespenst" Gentechnik vertiefen.
Boris Essmann (Uni Freiburg) fragt laut Ankündigung am Beispiel der modernen Neurotechnologie, wie viel Technik der Mensch denn wirklich braucht. Die Rolle des Technikjournalismus zwischen Meinungsmache und Informationsauftrag analysiert Lutz Frühbrodt (Würzburg-Schweinfurt).
Kriterien für eine ethische Bewertung von Technik wird im Schlussvortrag der Theologe und Ingenieurwissenschaftler Christian Berg (Tübingen) aufzeigen.
Weitere Informationen: www.ev-akademie-baden.de/html/ veranst/halbjahresprogramm_aktuell.html