Bad Herrenalb Bekannt für den sprühenden Humor

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Wilhelm Lörcher, Ehrenbürger von Bad Herrenalb, hat in seinem langen Leben viel gesehen. Gestern ist er im Alter von 94 Jahren gestorben. Archivfoto: Kugel Foto: Schwarzwälder-Bote

Bad Herrenalb. Große Trauer in Bad Herrenalb: Wilhelm Lörcher, Ehrenbürger der Kurstadt, ist gestern im Alter von 94 Jahren verstorben.

Bad Herrenalb (wk). Tief betroffen von Lörchers Tod zeigte sich Bürgermeister Norbert Mai. Der Rathauschef bezeichnete ihn als ein Urgestein, das jeder kannte und dessen Name weit über die Gemeindegrenzen hinaus ein Begriff gewesen sei. "Mit seiner Person verbindet man aktives Vereinsleben, Liebe zur Kommunalpolitik, einen unermüdlichen Heimatfreund – und dies alles gepaart mit einem sprühenden Humor," sagte Mai gegenüber dem Schwarzwälder Boten.

Lörcher wurde am 24. Januar 1922 in Herrenalb geboren. Von 1928 bis 1932 besuchte er die Volksschule, von 1932 bis 1934 die Realschule und danach das Helmholtz-Realgymnasium. Nach der Reifeprüfung folgte die kaufmännische Lehre in Waiblingen und Stuttgart. Die kaufmännische Gehilfenprüfung schloss Lörcher 1940 in Stuttgart ab.

Eine schwere Verwundung erlitt Wilhelm Lörcher im Zweiten Weltkrieg bei Stuhlweißenburg. Aus der Kriegsgefangenschaft, unter anderem in Frankreich, wurde er an Pfingsten 1946 entlassen. Das Haus in Herrenalb wurde von den Franzosen beschlagnahmt (Zahlmeisterei), das eigene Gemischtwarengeschäft ausgeplündert.

In Herrenalb gab es für den 23-Jährigen vorerst keine Beschäftigung. Durch Beziehungen bekam er jedoch eine Volontärstelle in der Spinnerei Ettlingen.

Es folgte von 1946 bis 1948 der Besuch der Fachhochschule für Textil in Reutlingen mit kaufmännischer Zusatzausbildung. Danach gab es einen vollständigen Umbau des seit 1889 bestehenden Gemischtwarenladens zu einem modernen Textilgeschäft.

In nahezu allen Vereinen Mitglied

Nach dem Tod des Vaters (1950) folgte die Übernahme der Firma Wilhelm König. 1980 wurde das Geschäft verpachtet, verbunden mit dem Umzug ins Haus Peter-Beuscher-Weg 17.

Wilhelm Lörcher war Stadtrat von 1948 bis 1994 (20 Jahre lang stellvertretender Bürgermeister), 30 Jahre Kreisrat und 25 Jahre Mitglied des Verwaltungsrats bei der Kreissparkasse (1996 Sparkassenmedaille in Gold mit Brillanten).

1980 erhielt Lörcher das Bundesverdienstkreuz am Bande, 1983 die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg, 1987 die Ehrenmedaille des Gemeindetags Baden-Württemberg, 1989 die Landesmedaille des Landkreistages Baden-Württemberg, 1994 die Bürgermedaille in Gold der Stadt Bad Herrenalb sowie die Ehrenbürger-Rechte und 1996 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse (verliehen durch Minister Erwin Vetter).

Das Bad Herrenalber Urgestein war von 1980 bis 2003 Vorsitzender des Kurvereins. 1986 erfolgte die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des Enzgaus im Schwäbischen Sängerbund und die Verleihung der Silcher-Nagel-Medaille (höchste Auszeichnung des Schwäbischen Sängerbundes).

Lörcher war des Weiteren rund 25 Jahre lang Vorsitzender des Männergesangvereins Bad Herrenalb. 70 Jahre lang war er Mitglied des Vereins. Aus der Hand des Ministerpräsidenten Günther Oettinger nahm Lörcher 2006 beim Gautag des Enzgaus die Staufer-Medaille des Landes entgegen.

Eine Mitgliedschaft in nahezu allen Vereinen der Stadt wies der Ehrenbürger vor. Meistens war er schon mehr als 50 Jahre dabei. Mit der Wandernadel in Gold ehrte die Ortsgruppe Bad Herrenalb im Schwarzwaldverein 2011 Wilhelm Lörcher. Wegen seiner 85-jährigen Mitgliedschaft zum Verein wurde er in diesem Jahr zum Ehrenmitglied ernannt.

Ebenso lange hielt Lörcher zudem der Skizunft Bad Herrenalb die Treue. Deshalb gab es 2011 ebenfalls eine Ehrung. Nebenbei: In beiden Vereinen hatte ihn sein Vater angemeldet.

Eine besondere Auszeichnung wurde Lörcher im Jahr 2011 außerdem beim Musikverein Bad Herrenalb-Gaistal zuteil – für 60-jährige Mitgliedschaft.

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