
Bad Dürrheim - Die grün-rote Landesregierung widmet dem Thema Windkraft besondere Aufmerksamkeit. Deshalb prüft derzeit auch Bad Dürrheim, welche Standorte sich für eine Ausweisung im Flächennutzungsplan eignen.
Bislang oblag es dem Regionalverband, Flächen zur Windkraftnutzung in der Region darzustellen. Für Bad Dürrheim wurde dabei kein Standort eingetragen, erklärt Markus Stein von Hauptamt der Stadtverwaltung. Doch nun ist die Landesregierung daran, das entsprechende Planungsgesetz zu ändern und gibt damit den Kommunen und Verwaltungsgemeinschaften die Möglichkeit, das Thema erneut aufzugreifen. Bis 1. September soll der Flächennutzungsplan überarbeitet sein. Ob es Bad Dürrheim gelingt, bis zu diesem Stichtag alles aufzubereiten, kann Stein zum jetzigen Zeitpunkt nicht zusagen. Doch er geht davon aus, dass bis dahin die Arbeiten zumindest so weit fortgeschritten sind, dass bei einem Antrag für eine Windkraftanlage ein Aufschub bis zur endgültigen Fertigstellung des Flächennutzungsplans erwirkt werden könnte.
Vor einem Jahrzehnt war das Thema Windkraft schon mal aktuell in Bad Dürrheim. Es gab Investoren, die in Hochemmingen oder bei Ober- und Unterbaldingen Anlagen aufstellen wollten. In Hochemmingen regte sich breiter Bürgerprotest, auch eine Petition wurde eingereicht. Der Petitionsausschuss lehnte im Hinblick auf eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes das Windkraftprojekt ab. Auch Planungen für eine Anlage bei Ober- und Unterbaldingen wurden fallen gelassen, weil hier Probleme mit dem Luftverkehr des Flugplatzes Donaueschingen gesehen wurden.
Nun wird das Thema für die Gesamtgemarkung Bad Dürrheim neu aufgerollt, betont Stein. Dessen persönliche Meinung ist, dass die Bevölkerung auch unter den jüngeren Vorfällen mit der Reaktorkatastrophe in Japan und der sich abzeichnenden Klimaveränderung offener ist für alternative Energiegewinnung. Und da spielt die Windkraft bundesweit die Hauptrolle. Ob es in Bad Dürrheim nun doch geeignete Flächen hierfür gibt, vermochte Stein gestern nicht zu sagen. Hier würde in den nächsten Monaten nach verschiedenen Kriterien bewertet, nicht nur das Windaufkommen spiele eine Rolle, sondern auch Veränderungen des Landschaftsbildes und Erschließungsmöglichkeiten.
Vorstellbar sei auch, dass sich Bad Dürrheim mit umliegenden Kommunen und Verwaltungsgemeinschaften zusammentut, um gemeinsam geeignete Flächen auszuweisen, die dann nicht zwingenderweise auf Bad Dürrheimer Gemarkung liegen müssten. Es gelte, sorgsam mit dem Thema umzugehen und die Interessen der Bürger ebenfalls zu berücksichtigen.
Die Bürgerenergiegenossenschaft Schwarzwald-Baar und der Arbeitskreis Energiewende hatten kürzlich zu einer Infoveranstaltung im Haus des Bürgers eingeladen. Dabei gab Geschäftsführer Uhl von Uhl Windkraft in Ellwangen Tipps, wie Windkraftprojekte angegangen werden können. Ein Bau solcher Anlagen komme nicht nur der Energiewende zugute, sondern lohne sich auch wirtschaftlich. So würden die Kommunen 100 Prozent der Gewerbesteuer erhalten. Darüber hinaus sei es wichtig, die Bevölkerung über die Möglichkeiten zur Investition einzubeziehen. Sobald die planungsrechtlichen Voraussetzungen von den Kommunen hergestellt sind, will die Bürgerenergiegenossenschaft die Umsetzung eines ersten "Bürgerwindrads" in der Region angehen.