
Bad Dürrheim (kal). Die Stühle waren knapp, dicht gedrängt saß ein erwartungsvolles Publikum im Raum und konnte unter viel anerkennendem Applaus eine strahlende, sympathische Künstlerin begrüßen. Im Rahmen der Konzertreihe "Klassik live" im Hotel am Solegarten faszinierte die Pianistin Henriette Gärtner am Konzertflügel ihre Zuhörer.
"Eine Pianistin dieser Weltklasse können wir uns für diese Veranstaltung eigentlich nicht leisten", meinte der Leiter der Konzertreihe, Ernst Lutz, zur Begrüßung. Doch einem glücklichen Zufall, nämlich einer freundschaftlichen Verbindung, war es zu verdanken, dass Henriette Gärtner, die sonst auf den großen Bühnen der Welt auftritt, in der Kurstadt konzertierte. Um sie zu hören, müsse man normalerweise nach Zürich oder nach Frankfurt fahren, so Lutz. Trotz allem sei es sehr erfreulich, dass die in Freudenstadt geborene und in Meßkirch aufgewachsene Pianisten bodenständig geblieben sei.
Die Pianistin erschien in einem leuchtend gelben Abendkleid und eroberte mit ihrem strahlenden Lächeln und ihrer erfrischenden Art die Herzen der Zuhörer, noch bevor sie sich an den Konzertflügel setzte. "Ich freue mich, dass der Raum so gut gefüllt ist, das macht warm", meinte sie und kündigte selbst die Stücke aus ihrem fast zweistündigen Programm an. Ausgewählt hatte sie die Toccata und Fuge in d-moll von Johann Sebastian Bach, die Sonate "Waldstein" von Ludwig van Beethoven, zwei Walzerstücke und eine Polonaise von Frederic Chopin und "Isoldes Liebestod" aus der Oper "Tristan und Isolde" von Richard Wagner. Mit kurzen Informationen über den jeweiligen Komponisten machte die herausragende Pianistin, die in den 80er-Jahren als Wunderkind gefeiert wurde, ihren Zuhörern das vorgetragene Werk verständlich. Ihrem meisterhaften Klavierspiel wurde gebannt gelauscht.
Mehr als erstaunlich war es für die Zuhörer, dass Henriette Gärtner ohne Noten spielte. Mal zart und anmutig, mal voller Energie und wie verschmolzen mit dem Instrument bescherte sie ihrem Publikum mit ihrer virtuosen Spielkunst einen vollendeten Hörgenuss. Gerne gab sie die durch langen Beifall geforderten Zugaben, und auch ein Geburtstagsständchen gab es für eine Zuhörerin, bei dem alle mit einstimmten.
Ernst Lutz bedankte sich bei Henriette Gärtner mit einem süßen Präsent, worüber sie sich herzlich freute, und einen extra Applaus gab es, als er wissen ließ, dass die Künstlerin kürzlich an der Universität Konstanz nach einer Promotion den Titel eines Dr. rer. nat. mit einer Arbeit über den Zusammenhang von Klang, Kraft und Kinematik beim Klavierspiel erreicht hatte.