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Bad-Dürrheim Auch in Kliniken funkt es immer mehr

admin, vom 31.08.2010 21:29 Uhr
Kabellos ins Internet ist für viele Alltag. Manche Wissenschaftler warnen vor der Strahlenbelastung. 
 
Foto: dpa/Bodo Marks Foto: Schwarzwälder-Bote
Kabellos ins Internet ist für viele Alltag. Manche Wissenschaftler warnen vor der Strahlenbelastung. Foto: dpa/Bodo Marks Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Markus Reutter

Bad Dürrheim. In den Kliniken Bad Dürrheims wird zunehmend ein drahtloser Internetzugang angeboten, wodurch die elektromagnetische Strahlenbelastung erhöht wird. Der langjährige Umweltphysiker Lebrecht von Klitzing sieht diese Entwicklung sehr kritisch.

Von Klitzing beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Erforschung der Elektrosensibilität, unter der auch in Deutschland zunehmend Menschen leiden. In der Schriftenreihe "Reaktorsicherheit und Strahlenschutz" des Umweltbundesamtes wird davon ausgegangen, dass sechs Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren sich als elektrosensibel begreifen.

Der zunehmende Elektrosmog in Kommunen war auch Thema in Bad Dürrheim, als es in den vergangenen Jahren um die Aufstellung einer weiteren Mobilfunkanlage am Minaraweiher ging. Kritiker bemängelten, dass die Auswirkungen der erhöhten Strahlenbelastung nicht ernstgenommen würden und Elektrosensibilität als psychische Einbildung abgetan werde.

Die Forschungen des Umweltphysikers von Klitzing wollen anhand wissenschaftlicher Methoden das Phänomen "Elektrosensibilität" fassbarer machen. Unter Laborbedingungen misst er bei Elektrosensiblen Veränderungen in der "Herzratenvariabilität". Beim Kontakt mit der hochfrequenten Strahlung kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. Bei zwei Personen registrierte er einen Herzstillstand über fünf Sekunden hinweg. Diese und weitere Parameter ergeben laut von Klitzing Hinweise, wie sich die gepulste Strahlung auf Menschen auswirkt, wobei die Reaktionen individuell seien.

Den Einsatz von drahtlosem Internet in Kliniken, also bei Personen mit einem ohnehin angegriffenen Gesundheitszustand, hält von Klitzing für "absolut kontraindiziert".

Eine Umfrage in mehreren Bad Dürrheimer Kliniken ergab, dass hier vermehrt auf drahtloses Internet gesetzt wird. So berichtet Joachim Limberger, dass derzeit an einigen öffentlichen Zonen der Klinik Limberger wie Cafeteria, Terrasse oder Lobby Internet ohne Kabel empfangen werden könne und geplant sei, den drahtlosen Internetzugang auszubauen. Studien, die dadurch eine gesundheitliche Gefahr sehen, seien im nicht bekannt.

Der Geschäftsführer der Espan-Klinik, Heiko Biedehorn, meint, dass seit einigen Monaten in den Patientenzimmern drahtloses Internet empfangen werden könne, und die Patienten für den Internetzugang "sehr dankbar" seien. Für sie sei es ein "Tor zur Welt". Die Umstellung auf kabelgebundenes Internet hält Biedehorn für nicht finanzierbar. In einem "30 Jahre alten Gebäude" die entsprechenden Kabel zu legen, sei "wirtschaftlich nicht darstellbar". Die Gefahren von Mobilfunk seien eine Glaubensfrage. Es gebe Studien in die eine, aber auch in die andere Richtung.

Die Hüttenbühlklinik therapiert vor allem Patienten mit psychosomatischen Beschwerden. Verwaltungsleiter Jörg Wittmann erklärt, dass es in der Klinik einen öffentlichen, kabelgebundenen Internetzugang gebe. Es sei aber nicht vorgesehen, Internet für jedes Zimmer bereitzustellen. Denn ganz bewusst werde darauf gesetzt, dass die Patienten Abstand von ihrem Alltag finden. Allerdings gebe es Patienten, die ihre tragbaren Computer mitbringen und drahtlos Internet empfangen. Er erinnert sich auch an einen Fall vor einem Jahr, als ein Patient sich als elektrosensibel darstellte und meinte, er leide gesundheitlich unter der Strahlenbelastung vor Ort. Wobei Wittmann nicht ausschließen möchte, dass es sich hier um ein "Angstphänomen" handelt.

Weitere Informationen: www.umweltphysik.com; www.bmu.de/strahlenschutz/schriftenreihe_reaktorsicherheit_strahlenschutz/doc/38016.php; www.swr.de/swr2/service/audio-on-demand (hier den Beitrag "Flucht unmöglich")

Von Markus Reutter

Etwas, das man nicht sehen und greifen kann, das aber trotzdem da ist, hat Potenzial, Angst zu machen. Viele Befürchtungen ranken sich um den zunehmenden Einsatz hochfrequenter Strahlung, sei es beim Mobilfunk oder drahtlosen Internetzugang. Bei elektrosensiblen Menschen kommt die Angst hinzu, von Mitmenschen nicht ernst genommen zu werden. Als "Angstphänomen" und "Einbildung" werden deren gesundheitliche Beeinträchtigungen gerne abgetan. Umso wichtiger ist es, dass fundierte Untersuchungen Fakten schaffen. Der Umweltphysiker Lebrecht von Klitzing ist einer der populärsten Vertreter in der Erforschung von Elektrosensibilität. Er empfiehlt gerade Kliniken, die Strahlenbelastung gering zu halten. Eine Empfehlung, die zum Nachdenken und Handeln anregen sollte, nicht nur in Bad Dürrheim mit seinen Kliniken.

Kommentare (1)
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SEP
01
16:35 Uhr, geschrieben von Jaka
Genauer hinsehen!
Guten Tag! Danke für diesen Artikel. Es ist so wichtig, daß dieses Thema endlich bekannter wird. Daß sogenannte "Elektrosensibilität" Einbildung sei, ist etwas, was in meinen Augen nur Menschen sagen können, die sich noch nie wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Es ist das gleiche, als wenn jemandem abgesprochen wird, beispielsweise Kopfschmerzen von der Sonne zu bekommen. Dieser Mensch hat dies mit Sicherheit x-fach überprüft. Ich selbst habe jahrelang überhaupt nicht gewußt, daß meine Beschwerden mit der Mikrowellenstrahlung zusammenhängen - und doch waren sie da! Angst.... Einbildung.... ? Ich kenne ausschließlich Menschen mit "Elektrosensibilität", d. h. Mikrowellensyndrom, die erst durch jahrelange Beobachtung auf die tatsächlichen Ursachen gestoßen sind. Ich plädiere dafür, die Mitmenschen, die solche Probleme haben, ernster zu nehmen und ihnen mal richtig zuzuhören. Eine andere Variante wäre: Sich mal zwei Wochen lang bestrahlen lassen, am besten mit einer Dosis der Grenzwerte. Das dürfte keiner beschwerdefrei durchstehen! Zudem sind die Gefahren längst durch Studien belegt. Nur sind diese unbequem für eine gewisse Zaster-Gemeinschaft. Ich habe kürzlich von einer Frau mit einer 14-jährigen Tochter gehört, daß zwei der Freundinnen ihrer Tochter einen Hirntumor haben. "Man kann doch nicht beweisen, daß..." Kann man vielleicht nicht. Und dennoch ist es auffällig, und es wäre immens wichtig und dringend erforderlich, daß die breite Bevölkerung endlich informiert wird - statt daß z. B. in allen möglichen Fernsehsendungen wie selbstverständlich die Leute mit einem Funkteil am Kopf gezeigt werden (selbst Schwangere!). Wer Interesse hat, sich weiter schlau zu machen, kann gerne nachlesen unter: http://www.buergerwelle.de/ bei Ulrich Weiner: http://ul-we.de/category/faq/mobilfunkstudien/ http://www.diagnose-funk.org/
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