Bad-Dürrheim Artgerechte Tierhaltung ein "großer Prozess"

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Bad Dürrheim (kal). Die Initiative "Stoppt die Schweinefabrik" möchte sich nicht auf ein Nein-Sagen beschränken, sondern nach Alternativen für eine artgerechte Tierhaltung suchen. Mit diesen Worten eröffnete Moderator Wolfgang Kaiser gestern die über zweistündige Podiumsdiskussion im Bad Dürrheimer Haus des Gastes, die von über 150 Personen verfolgt wurde.

Passend zum Anlass konnte er dazu die Teilnehmer der Aktion "Good Food March" begrüßen, die auf ihrem Weg von München nach Brüssel in Bad Dürrheim Station machten. Mit dieser europaweiten Aktion möchten sie sich für eine ökologische und soziale Landwirtschaft stark machten. Als weitere Gäste stellte Kaiser Patrik Neukomm, konventioneller Schweinehalter aus der Schweiz, Jürgen Mäder, Geschäftsführer von Edeka Südwestfleisch, Martin Hahn, Mitglied im Agraauschuss des Landtags Baden-Württemberg, sowie Stefan Jonigk, Geschäftsführer von Pro-Vieh, dem Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung, vor.

Stefan Jonigk eröffnete die Podiumsdiskussion, indem er den Zuhörern verdeutlichte, wie artgerechte Tierhaltung, vor allem bei der Schweinezucht, definiert werde. Wichtig sei es, dass die Tiere ihr angeborenes Verhalten ausleben können. Ein Leben ohne Hunger, ohne Schmerzen, ohne Verletzungen und ohne Leid und mit angemessener Pflege. Das höre sich auf dem Papier gut an, doch wegen wirtschaftlicher Belange würden diese Vorgaben nicht eingehalten, so Jonigk. Schweine bräuchten viel Bewegung und viel frische Luft, von Natur aus würden sie ständig nach Nahrung stöbern und schnüffeln, und wenn sie könnten, würden sie vergleichsweise in einer Vier-Zimmerwohnung leben. Dem Tier sei auch angeboren, "aufs Klo zu gehen", es sei ihm zuwider, im eigenen Dreck zu schlafen. Auch kritisierte der Redner, dass den Tieren in der Massenhaltung aus Platzgründen der Schwanz entfernt werde, was Entzündungen und Schmerzen zur Folge habe. Die Lösung sei, dass der Verbraucher weniger, aber dafür hochwertigeres Fleisch aus einer artgerechten Tierhaltung bevorzuge. Patrik Neukomm stellte seinen Betrieb vor, in dem er Schweinefleisch für die Coop-Naturfarm produziere, die ihm gewisse Auflagen vorschreibe, um der Lebensweise der Tiere entgegen zu kommen. Jürgen Mäder von Edeka Südwestfleisch wünschte, dass mit dem Label des Tierschutzes als Speerspitze vorangegangen werden solle. Er habe ein Konzept eingebracht, denn die Handelsunternehmen sollen in die Ställe gehen, um zu beraten, zu prüfen und zu überwachen. Nicht unerwähnt ließ er, dass 50 Prozent des Fleisches mit entsprechenden Preisen in Discountern vertrieben werde.

"Wir brauchen Partner, die unsere Vorstellungen von artgerechter Tierhaltung vermarkten, das ist ein großer Prozess", stellte Martin Hahn klar. Niemand könne den Schalter umlegen, aber dieser Prozess müsse beginnen, damit es eine Tierhaltung gebe, die der Mensch verantworten könne.

 
 

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