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Azubimarketing Kreativ bei der Azubisuche

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Immer häufiger können Lehrstellen nicht besetzt werden. Betriebe nutzen deshalb viele Wege, um junge Menschen für eine duale Ausbildung zu begeistern. Foto: Fotolia

Simone Stargardt empfiehlt, die Suche nach Auszubildenden kreativ anzugehen. Die Personalexpertin und Inhaberin der Weiterbildungsakademie carriere & more in Fellbach hält Vorträge über Personalmanagement. „Viele Maßnahmen bringen zwar Aufmerksamkeit, wichtiger ist es jedoch, Interesse zu erzeugen“, erläutert Stargardt. Bei der Zielgruppe müsse der Wunsch ausgelöst werden, sich bei diesem Unternehmen zu melden. Zeitungsinserate beispielsweise sollten für Eltern gestaltet sein und nicht unbedingt die Bewerber selbst ansprechen, findet Stargardt. Denn oft sind sie es, die ein Zeitungsabo haben und ihren Nachwuchs auf ein Stellenangebot hinweisen.

Bei der Lehrlingssuche ist Max Heinzmann von Zeitungsanzeigen komplett abgekommen. Er hat 19 Azubis unter sich. Diese werden in den insgesamt 13 Filialen von Bernd Frisuren in Göppingen, Eislingen, Ebersbach, Schorndorf und einigen weiteren Orten der Region ausgebildet. „Wir haben ausreichend Nachwuchs“, konstatiert der Personalchef der Friseurgruppe. Diesen habe er sich hart erarbeitet: Ein großer Teil seines Budgets für Werbung und Marketing geht seit vergangenem Jahr in die sozialen Medien. Allen voran schaltet der 23-jährige Friseurmeister Facebook-Anzeigen. Belohnt wird er mit etwa 4800 Facebook-Freunden. „Wir sind der Friseurbetrieb mit den meisten Likes in Süddeutschland.“ Der Friseurmeister ist sich sicher, dass er seine Lehrlinge dort suchen muss, wo sie sich aufhalten: im Internet. Dafür aktualisierte er auch jüngst die Homepage des Familienbetriebs. Ab Januar will er mit einem Account bei Instagram starten.

Laut Stargardt hat der Handwerksbetrieb alles richtig gemacht: Während eine Print-Anzeige etwas konservativer ausfallen darf, sollten Online-Inserate kurz, knackig, bildhaft und mit der Unternehmens-Homepage verlinkt sein. Sie empfiehlt, zusätzlich ein kurzes, maximal dreiminütiges Youtube-Video zu drehen, in dem ein Azubi möglichst lebhaft darüber berichtet, was ihm an seiner Arbeit gefällt. „Das spricht junge Interessenten auf Augenhöhe an.“

„Wir haben festgestellt, dass wir über diese Kanäle die meisten Bewerbungen bekommen“, sagt Heinzmann, der beispielsweise nicht mehr an Berufsbildungsmessen teilnehmen will. „Hat zu wenig gebracht.“ Heinzmann hat seine Kontakte genau analysiert und festgestellt, dass seine FacebookAnhänger zu über 90 Prozent aus der Region kommen. Das sei genau das, was er wolle. Denn auch die Lehrlinge kommen aus einem Radius von maximal 25 Kilometern zur täglichen Arbeit. Wenn es allerdings darum geht, Neukunden zu gewinnen, ist der Unternehmer ein Fan von regionalen Zeitungsanzeigen und Plakatwerbung. „Es kommt eben auf die Zielgruppe an“, ist sich der Juniorchef sicher.

Und Bernd Frisuren tut auch etwas dafür, dass die jungen Menschen ihre Lehre bei ihnen beenden. Abbrecher oder Wechsler gebe es kaum. „Wir pflegen die Beziehung zu unseren Mitarbeitern. Ohne Ausnahme“, sagt der Personalverantwortliche. Dazu gehören überbetriebliche Weiterbildungen, ein Lohn, der über dem Tarif liegt, und zahlreiche Veranstaltungen und Projekte, an denen Azubis und Meister Hand in Hand arbeiten. Für das Stadtmagazin „Pig“ in Göppingen frisieren und schminken beispielsweise die Mitarbeiter von Bernd Frisuren jeden Monat das Titel-Model. „Unsere Azubis sind nicht nur billige Arbeitskräfte. Das spüren sie und bleiben dabei.“

„Stellenanzeigen und soziale Medien sind jedoch nur zwei von mehreren Mitteln bei der Suche nach Auszubildenden“, sagt Simone Stargardt. Sie empfiehlt Firmeninhabern, die Probleme haben, Lehrstellen zu besetzen, aktiver zu werden. „Einer meiner Kunden geht intensiv auf Hauptschulen zu. Dort referiert er in einer Schulstunde über das Berufsbild Kaufmann im Einzelhandel. So rekrutierte der Geschäftsmann bereits einige Nachwuchskräfte“, erzählt die 37-Jährige. Gerade für kleinere Betriebe sei das eine gute Chance, sich lokal – über die Schule vor Ort – bekannt zu machen. Unternehmer sollten sich dabei von einem ersten Nein nicht abschrecken lassen. Während Kooperationen einigen Lehranstalten zu werblich sind, sind andere sehr offen für solche Maßnahmen.

Stargardt hält Berufsschulen mit Förderklassen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz für eine gute Akquise-Plattform: „Gerade handwerklich interessierten jungen Menschen fällt Stillsitzen in der Schule schwer, was sich oft in schlechten Noten widerspiegelt“, so die Personal-Expertin. „Wenn schulische Störenfriede dann körperlich arbeiten und dafür positives Feedback erhalten, werden oft auch die Berufsschul-Noten besser.“

Für die Schüler einen Praktikumstag oder gar einen Erlebnistag, etwa mit Brezelbacken oder Staplerfahren, zu veranstalten, sei ein weiterer kreativer Ansatz bei der Lehrlingssuche, so die Expertin. Zudem legen junge Leute immer mehr Wert auf das Ansehen eines Ausbildungsbetriebes. „Das Image einer Firma ist wesentlicher als das Produkt, das Betriebsklima relevanter als die Bezahlung, und die Größe eines Unternehmens spielt kaum eine Rolle“, beobachtet Stargardt in ihrem Umfeld.

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