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Auf gut Schwäbisch Der enttäuschte Volksschriftsteller

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Der Schriftsteller Berthold Auerbach Foto: Karl-Heinz Kuball

Stuttgart - Unser Historiker Michael J. H. Zimmermann nimmt den 200. Geburtstag von Berthold Auerbach an diesem Dienstag zum Anlass, um an den einstmals berühmten Schwarzwälder zu erinnern – deshalb an diesem Tag ausnahmsweise kein Rezept: „Berthold Auerbach war zu Lebzeiten wohl der Deutschen beliebtester Volksschriftsteller. Mit den ‚Schwarzwälder Dorfgeschichten‘ erlangte er Weltgeltung – wie sonst Charles Dickens nur. Wohlgelitten war er beim Volk wie bei Hofe. Am ende seines Lebens aber stand er dem aufblühenden Antisemitismus verbittert gegenüber: Die beschworene Heimat war verloren, verweigert gar vom badischen Kirchenvater Alban Stolz: ‚Auerbacher ist kein Schwarzwälder; er ist Jude.‘

Als Moses Baruch Auerbacher wurde er am 28. Februar 1812 in Nordstetten geboren. Rabbiner sollte er werden – und stellte auf dem Weg höchste Ansprüche an sich. Doch als Burschenschafter, der auf dem Hohenasperg einsaß, wurde er 1839 zur theologischen Prüfung nicht zugelassen. Vom Talmudschüler wurde er zum Schriftsteller mit Sendungsbewusstsein. Er schrieb ‚Das Judentum in der deutschen Literatur‘ und historische Romane über Größen der jüdischen Geistesgeschichte. Der Philosoph Baruch Spinoza wies ihm den Weg zur ,Auflösung alles Confessionalismus‘ zugunsten einer allgemeinen, ethisch begründeten Religiosität.

Vom traditionellen Judentum löste er sich, doch zu seinen ,Stammesgenossen‘ stand er, wo immer sie und ihr Glaube bedrängt wurden – höher von ihnen geachtet als Heinrich Heine oder Ludwig Börne. Gleichwohl kritisierten sie ihn, wenn in seiner Kosmologie des schwäbischen Landlebens Juden bestenfalls als ,pikante Randfiguren‘ vorkamen.

Auerbach verfolgte die Vision einer Weltreligion der Vernunft. Er hoffte auf jüdische Einwurzelung in die Gesellschaft durch Anpassung; er stellte einen Blankoscheck auf Deutschlands Zukunft als der eines harmonischen Friedensreiches aus; doch die Wirklichkeit holte ihn ein. Vom gedeihlichen Miteinander von Juden und Christen blieb nichts. Unüberbrückbar tat sich der Riss im Dasein eines Deutschen und Juden auf. ‚Umsonst gelebt und gearbeitet‘, schrieb er. Sein Lebenswerk mündete in eine Selbstblockade. Aufgehoben wurde sie von dem Christen Ignaz Döllinger, der alle Judenfeindschaft verwarf und christliche Schuld bekannte. Nun wünschte sich Auerbach eine versöhnte Verschiedenheit der Religionen.

Seine Autobiografie beweist, wie er unter dem Judenhass von klein auf litt – ob unter dem Kruzifix Nordstettens zu lesen stand: ,Wir predigen Jesum Christum, den Gekreuzigten, der den Juden ein Abscheu ist‘, oder ob ihm Horber Knaben Schlimmes zufügten. Am 8. Februar 1882 starb Auerbach im französischen Cannes.“ Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leserin Maria Naegele aus Stuttgart. Sie erzählt dazu folgende Geschichte: „Meine Enkelkinder (nur Hochdeutsch redend) spielten bei mir (waschechte Schwäbin). Zum siebenjährigen Frederik sagte ich: ,Du wirst mal Ingenieur wie dein Papa, so toll wie du konstruieren kannst.‘ Da meldet sich der vierjährige Matteo: ,Oma, und ich werde mal Schwabe!‘ ,Warum?‘ ,Weil ich schon Schwäbisch schwätzen kao!‘ Na, da hat er ja blendende Berufsaussichten . . .“

 
 
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