
Zahlen muss man richtig interpretieren. Zum Beispiel die Arbeitslosenstatistik bei Architekten: Im Verlauf der vergangenen sieben Jahren ist diese von mehr als 11 000 arbeitslosen Architekten auf aktuell unter 4000 gesunken. Daraus die Schlussfolgerungen zu ziehen, dass der Arbeitsmarkt der Architekten endlich wieder anzieht, ist jedoch gewagt. „Er bleibt schwierig”, bestätigt Tillmann Prinz, Bundesgeschäftsführer der Bundesarchitektenkammer (BAK). Und das hat gleich mehrere Gründe. Erstens ist das Bauvolumen inzwischen wieder rückläufig. Es gibt also schon mal per se einen geringeren Fachkräftebedarf. Zweitens steigt die Zahl der Architekturstudierenden bereits wieder seit dem Jahr 2007 an, teils zweistellig. Und drittens kommen viele bestehende Architektenbüros mehr schlecht als recht über die Runden. Ein Architekt, der anonym bleiben möchte, verdeutlicht die Situation mit drastischen Worten: „Wir haben in den 80er Jahren das verdient, was wir heute noch an Umsatz machen.”
Laut dem Statistischen Bundesamt ist fast jeder zweite Architekt freiberuflich tätig. In Büros beschäftigte Architekten bekommen oft nur befristete Verträge oder sind dort gar nur freiberuflich tätig. Zu dünn ist häufig die Finanzdecke, als dass sich der Inhaber eines Architekturbüros hohe Fixkosten beim Personal leisten könnte. „Wirtschaftlich solide arbeiten eigentlich nur noch Büros, die mehr als 15 Leute beschäftigen”, sagt Gerhard Zach, der Landesvorsitzender für Bayern im Verband Deutscher Architekten (VDA) und Mitglied der Arbeitsgruppe „Zukunft im Beruf” in der Bayerischen Architektenkammer ist.