Stuttgart - Die Finger sind steif. Das Schneiden der Zwiebel fällt schwer. Die schimmlige Ecke am Brot fällt den alten Augen nicht mehr auf. Und mit den dritten Zähnen klappt das Abbeißen nicht mehr so wie früher. Je älter man wird, desto anstrengender kann es werden, sich um sein täglich’ Brot zu kümmern. Nicht nur das Einkaufen und Zubereiten fällt Senioren dann schwer, sondern auch das Essen selbst. Sie haben einfach keinen Appetit.

Wer sich dann nicht zum Essen zwingt, setzt seine Gesundheit aufs Spiel: Nach einer Statistik der Krankenkasse DAK müssen immer häufiger Senioren wegen verschiedener Nährstoffmängel im Krankenhaus behandelt werden. Im Jahr 2008 wurden 11.173 Fälle gemeldet, 2010 waren es schon 17.091 Patienten. Das entspricht einer Steigerung von etwa 50 Prozent innerhalb zweier Jahre. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 70 Jahren. Festgestellt wurden übrigens vor allem Eiweiß- und Vitaminmangel. Wird diese Mangelernährung chronisch, drohen Schwäche und Stoffwechselstörungen.

Der Stoffwechsel arbeitet langsamer, der Energiebedarf sinkt

Um ernsthafte Folgeerkrankungen zu vermeiden, führt kein Weg daran vorbei, sich auch im Alter ausgewogen zu ernähren. Die Bedürfnisse des Körpers alter Menschen haben sich allerdings im Laufe der Jahre verändert. Weil der Stoffwechsel langsamer arbeitet und man sich meist weniger körperlich betätigt, sinkt zum einen der Energiebedarf. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nimmt der Grundumsatz zwischen dem 25. und 75. Lebensjahr bei Männern um 400 Kilokalorien und bei Frauen um 200 Kilokalorien pro Tag ab.

„Die Herausforderung liegt darin, dass der Energiebedarf zwar sinkt, der Bedarf an Nährstoffen jedoch gleich bleibt und deswegen möglichst nährstoffreiche Lebensmittel gegessen werden sollten“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Ricarda Holtorf von der DGE. Wichtig sind beispielsweise Vitamin D für den Aufbau und Erhalt der Knochen, Folat für die Zell- und Blutbildung sowie Kalzium für die Blutgerinnung und als Grundbaustein für Zähne und Knochen.

Obst und Gemüse sollten daher fünfmal am Tag auf dem Speiseplan stehen, ebenso Vollkornbrot. Eiweiß, das haben neue Studien gezeigt, erhöht bei alten Menschen die Hand- und Beinkraft und senkt die Gefahr der Gebrechlichkeit. Daher rät Holtorf zu mehr Fisch statt Fleisch. Zwar sind Wurst und Schnitzel ebenfalls gute Eiweißlieferanten, enthalten aber auch mehr Fett.

 
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