Anzeige - Wohntrends Mit Farbe, Licht und Deko
SBO, 10.10.2012 00:00 Uhr![]() |
| Kleine Räume wirken in hellen Farben größer – besonders wenn Türund Fensterlaibungen oder Schrägen reinweiß gestrichen sind. Foto: Brichta |
![]() |
| In kleinen Räumen gilt das berühmte «Weniger ist mehr» besonders: Zu viel Farbe kann ein Zimmer kleiner und enger wirken lassen. Foto: Warnecke |
Wie kleine Räume größer wirken
Man kann in der Regel ein kleines Zimmer nicht einfach größer machen. Aber man kann es größer wirken lassen. Raumgestalter greifen zu Farbe, Licht und Dekorationen an der richtigen Stelle.
Der Raum ist einfach zu klein, um daraus etwas zu machen? Für Experten zählt diesea Argument nicht. »Kleine Räume sind relativ«, sagt die Hamburger Innenarchitektin Ines Wrusch. »Ein Raum ist nur dann zu klein, wenn man ihn für etwas Größeres benutzen möchte.« Da an der Größe von Räumen in der Regel aber nichts zu ändern ist, muss zwangsläufig mit diversen Tricks gegengesteuert werden. »Am besten arbeitet man mit optischen Täuschungen«, sagt Katharina Semling, Wohnexpertin aus Oldenburg. Pointierte Dekorationen, vorteilhafte Möblierung und geschickte Beleuchtung helfen dabei. Vor allem aber hilft: Farbe. »Kleine Räume wirken in hellen Farben größer «, erläutert Prof. Harald Braem vom Institut für Farbpsychologie in Bettendorf. »So wie man die Zimmerdecke optisch herunterziehen kann, in dem man sie in dunkleren Farbtönen streicht, wird mit hellen Tönen das Gegenteil erreicht.« Weiß, auch in pastelligen Abtönungen, dehne sich aus – und mit ihm tue dies auch der Raum. Semling empfiehlt, Türund Fensterlaibungen oder Schrägen reinweiß zu streichen, um einen rahmenden Passepartout-Effekt zu erzielen.
Falls farbig tapeziert wurde, wirke auch ein schmaler weißer Streifen direkt unterhalb der Zimmerdecke ähnlich. Wer Primärfarben benutzt, sollte sich im Klaren darüber sein, dass auch diese räumliche Wirkungen hervorrufen. »Ein dominantes Rot zum Beispiel kommt immer auf uns zu«, sagt Braem. »Sein Impuls ist hektisch. Es tendiert dazu, alles andere im Raum zu verdrängen.« In kleinen Zimmern sei es mit Vorsicht zu verwenden. »Blau hingegen zieht uns mit, es dehnt den Raum zur Unendlichkeit aus.« Seine beruhigende, konzentrationsfördernde, auch ein wenig kühlende Wirkung sei allerdings weniger fürs Wohnzimmer geeignet als beispielsweise für ein Arbeits- oder Schlafzimmer.
Wer einen Raum als zu klein erachtet, hat also Mittel, den Ursachen fürs eigene Unwohlsein beizukommen. Innenarchitektin Ines Wrusch erklärt das am Beispiel von Altbaubadezimmern, die oft nachträglich eingebaut wurden und bei sehr hohen Decken auf kleinem Grundriss manchmal fast schachtartig wirken können. »Da stimmen die Proportionen nicht, aber sobald man die Decke abhängt und etwa Gipskartonplatten einzieht, passt das wieder.« Ersatzweise hilft auch hier Farbe: »Wer oberhalb von 2,40 Metern die Wände dunkelblau streicht, erzielt den gleichen Effekt.« Denn dunkle Farbe wirke beschwerend, der Raum weite sich optisch und erscheine wieder harmonischer. Ein solches optisches Drücken ist nur eine Art der Täuschung, mit der das Auge überlistet werden kann, um Verhältnisse weniger bedrängt wirken zu lassen. Ein weiterer Aspekt ist die Einrichtung. »Auf keinen Fall sollte ein kleiner Raum mit Deko oder Kleinkram vollgestopft werden», sagt Semling. »Krankenhausartig steril geht allerdings ebenso wenig.« Hilfreich seien große Fliesen im Bad, störend dagegen barocke, großflächige Tapetenmuster. Gardinen aus leichten, fluffigen Stoffen seien wiederum von Vorteil: »Die rauben kein Licht und verschönern den Raum«, erläutert Semling.
Insgesamt zahlt sich in kleinen Räumen eine ruhige Art der Einrichtung aus. Daher empfiehlt es sich, auf große Möbel zu verzichten und nur in Ausnahmefällen über Augenhöhe zu gehen. »Es sollte konsequent im unteren Bereich gearbeitet werden«, so Semling. Unerlässlich ist es laut Wrusch, den Zugang zum Raum immer freizuhalten. »Wenn ich eine Wohnung betrete und kann die Tür nicht mal um 90 Grad öffnen, weil dahinter die Garderobe hängt, habe ich schon von Anfang an ein Gefühl der Bedrängnis. « Auch Kinderzimmer würden oft mit zu vielen Möbeln vollgestellt - ein Desaster für die Raumwirkung. Einzelne Kinderzimmerbereiche, etwa der Arbeitsplatz, sollten besser in andere Wohnungsteile ausgegliedert werden.
Das Wichtigste im kleinen Raum ist also Reduktion - auch in der Farbgestaltung: »In kleinen Räumen gilt das berühmte 'Weniger ist mehr' besonders«, sagt Farbpsychologe Braem. »Im Zweifel ist ein roter Punkt als Eyecatcher im Raum immer besser als vier rot gestrichene Wände. « In einem Ein-Raum- Apartment könne eine farbige Stirnwand als Blickfang jedoch Wunder bewirken. Schließlich hat auch die Beleuchtung Auswirkungen auf die Raumwahrnehmung. Semling rät, Lichtinseln zu schaffen. »Damit strukturieren sich auch kleine Räume ganz von selbst in separate Bereiche.« Und es könne eine Illusion von Größe erzielt werden. Ines Wrusch empfiehlt dagegen sogenannte Wall Washer, die mit LEDLämpchen ganze Wände fluten: »Egal, ob man mit Licht eine Wand oder aber die gesamte Zimmerdecke anstrahlt: Der Raum wirkt dadurch immer größer, weil heller.«
Mit Licht also und mit Farbe, mit Deko und geschickt gewähltem Mobiliar lassen sich auch kleinste Räume wohnlich herrichten. Kargheit ist dabei die schlechteste Alternative, wie Katharina Semling sagt: »Ein kleiner Raum sieht leer meist winziger aus als möbliert und mit Tapete.«




