Ulm/Ehingen - Annette Schavan (CDU) ist nach dem Rücktritt als Bundesbildungsministerin zum ersten Mal in ihrem Wahlkreis Ulm/Alb-Donau aufgetreten. „Es geht mir soweit gut, heute hier in Ulm zu sein, jetzt meine Termine wahrzunehmen“, sagte die 57-Jährige am Dienstag am Rande der Eröffnung einer Turnhalle im Betriebskindergarten des Pharmakonzerns Teva.

 

Sie sei in der Region immer schon zunächst als Abgeordnete unterwegs gewesen. „Das bleibt auch so“, sagte Schavan auf die Frage, in welcher Funktion sie am Dienstag in ihrem Wahlkreis unterwegs sei. Bis sie die Entlassungsurkunde am Donnerstag erhält, ist sie offiziell noch Ministerin. Zu der Eröffnungsfeier kam Schavan mit ihrem Privatwagen, aber noch mit Personenschutz.

Am Samstag hatte Schavan ihren Rücktritt erklärt, nachdem ihr die Universität Düsseldorf vor einer Woche den Doktortitel entzogen hatte. Dagegen will sie klagen. Ein Absagen ihrer bereits vorher geplanten Termine für diese Woche in Ulm und im Alb-Donau-Kreis habe nicht zur Debatte gestanden. „Das ist doch ganz klar, dass ich alle Zusagen, die ich gegeben habe, einhalte“, sagte die 57-Jährige.

Volle Konzentration auf den Wahlkampf

Sie tritt in Ulm erneut für den Direkteinzug in den Bundestag an. „Ich konzentriere mich jetzt auf das Bundestagsmandat, auf den Wahlkreis, auf den Wahlkampf hier in der Region“, sagte Schavan. Seit 2005 vertritt sie den Wahlkreis Alb-Donau/Ulm im Bundesparlament. Schavan ist trotz ihres Rücktritts als Ministerin weiterhin Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl im Herbst.

Am Nachmittag wollte sich Schavan in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) unter die Narren mischen. Auf dem Programm standen der Zunftmeisterempfang und anschließend der Fasnetsumzug in der Innenstadt. Am Freitag ist sie erneut in ihrem Wahlkreis unterwegs.

Ihre Grünen-Konkurrentin Annette Weinreich hofft auf einen Wahlkampf auf Augenhöhe. Schavan sei nun einfache Bundestagsabgeordnete, sagte Weinreich am Dienstag. Sie könne sich vorstellen, dass es in der politischen Auseinandersetzung nun mehr um Themen als um Personen und Ämter gehe. „Das ist für mich die ehrlichere Art, Wahlkampf zu machen“, sagte die Grüne, die erstmals gegen Schavan antritt. Weinreich nannte vor allem das umstrittene Thema Gentechnik. Die Grünen sind dagegen - Schavan hatte sich als Ministerin wiederholt dafür eingesetzt.

Die SPD-Konkurrentin im Wahlkreis, Hilde Mattheis, will sich nach Auskunft ihres Berliner Bundestagsbüros nicht zum Thema Schavan äußern. Auch FDP-Konkurrent Frank Berger hielt sich mit Bewertungen zurück. Bei der Bundestagswahl 2009 hatte Schavan 42,8 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen können. Auf dem zweiten Platz lag damals SPD-Direktkandidatin Mattheis (22,6 Prozent) gefolgt von Grünen-Bewerberin Brigitte Schmid (13,6 Prozent) und FDP-Bewerber Uli Walter (11,5 Prozent). Der Wahlkreis ist seit jeher fest in CDU-Hand.