Althengstett Obstwiese als Klassenzimmer
Schwarzwälder-Bote, 04.08.2012 04:30 Uhr
Maren Schwarz (rechts) zeigt den Kindern, wie Bienen in ihrem Stock Honig einlagern. Foto: BauschFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Bettina Bausch
Althengstett-Ottenbronn/Calw-Stammheim. "Die Streuobstwiese – Unser Klassenzimmer im Grünen" lautet ein neues Lernangebot für Dritt- und Viertklässler, das an den Grundschulen in Althengstett, Ottenbronn und Stammheim praktisch umgesetzt wird.
Auf einer Wiese am Waldrand weit oberhalb von Stammheim geht es heute sehr lebendig zu. Hier hat sich die Klasse 3c der Grundschule Stammheim mit der Imkerin Maren Schwarz getroffen. Die Bienen- und Streuobstpädagogin will das Interesse an einem einmaligen Lebensraum steigern. "Naturschutz kann großen Spaß machen", sagt die Expertin. Seit Jahresbeginn ist sie an den Grund- schulen in Althengstett, Stammheim und Ottenbronn tätig. Das Honorar für ihre Arbeit wird vom Landratsamt, dem Plenum Heckengäu und engagierten Eltern der jeweiligen Klasse getragen.
Heute sollen die Schüler aus berufenem Munde und sehr anschaulich gestaltet viel Neues aus dem Leben der Bienen erfahren. Während eine Gruppe ungezwungen im Gras sitzt und ein Arbeitsblatt bearbeitet, schart sich die andere bei einem Bienenstock um die Expertin.
Die Bienenpädagogin macht den zunächst noch etwas ängstlich wirkenden Kindern klar, dass die Insekten gar nicht so schnell stechen, wie sie es vermuten. Allerdings sollte man in ihrer Nähe keine schnellen, hektischen Bewegungen machen. Dies erschrecke die fleißigen Tiere "und dann stechen sie auch mal zu". Schwarz öffnet vorsichtig einen Bienenstock. Die Kinder sehen, dass dort ganz viele fleißige Arbeiterinnen über die Waben krabbeln und ihre Arbeit verrichten, nämlich Honigvorräte einzulagern. Dann zieht Schwarz einen hölzernen Wabenrahmen heraus, an dem viele aktive Brummer hängen. "Wer von euch hält die Waben einmal einen Moment?", fragt sie in die Runde. Einige Knirpse schrecken zurück, doch ein insektenerfahrenes, tierliebes Mädchen ist mutig. Sie greift vorsichtig zu.
"Woher kommt der süße Honig, den die Bienen schon zum großen Teil in ihren Waben eingelagert haben?", lautet die nächste Frage. Und natürlich wissen die Kinder, dass Blütenstaub sowie Nektar bei weiten Flügen zu den Blumen und Blüten eingesammelt werden. Die Grundschüler erfahren, wie die Waben geschleudert werden, um den Honig herauszubekommen und wie der goldgelbe Sirup später abgefüllt wird.
Klassenlehrerin Isolde Herdter berichtet von den verschiedenen Jahreszeiten eines solch naturpädagogischen Unterrichts, von dem das Thema Bienen nur ein kleiner Teil ist. Es geht vor allem um den Lebensraum Streuobstwiese.
Im Herbst werden sich die Klassen mit Streuobst und seiner Bedeutung für Mensch und Tier befassen. "Unser Ziel ist es, naturnah zu unterrichten, Verständnis für Zusammenhänge in der Natur zu wecken und dadurch zum Naturschutz beizutragen", so die Stammheimer Konrektorin.


