Althengstett 150 Jahre Streit um Galgenholz

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Das im Zeitungsartikel von 1934 erwähnte Calwer Schaffot in einer aktuellen Aufnahme nahe des Stadtteils Wimberg. Foto: Schabert Foto: Schwarzwälder-Bote

Althengstett/Calw - Kürzlich hat der Geschäftsführer des Vereins Haus und Grund, Robert Sailer, im Stadtarchiv nach Unterlagen gesucht. Dabei fand er Zeitungsartikel, die einen langen Streit um die Lieferung von Eichen für den Calwer Galgen dokumentieren.

Den Beitrag ließ Sailer zur Auswertung dem Kreisgeschichtsverein Calw zukommen, wo seine Institution Fördermitglied ist. Die lange Geschichte beginnt in der Schwarzwaldwacht vom 7. Juni 1934 wie folgt: "Zwischen Calw und Althengstett an der Stätte, die heute noch Galgenwasen benannt ist, erhob sich einst das Calwer Hochgericht. Es war aus starken Balken gezimmert, derart, dass sechs mittelgroße Eichen zur Erstellung benötigt wurden. Aus im Staatsarchiv in Stuttgart ruhenden Akten, die 1625 angelegt sind und bis in das Jahr 1776 reichen, geht hervor, es sei seit ›unvordenklichen‹ Zeiten üblich gewesen, dass Hengstett das Holz zum Calwer Hochgericht aus seinen Waldungen zu liefern, Möttlingen dasselbe an den Platz zu führen und Deckenpfronn die Löcher für das Hochgericht zu graben hatte."

Die Hengstetter wollten nicht mehr Holzlieferant sein. Deshalb folgte der lange Streit. 1625 schickte der Calwer Vogt Ettlinger 13 Zimmerleute in den Hengstetter Wald, um die nötigen Eichen zu schlagen. Mit ­Stecken und Äxten "traten 54 bis 60 Mann" den Calwern entgegen und zwangen sie zum Rückzug. Die Calwer beschwerten sich beim Herzog in Stuttgart. Die Hengstetter verwiesen auf fehlende Urkunden, die laut Calw verbrannt, aber noch gültig seien.

Beweisaufnahme vor Gericht

1696 sollte nach dem alten Zeitungsartikel eine Beweisaufnahme durch das Hirsauer Klostergericht erfolgen. Hintergrund war, dass die Calwer zuvor heimlich eine Eiche als Brandsäule für eine Hexenverbrennung und drei Eichen fürs Hochgericht fällen ließen. Die Ältesten aus den Gemeinden Hengstett, Stammheim und Möttlingen wurden als Zeugen geladen. Aber die Erkundung der Rechtslage fiel dürftig aus. Mit juristischen Kniffen und Spitzfindigkeiten sollen die Calwer wiederholt Recht bekommen haben.

Der Kosten wegen wurde 1749 der Hengstetter Vorschlag verworfen, ein Hochgericht aus Stein mit hölzernen Verbundbalken zu errichten. In dieser Zeit litt Hengstett unter Holzmangel. Nicht nur Sturmschäden hatten dazu geführt. "Die Waldenserkolonie Neuhengstett war im Heng­stetter Gemeindewald begründet worden und hatte weitere Waldflächen gerodet", heißt es. Auch nach 151 Jahren, 1776, war der Galgenholz-Streit noch nicht beendet. Danach schweigen aber die Akten laut Zeitungsbericht, der bilanziert: "Immerhin ist dieser Streit wahrscheinlich mit ein Grund für die Verlegung des Hochgerichts ... an die Stelle, wo noch heute das Schafott steht."

  
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