Althengstett - Zur jüngsten Gemeinderatssitzung waren viele besorgte Bürger gekommen, denen ein Thema unter den Nägeln brennt. Sie alle kennen Fälle von Karzinomkrankungen in ihrer Umgebung oder sind selbst von dieser tückischen Krebserkrankung betroffen. Gespannt warteten sie auf den Tagesordnungspunkt "Funkgutachten Heimberg".

Die Aussprache des Gemeinderats zu diesem Thema wurde dann auch recht kritisch und kontrovers geführt. Bewohner des Heimbergs hatten nämlich in ihrem Bereich besonders viele Krebsfälle ausgemacht und führten diese auf die Strahlung des dortigen Sendemastens zurück.

Einige Bürger waren dann in dieser Frage aktiv geworden. Zunächst wurde zusammen mit zwei Althengstettern ein Gespräch mit Vertretern des Landratsamtes und des Gesundheitsamtes geführt. "Dem Gesundheitsamt ist keine erhöhte Anzahl von Krebsfällen oder Todesfällen durch Krebs in Althengstett oder am Heimberg bekannt", unterstrich Bürgermeister Clemens Götz.

Ein zentrales Krebsregister gebe es in Baden-Württemberg derzeit nicht. Außerdem würden die Krankenkassen aus Gründen des Datenschutzes bislang keine Auskunft über Erkrankungen erteilen. Die relativ geringe Bevölkerungszahl in Althengstett und insbesondere am Heimberg reiche nicht aus für aussagekräftige statistische Rückschlüsse.

"Aufgrund der Altersentwicklung muss außerdem in bestimmten Wohngebieten der Gemeinde mit dem vermehrten Auftreten von Brust-, Lungen-, Darm- und Prostatakrebs gerechnet werden", unterstrich der Schultes.

Die zunehmenden Beschwerden der Bürger führten dazu, dass die Gemeinde ein Gutachten über die Sendemasten Heimberg, Köpfle und Industriestraße 3 in Auftrag gab. Jörn Gutbier, Architekt und Baubiologe, befuhr alle drei Althengstetter Teilorte mit Messgeräten. "Überall wurden die gültigen Grenzwerte bei weitem eingehalten. Durch die aktuellen Messungen ist die Befürchtung entkräftet", unterstrich der Rathauschef.

Damit wollten sich einige Gemeinderäte nicht zufrieden geben. Andreas Braun kritisierte, dass der beauftragte Gutachter nicht in der Sitzung anwesend war. "Wäre er gekommen, hätten die besorgten Bürger Fragen an ihn stellen können", betonte Braun. Sein Kollege Lothar Kante bemängelte, dass die genauen Ergebnisse der Messungen bei der Sitzung nicht bekannt gegeben wurden.

Götz bedauerte, dass in Deutschland im Vergleich zu Nachbarländern recht hohe Grenzwerte gelten. Er zeigte in der Angelegenheit Strahlenbelastung ein neutrales Verhalten. "Ein Zusammenhang von Krebserkrankungen und Mobilfunkanlagen kann mit den Mitteln, die der Gemeinde zur Verfügung stehen, weder hergestellt, noch verneint werden", so der Schultes. Er meinte, dass es keine Lösung sei, auslaufende Verträge mit den Netzbetreibern nicht mehr zu erneuern. Götz verwies darauf, dass die Firmen sich dann Standorte bei privaten Grundstücksvermietern suchen könnten, und diese könnten womöglich dann sogar mitten im Ort liegen. Auf Wunsch einiger Räte soll in absehbarer Zeit eine Informationsveranstaltung stattfinden.