Althengstett - Um die künftige Entwicklung des Einzelhandels in Althengstett steuern und die Nahversorgung sichern zu können, hat die Gemeinde ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dessen Kernaussagen wurden am Dienstag im Gemeinderat vorgestellt.

Die Untersuchung zur Nahversorgung wurde durch das Büro Dr. Donato Acocella Stadt- und Regionalentwicklung, das in Lörrach, Dortmund und Nürnberg vertreten ist, erstellt. Das Gutachten, das der Gemeinderat zustimmend zur Kenntnis nahm, soll zum einen als Grundlage für ein Einzelhandelskonzept dienen. Es soll der Gemeinde zum anderen ermöglichen, im Hinblick auf landes- und regionalplanerische Vorgaben bauleitplanerisch tätig zu werden.

Aufschlussreiche Erkenntnisse und ein aussagekräftiges Bild zur Situation des örtlichen Einzelhandels gewann das Büro unter anderem durch eine Umfrage unter 39 Betrieben. Diese erwirtschaften nach eigenen Angaben auf einer Verkaufsfläche von 10. 000 Quadratmetern einen Jahresumsatz von 24,5 Millionen Euro.

Das Gutachten untersuchte weitere Entwicklungsspielräume und geht davon aus, dass der Bedarf an Flächenzuwachs für zentrumsrelevanten Einzelhandel – insbesondere Lebensmittel und Drogerie – bis zum Jahr 2015 1175 bis 2925 Quadratmeter sowie bis 2020 bis 3325 Quadratmeter beträgt.

34 Millionen EuroKaufkraft fließen ab

Die Gutachter haben errechnet, dass jährlich 34 Millionen Euro an Kaufkraft aus Althengstett abfließt. "Wir wollen schauen, dass künftig ein Teil davon hier bleibt", sagte Bürgermeister Clemens Götz. Jede Gemeinde sollte eine möglichst vollständige rechnerische Versorgung der eigenen Bevölkerung gewährleisten. Deshalb sollen Bindungsquoten von 100 Prozent angestrebt werden (siehe "Stichwort"). In Althengstett beträgt diese 58 Prozent. Die Verbleibquote liegt bei 25 bis 35 Prozent.

Potenzial zur Verbesserung der Nahversorgung

Es wird von einem erheblichen Potenzial zur Verbesserung der Nahversorgung ausgegangen, allerdings nicht in der Ortsmitte. Ein moderner Lebensmittelmarkt ist im Zentrum nicht machbar, da eine geeignete Fläche dafür fehlt. Ins Auge gefasst worden waren der Bereich Obere Gasse und Flächen an der Gottlieb-Braun-Straße. Beide stehen langfristig nicht zur Verfügung. Außerdem ist dort großes Konfliktpotenzial mit den Anwohnern gegeben.

Als den immer noch besten Standort für einen großflächigen Einzelhandel bezeichnet das Gutachten das Areal am Kreisel neben der Aral-Tankstelle. Dort könne zu einer geringen Verbesserung der räumlichen Nahversorgung beigetragen werden. Zudem könne ein dortiger Markt eine Versorgungsfunktion für Neuhengstett übernehmen. Die Verwaltung schlug deshalb vor, das Areal am Kreisverkehr als potenziellen Verlagerungsstandort für einen existierenden Markt weiter zu entwickeln.

Um das Herz der Kommune zu stärken, empfehlen die Gutachter eine städtebauliche Aufwertung, da Althengstett kein klar erkennbares Ortszentrum besitzt. Grundangebote wie Bäckerei und Metzgerei sollten unbedingt gehalten werden. Nicht zuletzt sei es wünschenswert, einen Wochenmarkt zu etablieren. Dieser habe nicht nur eine Versorgungsfunktion, sondern trage erheblich zur Kommunikation und zur Identifikation mit der Gemeinde bei.

Das Gremium war sich schließlich einig, wenn schon nicht im Zentrum, dann wenigstens so nahe wie möglich daran Entwicklungsfläche zu schaffen. Dies kann künftig aber auch zur Folge haben, dass langfristig keine Chance mehr für eine zentralörtliche Ansiedlung besteht.