
Von Marion Selent-Witowski
Althengstett. Nach rund zwei Jahren Planungs- und Bauzeit nimmt am nächsten Mittwoch das neue Pflegeheim in der Althengstetter Ortsmitte seinen Betrieb auf.
Die Küche ist längst komplett eingerichtet und funktionsfähig, die ersten Betten wurden bezogen, der Hausmeister erledigt derzeit die letzten kleinen technischen Vorarbeiten im Gebäude an der Hauptstraße, und gestern wurde noch eifrig am gepflasterten Bereich vor dem Gebäude gearbeitet.
Das dreistöckige Seniorenzentrum bietet auf den ersten beiden Obergeschossen 48 Plätze für pflegebedürftige Menschen in Einzelzimmern, zwei pflegenahe Wohnungen und drei integrierte Tagespflegeplätze. In den vergangenen Wochen und Monaten wurde das Projekt Pflegeheim in der Gäugemeinde kontrovers diskutiert, und in der Bevölkerung kamen einige Gerüchte auf, die in der Sitzung der Gemeinderats am Mittwochabend ausgeräumt wurden. Hausleiterin Petra Höger und Hans Kübler, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Altenheimat, die das Heim betreibt, standen dem Gremium Rede und Antwort.
Als im Herbst bekannt geworden war, dass Senioren aus dem Richard-Bürger-Heim in Stuttgart-Feuerbach, das ebenfalls von der Evangelischen Altenheimat betrieben wird, wegen dortiger Umbauarbeiten ins Pflegeheim in Althengstett umziehen sollen, war befürchtet worden, dass nicht genügend Plätze für Einwohner der Gäugemeinde übrig bleiben würden. Kübler und Höger konnten am Mittwochabend beruhigen. Nur etwa ein halbes Dutzend pflegebedürftiger Menschen, die zum Teil einen familiären oder persönlichen Bezug zu Althengstett und Calw haben oder hatten, würden im neuen Seniorenzentrum untergebracht. Der Vorstandsvorsitzende rechnet damit, dass das Haus in Althengstett innerhalb eines Jahres voll belegt sein wird.
Bis zu 40 Mitarbeiter werden künftig in der neuen Einrichtung beschäftigt sein. Kübler sprach von einer "guten Bewerberlage". In Stuttgart sei es wesentlich schwieriger, qualifizierte Fachkräfte zu bekommen. In diesem Punkt räumten Betreiber und Hausleitung ein weiteres Gerücht aus. In Althengstett war nämlich gemunkelt worden, dass der Großteil der künftigen Mitarbeiter auf 400-Euro-Basis beschäftigt werden wird. "Das ist keineswegs der Fall", betonte Höger. Lediglich eine solche Kraft sei eingestellt worden, die bei Engpässen auf Abruf im Haus tätig sein wird.
Wie der Vorstandsvorsitzende erläuterte, werden die Mitarbeiter nach dem Tarif der Diakonie bezahlt, der sich an den Bezügen des öffentlichen Diensts orientiere. Kübler ging auch auf die Pflegesatzverhandlungen mit den Kassen ein. Mitglieder des Gemeinderats hatten moniert, dass sehr spät bekannt geworden sei, welche Sätze in den Pflegestufen gelten. "Die Verhandlungen werden meist erst kurz vor der Eröffnung einer Pflegeeinrichtung aufgenommen. Das ist das übliche Prozedere", versicherte Kübler. In Pflegestufe eins muss nach Abzug des Zuschusses von der Pflegekasse ein Eigenanteil von 1879 Euro erbracht werden, in Stufe zwei 2115 Euro und in Stufe drei 2444 Euro. Der Vorstandsvorsitzende verwies darauf, dass das Althengstetter Seniorenzentrum keine geförderte, sondern frei finanzierte Einrichtung ist, weshalb der Mietanteil 300 bis 400 Euro mehr betrage. Kübler kündigte an, zum komplexen Thema Pflege einen Vortrag anbieten zu wollen.
Die Althengstetter Bevölkerung wird erstmals am 11. und 12. Februar bei Einweihung und Tag der offenen Tür die Möglichkeit bekommen, das Seniorenzentrum im Herzen der Gäugemeinde kennen zu lernen.