Althengstett Der lange Weg zur Freiheit

Schwarzwälder-Bote, 15.07.2012 20:30 Uhr

Althengstett-Neuhengstett.Die Geschichte der Waldenser in Italien ist allerdings mit der Vertreibung aus den Tälern. nicht einfach zu Ende gegangen. Erst 1848 haben die Verbliebenen von König Alberto von Savoyen die (beschränkte) Religionsfreiheit erhalten. Damit öffnete sich das Ghetto der Täler und die Waldenser breiteten sich über ganz Italien aus. Eine Neuausrichtung begann. Diese Entwicklung der Waldenserkirche in Italien ist bemerkenswert und in einige Punkten überraschend. Darüber berichtet Jürgen Hanßmann aus Herrenberg am Dienstag, 17.Juli, ab 20 Uhr im Petrus-Valdes-Haus in Neuhengstett. Er pflegt seit Jahrzehnten Verbindungen zu den Waldensern in Italien und ist Mitglied im Beirat der Deutschen Waldenservereinigung. Die evangelische Kirchengemeinde Neuhengstett und der Heimatgeschichtsverein Neuhengstett Bourcet arbeiten seit vielen Jahren gemeinsam an einer sachgerechten Pflege der waldensischen Tradition. Sie haben Hanßmann eingeladen. Er will mit seinem Vortrag zeigen, dass die waldensische Tradition in Italien überraschend aktuell und in manchem auch wegweisend ist. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Arbeit der waldensischen Kirche sind willkommen.

Im Mittelalter gründete Petrus Valdes, Kaufmann aus Lyon, die Gemeinschaft, in deren Mittelpunkt das Lesen der Bibel in der Muttersprache stand. Das Leben richtete sich entsprechend der Bergpredigt an der Nächstenliebe aus und die Anhänger verkündeten das biblische Wort in der Landessprache. Darin sah die katholische Kirche bald einen Angriff auf ihr Deutungsmonopol, sie grenzte die Anhänger als Ketzer, als "Waldenser" aus.

Damit begann eine wechselvolle, erschütternde und beeindruckende Geschichte von Verfolgung, Flucht, Widerstand und Glaubensüberzeugung. "Das Licht leuchtet in der Finsternis" wurde von daher der Wahlspruch der Waldenser. Durch die Verfolgung kamen um 1700 herum viele Waldenser noch Deutschland, auch nach Neuhengstett. Hier waren sie – zwar nicht gerade üppig ausgestattet - gleichwohl geduldet, wurden 1832 in die evangelische Kirche integriert und leben hier in Frieden bis heute.

 
 
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