Von Marion Selent-Witowski

Althengstett-Neuhengstett. Gerhard Trauter hat über die Jahre hinweg einen großen Schatz zusammengetragen. Diesen behält er aber nicht für sich, sondern teilt ihn bei Vorträgen mit dem Publikum: Der Neuheng­stetter kennt Thailand in all seinen Facetten und kehrt immer wieder dorthin zurück, weil das Land eine große Faszination auf ihn ausübt.

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Von 1970 bis 2005 war Trauter in einem großen Stuttgarter Ingenieurbüro tätig, von 1998 bis 2005 als Verkaufsleiter für Südostasien in Bangkok. Er war in Laos, Kambodscha und Vietnam geschäftlich viel unterwegs, in Thailand aber hat es ihm auf der Drehscheibe Südostasien immer am besten gefallen, auch weil Thailand im Vergleich mit den Nachbarstaaten einen wesentlich höheren Lebens- und Infrastrukturstandard hat. Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben ließ der Neuhengstetter es sich nicht nehmen, all sein Wissen weiterzugeben. Er arbeitete mehrmals für den Senior Expert Service, um bei dieser Bonner Organisation seine große internationale Erfahrung in Thailand weiter zu geben. Danach folgten bis zum heutigen Zeitpunkt viele Kurzzeiteinsätze für große internationale, meist Thai- Consulting Unternehmen, wo er als "Trainer" sein langjähriges Wissen auf dem Sektor Energietechnik weiter geben konnte. Regelmäßig macht der 72-Jährige zudem in Verbindung mit den Arbeitseinsätzen Urlaub in Thailand.

Stundenlang kann Trauter äußerst unterhaltsam von Bangkok, die Stadt der Engel genannt wird, und von den stets liebenswerten, freundlichen und bezaubernd lächelnden Menschen in Thailand erzählen. Das hat er inzwischen bei mehreren Volkshochschul-Vorträgen und jüngst beim Dorftreff in Neuhengstett getan. In seinen Referaten geht der 72-Jährige auf die Sehenswürdigkeiten wie den Königspalast, den Wat Pho, den größten der mehr als 400 Tempel in der Stadt, das Thai-Essen, vor allem aber auf die Bevölkerung und deren Glauben sowie Lebensweise ein. "Neben den Buddha-Bildern und -Statuen trifft man überall, fast an jeder Ecke bis hin zum Hinterhof, so genannte Geisterhäuschen. Das sind Orte, um dem Aberglauben oder auch dem Geisterglauben zu frönen. Die Thais sind sehr abergläubisch", sagt Trauter, "es gibt dort ein friedliches Nebeneinander der Buddha- und der Geisterverehrung."

Gerührt war er stets, wenn er eines der großen Feste miterleben durfte, zum Beispiel im November das Loy Krathong. "An einem Vollmondabend werden am großen Fluss oder auch am Pool des Hotels kleine mit Blumen und Kerzen geschmückte Schiffchen aufs Wasser gelassen. Man besteigt ein Boot, dieses hält in der Flussmitte, und jeder lässt sein Schiffchen ins Wasser. Aber nicht, ohne seinem Alter entsprechend Geldstücke darauf zu legen", erzählt der Neuhengstetter. Weiter unter am Fluss seien dann Fischer dabei, das Geld einzusammeln. Das Ganze symbolisiere, dass man seine Sünden quasi wegschwimmen lassen könne. Das fast Andächtige ist laut Trauter, wie friedlich und harmonisch die Thais solche Massenfeste begehen. Dasselbe gelte für die Geburtstagsfeiern des Königs und der Königin.

Beeindruckt ist Trauter jedes Mal aufs Neue von den Straßenszenen in Bangkok. Er liebt das "Wirrwarr der Nationen" in der Weltmetropole, die rund zwölf Millionen Einwohner zählt. Aber auch das Umland hat der 72-Jährige kennen gelernt. Seine Vorträge gestaltet er wie einen farbigen Reigen in und um Bangkok herum. Trauter selbst sagt von sich: "Wenn man dort fast sieben Jahre leben durfte, hat man so etwas wie Thailandfieber, das einen immer wieder dorthin zurück zieht".

Im Gespräch rät Trauter seinem Gegenüber meist, selbst einmal nach Thailand und insbesondere nach Bangkok zu reisen, um den Puls der Stadt spüren zu können. Aber auch entweder eine Thailandrundreise bis ganz in den Norden, verbunden mit dem Besuch der alten Hauptstädte und der Bergvölker oder auch nur einen Inselurlaub im Süden zu machen. Inzwischen hat er mehrere Bekannte und Freunde neugierig auf das Land gemacht. Alle, die dort waren, haben es nicht bereut, dem Rat des Neuhengstetters gefolgt zu sein.