Altensteig (Württ.) Wackenhut entlässt alle 130 Mitarbeiter

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Bei der Möbelfabrik Panthel-Wackenhut in Überberg wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Alle 130 Mitarbeiter haben die Kündigung erhalten. Foto: Köncke

Altensteig-Überberg - Die Lage der Möbelfabrik Panthel-Wackenhut in Überberg hat sich weiter verschlechtert. Weil ein Küchenhersteller keine Aufträge mehr erteilt und Versuche gescheitert sind, einen Investor zu finden, wurde allen 130 Mitarbeitern gekündigt.

Die Produktion läuft vorerst weiter. Alte Bestellungen werden abgearbeitet. Wer Jahrzehnte bei Wackenhut beschäftigt ist, für den endet die Betriebszugehörigkeit spätestens am 31. März, für alle anderen entweder am 31. Januar oder 29. Februar. Sollte jemand schon vorher einen anderen Arbeitsplatz finden, "wird eine sofortige Freigabe erteilt", bestätigt der Tübinger Insolvenzverwalter Michael Riegger auf Anfrage. Nach der Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens – vorher war es nur ein vorläufiges, die Gehälter wurden von Oktober bis Dezember 2015 von der Agentur für Arbeit bezahlt – können Gläubiger ihre Forderungen anmelden.

Über die aktuelle Situation wurden die Mitarbeiter am 17. Dezember vom Betriebsratsvorsitzenden Aho Senses informiert. Vom Insolvenzverwalter erfuhren sie, dass ein Interessent ernsthaft darüber nachgedacht habe, die Möbelfabrik zu übernehmen, dann aber abgesprungen sei. Riegger will seine Fühler weiter ausstrecken.

Wackenhut-Geschäftsführer Stefan Schneider wollte sich zum Stand des Verfahrens und möglicher Konsequenzen nicht äußern – das sei Angelegenheit des Insolvenzverwalters. Im Oktober vergangenen Jahres hatte er Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten noch den "brutalen" Verdrängungswettbewerb bei Möbelherstellern, besonders für mittelständische Betriebe, thematisiert. Es werde kaum mehr Geld verdient.

Man habe bei Wackenhut den Ernst der Lage erkannt, neue Modelle stärker auf designorientierte Schlaf- und Wohnzimmermöbel der gehobenen Mittelklasse ausgerichtet und mit zwei neuen Produktmarken auch beim Handel gepunktet. Außerdem sei im Juli 2015 ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Firma Panthel aus dem Westerwald gegründet worden, um einen Teil der Aufträge des mittelständischen Familienunternehmens aus Unnau in Überberg zu erledigen.

Große Hoffnungen habe die Geschäftsleitung in den Aufbau eines zweiten Standbeins gesetzt – seit 2007 werden in Überberg auch Küchenmöbel produziert. Ein Großabnehmer hatte zugesichert, Wackenhut könne wöchentlich 200 Küchen eines bestimmten Sortiments fertigen, vom Korpus bis zur Arbeitsplatte. Zwar seien es nach Angaben von Senses in Wirklichkeit nur 125 Küchen gewesen, trotzdem habe man damit 60 Prozent des Gesamtumsatzes gemacht.

Nachdem die Aufträge für 2016 ausgeblieben seien, müsse man sich langsam mit dem Gedanken abfinden, dass Wackenhut in einigen Monaten nicht mehr existiert. Besonders für ältere Mitarbeiter werde es nicht leicht, anschließend eine adäquate Beschäftigung zu finden. Senses arbeitet seit 31 Jahren beim Hersteller von Qualitätsmöbeln und ist über die Entwicklung des einst kerngesunden Unternehmens "sehr, sehr traurig".

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