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Altensteig (Württ.) Laser durchschneidet die Dunkelheit

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Das "Concerto Würzburg" trat in der Altensteiger Stadtkirche auf. Foto: Kosowska-Németh Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Maria Kosowska-Németh Altensteig.Interessant und abwechslungsreich gestaltete die Stadt Alteinsteig ihr eigenes Musikfestival "Altensteiger Musiksommer 2013". Zwei Wochen lang führten die renommierten und kompetenten Künstler ihre Lehrlinge in zahlreichen Workshops in die geheimen Gassen des Musikverständnisses und der Interpretationskunst ein. Die intensiven Arbeitsphasen wurden nachfolgend mit einem Konzert des jeweiligen Meisters gekrönt.

Die Sparte "Alte Musik" übernahm das auf historischen Instrumenten spielende Streichquartett "Concerto Würzburg". Seine Mitglieder betreuten und klärten die Zwölf- bis 19-jährigen Teilnehmer über die Gestaltungsmöglichkeiten der Werke von Leclair und Vivaldi auf. Am späten Abend unterstrichen sie ihre künstlerische Potenz durch ein großartiges, höchst originelles Konzert.

Mitten im glühend heißen Sommer trafen in angenehmer Kühle der Altensteiger Stadtkirche zwei Meister verschiedener Künsten und Epochen aufeinander. Der eine genialer Komponist des 18. Jahrhundert, der andere großer russischer Satiriker der Stalinzeit. Ein höchst ungleiches Paar. Und doch reihte sich die historisch-fantastische Prosa von Michail Bulgakov nahtlos zwischen die einzelnen Sätze des Haydnschen Quartetts "Die sieben letzten Worte Jesu des Erlösers am Kreuz" ein.

Der gemeinsame Nenner der beiden Werken war das Wort selbst, dessen biblische Bedeutung die Originaltitel der Passionsmusik dokumentierten.

Die halbfiktive, halbverzerrte, atheistisch vom Bulgakov untermalte, doch unverkennbare Kreuzigungsgeschichte erzählte Peter Gößwein, der Projektinitiator und gefragte Berliner Schauspieler und Regisseur. Als Textsprecher bediente er sich reichlich, jedoch ausgewogen aus den Mittel seiner schauspielerischen Schatzkammer; die Sprachmelodie klang fließend deutlich, Mimik und Gestik verliehen den Wörtern zusätzliche Expressivität. In den vermeintlichen Dialogen zwischen dem Prokurator Pontius Pilatus und dem später gekreuzigten "Aufwiegler" Jeshua kam die authentische Leidenschaft des Sprechers zum Vorschein. So bekamen ihre Zwiegespräche ein aussagekräftiges Eigengewicht mit tiefpsychologischem Unterton.

Das Streichquartett erzählte eine ähnliche, doch ältere Geschichte. Franz Peter Fischer, Sara Birringer, Makoto Sudo und Dmitri Dichtiar beeindruckten die Zuhörer durch die ausdruckstarke Interpretation der immens emotionalen Musik und bewiesen hohe Sensibilität in agogischen und dynamischen Nuancen. Unter die Geigenlyrik mischte sich ein unruhiger, nervöser Herzschlag des motorischen Cello-Ostinatos. Die verletzliche Zartheit kämpfte gegen Unheil verkündende Dramatik.

Nach langen, anschwellenden und abnehmenden, vibratolosen Seufzern wirkten die Sforzato-Einwürfe wie schmerzerfüllte Schreie. In "Es ist vollbracht", der sechsten von insgesamt sieben Sonaten, wie Haydn hier die einzelnen Sätze nannte, unterbrach eine heitere, sorglose Melodie kurzweilig die tragische Stimmung und sie wirkte wie eine unfehlbare Ankündigung der paradiesischen Genugtuung. Mit dem finalen Il terremoto (Erdbeben) ging in der Kirche das Licht aus und zwei Laserstrahlen durchschnitten die Dunkelheit.

Der ungewöhnlichen Aufführung abseits des Liturgiekalenders verdankten die andächtigen Zuhörer ein Beispiel der biblischen und atheistischen Annäherung und einen neuen faszinierenden Vielschichtigkeitsaspekt der universellen Kunst.

 
 

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