Von Manfred Köncke

Altensteig-Spielberg. Ein Feuerwerk der guten Laune zündete die Trachtenkapelle Spielberg bei ihrem Jubiläumskonzert am Samstagabend in der voll besetzten Bömbachhalle.Die musikalische Reise führte nach Spanien und auf einen persischen Markt, unterwegs trafen sie auf Gaukler, Schlangenbeschwörer, eine Prinzessin und den Drachen "Tabaluga", wirkten bei einer "Horror Picture Show" mit und träumten – zurückgekehrt – von alten Zeiten.

Als Dirigent Erwin Röhm sein 40-köpfiges Blasorchester – darunter viele junge Gesichter – nach den Sommerferien mit einem Programm vertraut machte, das aus Anlass des 85-jährigen Bestehens der Trachtenkapelle hohen Ansprüchen genügen sollte, ging ein Raunen durch die Reihen der Musiker, schließlich blieben nur drei Monate zum Einstudieren und der nötigen Feinabstimmung übrig. Die Herausforderung wurde angenommen – und nach der Zugabe stand am späten Abend fest, dass die Erwartungen des Publikums nicht nur erfüllt, sondern übertroffen wurden.

Zwar brannten Kerzen am Tannenbaum, an Weihnachten erinnerte die Hallendekoration aber kaum. Auf einem Holzpodest vor der Bühne standen geflochtene Hocker, lagen goldbestickte Ziertücher, Schalen mit exotischen Früchten – im Hintergrund leuchteten und seitlich schimmerten die Silhouetten von Moscheen.

Eingeleitet wurde das Konzert aber nicht durch märchenhafte Melodien aus dem Vorderen Orient, sondern mit einem zackigen Florentinermarsch des tschechischen Komponisten Julius Fucik. Die "Rocky Horror Picture Show" ist ein musikalisch breitangelegter Kultfilm und "Tabaluga" die Geschichte über einen kleinen, grünen Drachen, das Rockmärchen erfreut sich – auch durch den Sänger Peter Maffay – nicht nur bei Kindern großer Beliebtheit. Das Lied der Nessaja ("Ich wollte nie erwachsen sein") wurde in der Bömbachhalle von Orchestermitglied Robert Winter mit großer Intensität und beachtlicher Stimmkraft gesungen.

Bei der temperamentvollen Ouvertüre zu "Alcazar" spürte man allein vom Klang der Kastagnetten spanisches Temperament und überschäumende Lebensfreude, die sich beim Komponisten während seines Aufenthalts in der andalusischen Hauptstadt Bahn brach. Schnelle Passagen wechselten mit getragenen Melodien und verlangtem dem souveränen Orchester höchste Konzentration und Flexibilität ab. Ein Extralob verdienten sich Marius Kirn mit einem Trompetensolo und Birgit Bräuning am Tenorhorn.

Heiterkeit im Publikum löste aus, als sich weibliche wie männliche Musiker ein Kopftuch umbanden und der Dirigent aussah wie der Kalif von Bagdad. Schließlich befand man sich auf einem persischen Markt. Während die Karawane in einem halben Dutzend musikalischer Bilder gedanklich am Publikum im Saal vorbeizog, erschienen orientalisch verkleidete Mädchen und Jungen des Trachtenkapellen-Nachwuchses auf der Bildfläche, hölzerne Kamele vor sich hertragend.

Nach der Pause waren volkstümliche Stücke angesagt, vom satten Konzertmarsch bis zur neckischen Polka und einem schwungvollen Walzer. Dass sich beim Wandeln auf vertrauten Pfaden keinesfalls Routine einschleichen darf, die Gefahr ließ das glänzend disponierte Blasorchester keine Sekunde aufkommen. Die Trachtenkapelle schwelgte mit Hans Bruss "Wie in alten Zeiten", ließ mit Franz Watz "Abendgedanken" freien Lauf, erzählte die ergreifende Geschichte von Frank Ehrets "Bübchen" und jubelte mit Liedermacher Rudi Fischer: "Die Sonne geht auf." Durch ein farbiges, dynamisches und homogen klingendes Jubiläumskonzert hat die Trachtenkapelle ihren hervorragenden Ruf gefestigt.

Nachzutragen bleibt, dass Musikdirektor Josef Stritt als Vertreter des Kreisverbandes sechs junge Aktive der Trachtenkapelle mit einer Urkunde und einer Ehrennadel auszeichnen durfte. Seit zehn Jahren gehören Sabine Neumann (Klarinette), Carolin Seeger (Klarinette und Saxofon), Annika Winter (Klarinette), Marius Kirn (Trompete), Stefan Lehmann (Flügelhorn) und Tizian Kirn (Klarinette) dem Spielberger Blasorchester an.