
Von Andrea Wagner Alpirsbach. Bei strahlendem Sonnenschein und eisigen Temperaturen die Klosterkirche in Alpirsbach zu besuchen, ist wie Eintauchen in vergangene Jahrhunderte. Bei einem Auftritt der Schola St. Benedikt herrschte denn auch eine ganz besondere Atmosphäre.Die riesigen Steinmauern, nur beleuchtet von vereinzelt aufgestellten Kerzen, empfingen die zahlreichen Besucher, die sich in Decken und Felle hüllten. Nach dem letzten Glockenschlag zur vollen Stunde traten die sechs Sängerinnen und Sänger der Schola St. Benedikt in den Altarraum. Abgewandt, im kleinen Kreis standen sie da, und mit einem Mal erfüllte ein Gesang, der nicht von dieser Welt zu sein schien, die Klosterkirche.
Das gesungene Lob Gottes hatte im klösterlichen Leben des Mittelalters einen hohen Stellenwert. Diesen Gesang brachte die Schola St. Benedikt mit der Proprienmesse zum 11. Februar, dem Gedenktag des Heiligen Benedikt, aus dem Graduale (Chorbuch) Romanum zum Ausdruck. Der gregorianische Choral ist ein einstimmiger, liturgischer Chorgesang in lateinischer Sprache ohne instrumentale Begleitung. Wie Schmetterlinge flogen die Töne empor, begleitet von einem nicht enden wollenden tiefen Ton der Männerstimmen.
Zwischen den Gesängen sprach Pfarrer Horst Schmelzle einfühlsame Texte und kurze Gebete. Er stimmte die Zuhörer darauf ein, dass Schweigen nicht nur Ruhe bedeutet, sondern auch Innehalten.
Aus der Sammlung geistlicher Lieder der Hildegard von Bingen erklangen drei Gesänge aus dem Ordo Virtutum, was man mit Ordensregeln oder Ordenskodex übersetzen könnte. Die visionäre Gedanken- und Bilderwelt Hildegard von Bingens kam darin präzise zum Ausdruck.
Dem Kampf zwischen Tugenden und Lastern gibt sie durch die Gesänge eine musikalische Gestalt und Stimme. Die Benediktinerin Hildegard von Bingen war eine der bedeutendsten Frauen des deutschen Mittelalters und wird im Oktober diesen Jahres zur Kirchenlehrerin erhoben.
Mit dem Gesang "Da pacem Domine" (Verleih uns Frieden) beendete die Schola St. Benedikt die eindrucksvolle Andacht.