Alpirsbach Venezianische Klänge im Kreuzgang
Schwarzwälder-Bote, 05.08.2012 21:00 UhrVon Silvia Lorek Alpirsbach. Bei milden Sommertemperaturen und romantischer Beleuchtung fühlten sich die Besucher des vierten und letzten Alpirsbacher Kreuzgangkonzerts der Saison zunächst ins Venedig des 16. Jahrhunderts zurückversetzt.Das Concilium musicum Wien unter der Leitung von Paul Angerer begrüßte die Zuhörer mit vier Canzonen "reiner Musik" (Angerer) von Giovanni Gabrieli, der um 1584 Organist an San Marco in Venedig war.
Die zehn Musiker des Ensembles Concilium musicum Wien spielten in ihrem "Venezianischen Festprogramm" weitere Werke alter Meister – von Gabrieli, Johann A. Hasse, Baldassare Galuppi und Antonio Vivaldi. Gleich drei Jubiläen trafen bei dem Konzert zusammen: 60 Jahre Kreuzgangkonzerte, 30 Jahre Concilium musicum Wien und 85 Jahre Paul Angerer.
Nach dem ersten Applaus und dem Stimmen der Instrumente aus der Zeit vor und um 1800 gab Angerer einen kurzen Einblick in Johann A. Hasses Leben. So erfuhren die Konzertbesucher, dass er in Dresden sesshaft gewesen sei, in Venedig gelebt und viele Reisen unternommen habe. 1771 hatte Hasse von Kaiserin Maria Theresia den Auftrag erhalten, eine Hochzeitsoper zu schreiben, die nun als "Sinfonia alla Camera" zu hören war. Wie Angerer erläuterte, habe Hasse für die Violinen "einen einheitlichen Strich angestrebt", der vom Concilium musicum Wien in perfekter Weise mit schneller und markanter Strichfolge, vielen Trillern und Aufstrichen gespielt wurde. Sopranist und Countertenor Gerhard Hafner aus Graz verzauberte die Zuhörer bei "Torrente cresciuto", einer Arie aus "Siroe, re di Persia", mit seiner Stimme. Er sang auch die höchsten Töne mit einer Leichtigkeit und Reinheit, die die Konzertbesucher mit langem und begeistertem Applaus belohnten.
Danach spielte Christoph Angerer das Concerto d-Moll von Antonio Vivaldi auf der Viola d' Amore – ein besonderes Instrument, wie Paul Angerer erläuterte, da es sieben Spielsaiten und sieben darunter liegende Resonanzsaiten habe, die mitschwingen und die "die gewisse Harmonie und vielleicht sogar die Liebe" ergeben würden. Hingebungsvoll spielend, überzeugte Christoph Angerer auf der Viola d' Amore mit mitreißender und beeindruckender Musik. Vivaldis solistisch gespieltes "Largo" meisterte Angerer mit geschmeidiger Fingerfertigkeit auf sehr gefühlvolle Weise und brachte alle Facetten zum Klingen. Mit Baldassare Galuppis Concerto F-Dur für Cembalo trat ein anderes Instrument in den Vordergrund. Paul Angerer spielte auf dem Cembalo von ganz zart klingenden Tönen, mit schneller Melodie und auffallend vielen Trillern bis hin zum Forte. Angerer brillierte durch sein perfektes und scheinbar müheloses Spiel. Zum Abschluss sang Gerhard Hafner Vivaldis "Nisi Dominus", Psalm 127, das Lied Salomons, und begeisterte wiederum mit seiner hohen und klaren Stimme. Die Konzertbesucher würdigten die jeweiligen Einzelleistungen und das perfekte und harmonische Spiel des gesamten Ensemble mit langem und herzlichem Schlussapplaus.
Nach einer Zugabe, einer ruhigen Vivaldi-Arie, endete das schöne und hörenswerte Konzert.


