
Von Claus Wiegert Alpirsbach. Am Morgen nach seiner Niederlage in Haßloch sitzt Bürgermeister Reiner Ullrich bereits wieder an seinem Schreibtisch im Alpirsbacher Rathaus.Nein, Urlaub hat er in den Tagen nach der Bürgermeisterwahl in der pfälzischen Gemeinde nicht: "Den habe ich für den Wahlkampf genommen", sagt Ullrich im Gespräch mit unserer Zeitung entspannt. Ganz überraschend kam die Niederlage für ihn nicht: "Dass es für mich nicht reicht, war für mich schon ein bisschen länger klar", sagt der Alpirsbacher Bürgermeister. Und nennt auch gleich einige Gründe dafür: Von der Presse in Haßloch fühlt sich Ullrich im Wahlkampf unfair behandelt, und von Nachteil sei für ihn auch gewesen, dass er nicht aus Haßloch komme. Oft sei er gefragt worden, warum es die SPD nicht geschafft hat, einen Kandidaten aus der Gemeinde zu finden. Die SPD habe zu seiner Unterstützung im Wahlkampf viel Politprominenz aufgefahren. "Das wäre bei uns undenkbar", sagt Ullrich. Und erwähnt beiläufig: "Ich bin nun ein Duzfreund von Kurt Beck."
Im Wahlkampf habe er sich bemüht, dass in Alpirsbach nicht der Eindruck des Stillstands erweckt wird, weil Ullrich sein "pfälzisches Abenteuer" unternimmt. Er habe seine Arbeit weitergemacht und sei dabei auch von den Amtsleitern und den stellvertretenden Bürgermeistern unterstützt worden. Seine Bewerbung sei "kein Bruch" mit Alpirsbach gewesen, vielmehr eine "freie, autonome Entscheidung" der ganzen Familie. Ihr hätte die Wahl in Haßloch die Möglichkeit geboten, in die heimatliche Region zurückzukehren. Er habe nicht aktiv nach einer Alternative zu seinem Amt in Alpirsbach gesucht, versichert Ullrich: "Das war ein Angebot." Bereits vorher seien ihm schon zwei Kandidaturen angeboten worden, die er aber ausgeschlagen habe. "Ich habe mich nie aus Alpirsbach verabschiedet", sagt Ullrich. Aber er habe die Chance in Haßloch auch nicht verstreichen lassen wollen. Weiterhin wolle er mit voller Tatkraft und Fantasie an der Entwicklung Alpirsbachs arbeiten.
Holger Korneffel, erster stellvertretender Bürgermeister und FWV/CDU-Stadtrat, erwartet von Ullrich nun "volle Konzentration auf die Alpirsbacher Probleme". Der Bürgermeister müsse "das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen". Nicht zuletzt auch das der Bürger, die Ullrich vor vier Jahren gewählt haben. Korneffel geht davon aus, dass die Bewerbung eine einmalige Aktion bleibt. Er hoffe, so Korneffel, dass Ullrich kein "Dauerbewerber" werde. Nun gelte es, möglichst schnell in die Etatberatungen einzusteigen. Für die Vorberatung des Haushaltsplans geht der Gemeinderat in der Regel für ein Wochenende in Klausur.
Korneffel glaubt nicht, dass sich die Fronten beispielsweise in der Diskussion über die Schulentwicklung verhärten. Aber es müsse auch klar sein, dass sich die Schulentwicklung nicht an der Parteipolitik der SPD, sondern an der Situation in Alpirsbach orientieren müsse. Dieter Armbruster, Chef der SPD-Fraktion im Alpirsbacher Gemeinderat, meint: "Der Gemeinderat hat gesagt, dass er hinter dem Bürgermeister steht, und ich erwarte, dass dies auch so ist." In der Bürgerschaft werde der Ausgang der Wahl unterschiedlich wahrgenommen, aber der Gemeinderat werde mit dem Bürgermeister weiter gut zusammenarbeiten. Die Stadt habe große Probleme zu lösen. Dies könne, wünscht sich Armbruster, Bürgermeister und Gemeinderat bei der Arbeit noch stärker zusammenschweißen. Den Ausgang der Wahl in Haßloch will Armbruster nicht kommentieren: "Ich kenne die politischen Strukturen dort nicht." Gerhard Walter, Vorsitzender der UBL/OL-Fraktion im Gemeinderat, kann sich gut vorstellen, dass man in der Alpirsbacher Kommunalpolitik wieder zur Tagesordnung übergehen kann. Das hänge allerdings davon ab, ob Ullrich so weiter arbeite wie bisher. Die Wahlniederlage Ullrichs in Haßloch kam für Walter nicht überraschend: "Das habe ich von Anfang an erwartet." Zum einen sei der Amtsinhaber in Haßloch in der Bevölkerung wohl gut angesehen, zum anderen sei es für Ullrich "keine gute Werbung" in dem Großdorf gewesen, dass er nach drei, vier Jahren im Amt seine bisherige Gemeinde als Bürgermeister "im Stich lassen" würde.