Alpirsbach Die entscheidenden Minuten schneller

Schwarzwälder-Bote, 11.08.2012 04:00 Uhr

Von Claus Wiegert Alpirsbach. Das System ist das jüngste Glied der Rettungskette in der Klosterstadt, aber schon unverzichtbar: Die Alpirsbacher Helfer vor Ort des Roten Kreuzes sind rund 100 mal im Jahr im Einsatz. Sie sind die Schnellsten, wenn nach einem Notruf aus der Klosterstadt über die Nummer 112 jede Minute zählt.Dann schickt die Leitstelle einen Rettungswagen aus Loßburg und einen Notarztwagen aus Freudenstadt los. Parallel dazu werden die ehrenamtlichen Helfer vor Ort (HvO) in dem betreffenden Stadtteil alarmiert. Per Funkmeldeempfänger werden sie sie zum Einsatzort geschickt, um die medizinische Erstversorgung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vorzunehmen. Insgesamt 21 Helfer vor Ort stehen in der Gesamtstadt Alpirsbach zur Verfügung. Ein Großteil von ihnen hat sich am vergangenen Donnerstag im DRK-Heim versammelt. Ein Blick zurück nicht ohne Stolz steht auf dem Dienstplan. Denn im Mai gab es bereits den 1000. Einsatz seit Bestehen des Systems.

Bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, zwei der häufigsten Gründe, weshalb die Helfer vor Ort gerufen werden, zählt jede Minute, sagt der Alpirsbacher Arzt Peter Stoll. Der leitende Notarzt ist in das HvO-System eingebunden. Zwei bis drei Minuten nach der Alarmierung sind die Helfer vor Ort – sieben bis acht Minuten weniger, als der Rettungswagen aus Loßburg braucht. Das hat schon so manchem Apirsbacher das Leben gerettet oder ihm bleibende Gesundheitsschäden erspart, meint Anja Fuchs, die stellvertretende Bereitschaftsleiterin. Sie organisiert das HvO-System in der Klosterstadt. Auch bei Unterzuckerung von Patienten oder epileptischen Anfällen leisten die Helfer vor Ort schnelle Hilfe.

Neben internistischen und chirurgischen Notfällen rücken die Sanitätshelfer auch zur Erstversorgung der Betroffenen bei Verkehrsunfällen und Bränden aus. Sonderrechte im Straßenverkehr haben sie allerdings nicht, wenn sie mit ihren Privatautos zum Einsatz eilen. Nur Peter Stoll kann mit einem Sondersignal fahren. Der DRK-Kreisverband hat Stoll wegen der Randlage Alpirsbachs ein eigenes Notarzteinsatzfahrzeug zur Verfügung gestellt.

Meist sind zwei bis drei Helfer bei einem Einsatz. Zu größeren Schadensereignissen rücken alle als "Schnelleinsatztrupp" gemeinsam aus. Das HvO-System basiert auf Freiwilligkeit: Jeder Helfer fährt nur dann zum Einsatzort, wenn er sich dazu persönlich in der Lage fühlt.

Zwölf Jahre schon besteht die Schnittstelle zur Notfallmedizin. Initiiert wurde sie vom damaligen Kreisbereitschaftsleiter Michael Schwab. Waren es im Jahr 2000 noch neun Einsätze, rückten die Helfer vor Ort 2002 nach Schließung der Rettungswache Alpirsbach bereits 61 mal aus. Seit 2005 sind es rund 100 Einsätze pro Jahr mit etwa 300 Einsatzstunden. "Die Tendenz der Einsätze", sagt Matthias Frasch, "ist ständig steigend." Dies sei "eine echte finanzielle und vor allem personelle Herausforderung". Denn die Einsätze verteilten sich auf wenige Schultern, da einige Helfer oft beruflich unterwegs seien oder nicht ohne weiteres innerhalb von Minuten ihre Familie alleine lassen könnten.

Im Ernstfall rücken die DRK-Aktiven mit ihrer Einsatztasche und dem automatischen externen Defibrillator aus. Er wird zur Wiederbelebung bei Herzstillstand eingesetzt. Neben Verbandsmaterial, Blutdruck- und Blutzuckermessgerät haben die Helfer auch ein Gerät für die Beatmung mit Sauerstoff dabei. Ausrüstung und Schutzkleidung stellt der DRK-Ortsverein zur Verfügung.

Peter Stoll attestiert den Alpirsbacher Helfern vor Ort "enormes Engagement und eine große Kameradschaft". Das hilft, denn die Einsätze bei medizinischen Notfällen sind nicht nur für die Betroffenen und Angehörigen, sondern auch für die Rotkreuzler oft sehr belastend. Zumal sie die Menschen, die sie behandeln, in der Regel kennen.

Geld bekommen die Helfer für ihre Arbeit nicht. Motiviert werden sie anderweitig: "Es kommt viel zurück von Angehörigen und Patienten", sagt Anja Fuchs. "Manchmal", räumt einer der Rotkreuzler allerdings ein, "können wir nicht mehr helfen." Dann sei es wichtig, so Peter Stoll, das Geschehene verbal aufzuarbeiten. Dazu wird dann manchmal ein Pfarrer oder Psychologe vom Notfallnachsorgedienst gerufen. Denn ab und zu brauchen auch die Helfer vor Ort selbst Hilfe.

 
 
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