Alpirsbach Botschafterin der Barmherzigkeit

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Peter Friedrich, Minister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten, zeichnete Else Schwenk-Anger mit dem Verdienstkreuz am Bande aus. Fotos: Maier Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Walter Maier

Das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ist gestern an Waisenkinder-Mutter und Kinderbuchautorin Else Schwenk-Anger in Alpirsbach verliehen worden.

Alpirsbach. Die hohe Auszeichnung überreichte Landesminister Peter Friedrich unter großem Beifall an die 80-jährige, die mit vorbildlicher Tatkraft rumänischen Waisenkindern geholfen hat. In seiner Laudatio würdigte der Redner aus Stuttgart ihr einzigartiges Lebenswerk: "Für Else Schwenk-Anger sind christliche Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Mitgefühl niemals bloße Lippenbekenntnisse, sondern eine Aufforderung zum Handeln." Dieser sei sie in ehrenamtlicher und liebevoller Weise gefolgt. "Für ihr Lebenswerk wird sie zu Recht ›Mutter Teresa von Lipova‹ genannt", sagte Minister Peter Friedrich vor vielen Ehrengästen im Haus des Gastes in Alpirsbach.

Den Schock ihres Lebens habe sie 1991 beim Besuch eines Waisenhauses in der rumänischen Kleinstadt erlitten. Die Kinder lebten dort verwahrlost, ohne menschliche Zuwendung und unter unvorstellbaren Bedingungen. "Sie haben ihr Versprechen wahr gemacht, diese Kinder aus ihrem erbärmlichen Leben herauszuholen!", zollte der Minister seinen Respekt. Mit Hilfe eigener Finanzmittel und Spenden, so Friedrich, habe sie zehn Familienhäuser für über 100 Waisenkinder kaufen und mit Pflegeeltern besetzen können. Als 1999 das lebensunwürdige Waisenhaus geschlossen wurde, habe sie weitere Projekte realisiert: Schule, Arzt- und Zahnarztpraxis, Haus für aidskranke Kinder, Lehrwerkstatt, Spielplatz, Wasserpumpen, betreutes Wohnen, Altenheim. Bis heute sei Schwenk-Anger Vorsitzende des Gesamtprojekts Kinder-Reigen/Hora Capiilor. "Sie haben durch ihre Menschlichkeit nicht nur viel Gutes getan, sondern auch anderen ein Beispiel gegeben." Die Geehrte habe Willen zur Solidarität und Willen, um Not zu lindern, aufgebracht. Künstlerisches und kreatives Talent habe sie eh schon immer gehabt.

Bürgermeister Reiner Ullrich stellte heraus, dass die wirkungsvoll tätige und in der Region sehr bekannte Frau ihrer Heimat Ehlenbogen und Alpirsbach immer treu geblieben sei. Die ganze Stadt sei stolz auf die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Ihr phänomenales Engagement bleibe den Nachfahren erhalten: "Mit Else Schwenk-Anger ist eine Alpirsbacher Bürgerin im Deutschen Historischen Museum in Berlin auf ewig dokumentiert." Ihr Lebenswerk wurde verfilmt. Für die Heimatkommune, betonte Ehlenbogens Ortsvorsteher Peter Günther, sei es ein besonderer Tag, wenn eine Bürgerin eine so hohe Auszeichnung erhalte. Else Schwenk-Angers großer Ehrgeiz und ihr Talent, andere zu begeistern, habe dazu geführt, dass das Projekt in Rumänien jetzt selbstständig arbeiten könne. "Alle Leser deines Buches ›Muss sei!‹ beglückwünschen dich, liebe Else!", sagte Ortsvorsteher Günther.

Kinderärztin Lia Gheorgheoiu, die seit 20 Jahren den Hilfsverein Hora Copiilor in Lipova leitet, bezeichnete die 80-Jährige als eine "großartige Frau", mit der sie auch schwere Zeiten durchlebt habe: "Du warst für uns die Hoffnung auf ein besseres Leben. Deine ganze Kraft galt dem von dir initiierten Verein ›Kinderreigen‹. Für uns alle, die Dank deiner Hilfe ein Licht am Ende des Tunnels sehen konnten, wirst du für immer das große Beispiel der Hilfsbereitschaft sein und bleiben!"

Zwei Enkel gratulieren musikalisch

Mit der gefühlvollen, perlenden Eigenkomposition "Oma" und musikalischen Kostproben aus Else Schwenk-Angers Musiktheater "Apovilya", das gestern im Kurtheater Freudenstadt erneut aufgeführt wurde, bereicherte Enkel Sebastian Knab am Flügel den Festakt. Das von ihm vertonte Gedicht seines Großvaters Werner Schwenk wurde zusammen mit Sänger Titus Zahn uraufgeführt. Für diese berührenden musikalischen Momente erntete Sebastian Knab viel Beifall.

Der Jüngste stahl allen die Schau: Der vierjährige Enkel Milo beeindruckte die Ehrengäste mit seiner gesungenen Hommage "Oma so lieb, Oma so nett!" Axel Schwenk, Sohn der Geehrten, dankte für die "wunderbare Mutter und Oma". Katharina Linnemann, beste Freundin Else Schwenk- Angers und Buchhändlerin aus Paderborn, nahm ihre Else wie viele andere Gratulanten in den Arm. Sie hat nicht nur die meisten der Schwenk-Anger-Kinderbücher verkauft, sondern seit 1980 auch Spenden in Höhe von 600 000 Euro für den "Kinderreigen" gesammelt.

Else Schwenk-Anger meinte zum Abschluss des Festakts: "Dankbar denke ich an die vielen Waisenkinder und bettelarmen Menschen in Rumänien, denen ich, denen wir, helfen durften." Sie nehme das Bundesverdienstkreuz an im Namen all ihrer Weggefährten und Mitstreiter. Sie spüre einfach nur Dankbarkeit, auch für ihre große Familie und Verwandtschaft und die Unterstützung, die sie erfahren habe. Es gab Standing Ovations für die Trägerin des Verdienstordens.

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