
Moskau - Im Moskauer Slang hat der Ausdruck "Wolfsstunde" mit einer freudigen Erinnerung an alte Sowjetzeiten zu tun. Seit Beginn einer Nüchternheitskampagne 1972 durfte Alkohol nur von 11 bis 19 Uhr verkauft werden. Ein großes Spirituosengeschäft befand sich gerade gegenüber dem Moskauer Puppentheater, dessen Fassade eine ungewöhnliche Uhr schmückte. Jede Stunde ging die Tür eines von zwölf Kästchen auf, in denen ein Märchentier saß. Wenn sich um 11 Uhr der Wolf zeigte, strömte die Menge der Dürstenden in den Schnapsladen.
Nun kehren harte Sitten nach Moskau zurück. Ab heute darf von 22 Uhr bis 10 Uhr am nächsten Morgen, also genau einen halben Tag, kein Alkohol verkauft werden. Deshalb ist im Volksmund vom "halbtrockenen Gesetz" die Rede.
Gaststätten dürfen weiter ausschenken
Gaststätten sind von dieser Regelung ausgenommen. Es gibt ihrer aber zu wenig, und sie sind für die meisten Nachtschwärmer zu teuer. Schon seit April war der Verkauf von Spirituosen mit einem Alkoholgehalt über 15 Prozent von 23 bis 8 Uhr morgens verboten. Das Gesetz ließ aber nächtlichen Alkoholverkauf mit Zustimmung der Lokalbehörden zu. Als Folge gab es bis zuletzt stadtweit gut 800 Stellen, wo man rund um die Uhr tanken konnte. Jetzt wird diese Hintertür zugemacht.
Um 10 Uhr meckert eine Ziege am Puppentheater aus ihrem Kästchen. Der Volksmund lehnt die Bezeichnung "Ziegenstunde" jedoch als unziemlich ab. In der "Wolfsstunde" schwingt etwas von der ursprünglichen Bedeutung mit, als damit die Zeit zwischen 3 und 4 Uhr nachts bezeichnet wurde.
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