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Albstadt Winterzeit dient der Arterhaltung

Nicole Westhauser, vom 20.02.2012 09:39 Uhr
Ob Rinder, Wildschweine, Hunde oder Rehe: Tiere kommen im allgemeinen gut mit Kälte und Schnee im Winter zurecht. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Zollernalbkreis warnt vor übertriebenem Tierschutz. Foto: dpa
Ob Rinder, Wildschweine, Hunde oder Rehe: Tiere kommen im allgemeinen gut mit Kälte und Schnee im Winter zurecht. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Zollernalbkreis warnt vor übertriebenem Tierschutz. Foto: dpa

Albstadt - Eisige Kälte und starker Schneefall bestimmen das Winterwetter. Dank einer dickenWinterjacke und einem Dach über dem Kopf können sich die Menschen gut vor den Minus-Temperaturen schützen. Bei Tieren sieht es anders aus.

Aber Grund zur Sorge, meint Günter Wiebusch, Vorsitzender des Tierschutzvereins Zollernalbkreis, gebe es nicht: "Die Wildtiere kommen damit gut klar." Daher sieht der Tierarzt die Wildtierfütterung, die sich im Winter bereits eingebürgert hat, eher skeptisch – egal, wie kalt es draußen ist. "Das ist in unseren Breitengraden nicht nötig. Die Tiere finden immer was zum Fressen. Viel wichtiger ist Ruhe", so Wiebusch. Daher appelliere er an die Spaziergänger, nicht querfeldein zu laufen, sondern lieber auf den Wegen zu bleiben.

Wenn die Tiere in ihrer Ruhe gestört werden, verbrauchen sie mehr Kalorien. Daher solle man auch Hunde, die zum Streunen neigen, zu dieser Jahreszeit anleinen. "Die Wildtiere haben im Winter einen verlangsamten Fluchtinstinkt. Und ich habe auch schon erlebt, dass ein Reh im Schnee stecken bleibt", erzählt Wiebusch.

Auch bei Fütterung von Vögeln gibt es einiges zu beachten. So soll dafür gesorgt werden, dass die Futterstelle öfters gesäubert wird und frisches Wasser zur Verfügung steht. Für jede Vogelart gebe es zudem im Fachhandel verschiedene Futtersorten, erzählt Wiebusch. "Man muss einfach beobachten, welche Vogelart im eigenen Garten zu finden ist, und das passende Futter kaufen", rät der Experte. Zu viel Fürsorge sei aber auch dort nicht angebracht. "Man sollte kein Fleisch für Raubvögel wie Mäusebussards zur Fütterung auslegen. Das ist übertrieben", sagt Wiebusch.

"Der Tierschutz muss vernünftig bleiben", ist Wiebusch überzeugt. Daher sei es auch nicht nötig, Hunde beim Spaziergang "anzuziehen". Man dürfe nicht vergessen, dass die Tiere keine Menschen sind. Es reiche, wenn man beim Spazierengehen immer wieder eine kurze Pause einlegt und die Pfoten von Eisklumpen befreit: "Sonst laufen sie sich wund. Gesunden Hunden macht das aber nichts aus." Salz reize die Pfoten zusätzlich. Aber jedes Tier reagiere anders drauf. "Man muss einfach beobachten, ob die Hunde empfindlich reagieren oder nicht", sagt Wiebusch.

Weidentiere wie Rinder und Pferde können auch im Winter draußen bleiben. "Der Klimareiz ist wichtig für eine artgerechte Haltung", weiß Wiebusch. Allerdings sollte auf der Weide eine Unterstellmöglichkeit zur Verfügung stehen.

Bei streunenden Katzen im Winter sei Vorsicht geboten. "Man sollte sie nicht füttern", ermahnt der Vorsitzende. Wer es dennoch tue, müsse bedenken, dass die Verantwortung für das Tier über den Winter hinaus gehe. "Man sollte die Katzen im Frühjahr dann auch kastrieren lassen, damit die Population nicht in die Höhe schießt", rät er. Die streunenden Katzen im Zollernalbkreis seien wie die Straßenhunde in Rumänien. Um sich artgerecht um sie zu kümmern, sei ein Katzenhaus im Tierheim Tailfingen geplant.

In den vergangenen Jahren habe die Bereitschaft, sich für den Tierschutz einzusetzen überhand genommen. Der rührselige Schutz sei in der Gesellschaft sehr angesehen, aber das sei zu viel. "So hart es klingt, der Winter ist immer noch ein Auslesefaktor", weiß der Tierarzt. Das sei entscheidend für die Arterhaltung, denn "der Stärkste überlebt".

Die Rührseligkeit steigere zwar die Spendenbereitschaft, helfe den Tieren aber nicht. "Die Menschen sollten ihre Fürsorge lieber auch ihren Mitmenschen zu kommen lassen und nicht nur den Tieren", ist der Vorsitzende des Tierschutzvereins überzeugt.

Kommentare (5)
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MRZ
14
14:24 Uhr, geschrieben von C.Köhn
Katzenschutz geht uns alle an!
Heute habe ich diesen Artikel gelesen. Ich selber befürworte die Kastration von Katzen. Letztes Jahr wurden im Zollernalbkreis ca 250 Katzen kastriert. Wenn man hochrechnet dass eine Katze zweimal im Jahr 4-6 Junge hat, dann kann man sich ausrechnen was das für das Gemeinwohl bedeutet. Katzen werden unkrastriert rausgelassen oder es besteht immer noch die Meinung eine Katze sollte einmal in ihrem Leben einen Wurf junge Kätzchen haben. Das ist alles unnötiges Elend. Jedes Jahr werden Tausende Euros ausgegeben um das Katzenelend zu reduzieren. Ein Fass ohne Boden. Ich erwarte von einem Tierschutzverein mehr Unterstützung. Kastrationen führen Katzenhilfen und Privatpersonen durch. Sie investieren sehr viel Zeit und viel Geld. Von einem 1. Vorsitzenen würde ich mir wünschen, sich diesem Thema anzunehmen. Mir benötigen eine katzenschutzverordnung für den Zollernalbkreis. Dringend ist Handlungsbedarf geboten. Die Bevölkerung muss umgehenst über das Katzenelend aufgeklärt werden. Das ist Aufgabe eines Tierschutzvereines. Ein Katzenhaus muss gar nicht so teuer sein. Vielleicht würde dann noch Geld übrig bleiben für Aufklärung über das Katzenelend und Kastrationsprojekten. Und ein ganz wichtiger Aspekt für mich ist und das fehlt mir in diesem Artikel: " Das wir alle an einem Strang ziehen sollten" Wenn hier nicht mehr kastriert wird, haben wir die gleiche Situation wie im Ausland.
MRZ
07
12:36 Uhr, geschrieben von C.Schneider
Diese Frage haben sich viele Leser gestellt!
Wem nützt das? Ganz genau diese Frage haben sich sehr viele Leser dieses Artikels ebenfalls gestellt! Wir hofften, dass hier ein Fehler unterlaufen ist: Denn was haben Katzen mit "Winterzeit dient der Arterhaltung" zu tun!?! Oder " Und Winter ist ein Auslesefaktor, wo nun halt mal der Stärkere siegt!" Doch da selbst nach 8 Tagen leider keine Korrektur zu diesem Artikel in der Zeitung erschien und auch hier nicht im Internet, musste davon ausgegangen werden, dass es leider keine Zeitungsente oder ein Übermittlungs-/Formulierungsfehler ist. (Natürlich bedauerlich, sollten Sie keine Kopie des Artikels, der unter Ihrem Namen veröffentlicht wurde, erhalten haben). Und exakt aus diesem Grund habe ich meinen Kommentar geschrieben. Was die Wildfütterung betrifft, habe ich nichts mehr hinzuzufügen, alles Weitere würde den Rahmen sprengen. Ebenso erwähnte ich schon, dass Freigängerkatzen unbedingt kastriert und gekennzeichnet sein müssen. Aus diesem Grund, müsste endlich eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht eingeführt werden. Was für Sie als 1. Vorsitzender eines Tierschutzvereins keine Schwierigkeiten darstellen dürfte, die notwendigen Anträge bei den zuständigen Behörden/Ämter vorzulegen. Dass ich nicht gegen ein vernünftiges Katzenhaus bin, dürfte für jeden klar sein, der meinen Kommentar genau gelesen hat. Im Übrigen ist der geplante Neubau des Katzenhauses keineswegs ein schwer verdaubarer Brocken für mich, da mich die Finanzierung nicht betrifft! Ich habe nur aufgezeigt wie es möglich ist, Mensch und Tier zu helfen! Das wäre doch in Ihrem Sinne! Oder war das auch falsch formuliert!?! Es ist sehr wichtig, dass alle Tierschutzvereine und Tierschutz- verbände am gleichen Strang ziehen, denn schließlich geht es um Lebewesen! Deshalb bedanke ich mich nochmals hier an dieser Stelle beim Landestierschutzverband für die schnelle Kontaktaufnahme zu Ihnen. Da Sie, wie Sie jetzt schreiben, in den Kernaussagen absolut auf derselben Linie liegen wie in der Veröffentlichung auf der Homepage des Reutlinger Tierheims zu lesen ist, schließe ich mit genau dieser Aussage. Sie ist klar, präzise und unmissverständlich: Grundsätzlich gilt, dass verletzte, stark abgemagerte oder vernachlässigte Tiere unserer Hilfe bedürfen. Der Tierschutzverein Reutlingen/Tierschutzverein Zollernalbkreis bittet in solchen Fällen um erhöhte Aufmerksamkeit der Bevölkerung und der zuständigen Behörden. Ggf. sollen Tierheim, Veterinäramt oder Polizei benachrichtigt werden! In diesem Sinne wünsche ich dem Tierschutzverein Zollernalbkreis alles Gute zum Wohle ALLER TIERE!
MRZ
05
16:43 Uhr, geschrieben von Dr. Günter Wiebusch
Wem nützt das?
Eine telefonische Befragung kann nur einen groben Überblick geben, und bei nicht selbst formulierten Beiträgen sind Ungenauigkeiten und mißverständliche Wiedergaben nie ganz auszuschließen, ohne dass dahinter eine Absicht steht. Bei Unklarheiten ist eigentlich der Weg der persönlichen Nachfrage am sinnvollsten. Dadurch wären beide Kommentare in weiten Teilen völlig überflüssig geworden. Doch solches Vorgehen setzt eine gewisse Fairness im gegenseitigen Umgang miteinander voraus, worauf weder Frau Schneider noch Herr Späth Wert zu legen scheinen. Wass wurde aber eigentlich veröffentlicht, das eine solche Aufgeregtheit und so heftige, auch persönliche, Angriffe rechtfertigt, wie sie hier vorgetragen werden? In den Kernaussagen liege ich absolut auf derselben Linie wie die von Frau Schneider angeführte Veröffentlichung auf der Homepage des Reutlinger Tierschutzvereins. Wenn ich es, wie von den dortigen Verantwortlichen geschehen, selber ausformuliert hätte, wäre diese erkennbar Übereinstimmung vielleicht auch für die beiden Kommentatoren verständlich geworden. Doch auch so reicht es für jeden unvoreingenommenen Leser. Dass sich die winterliche Auslese nur auf die Wildtiere bezogen hat, nicht auf freilebende Katzen, kann eigentlich nur dann nicht erkannt werden, wenn man es absichtlich falsch sehen will! Meine Bedenken dagegen, auch im Winter streunende Katzen einfach nur unkritisch zu füttern, und mein Hinweis dabei auf jeden Fall die Gesamtsituation zu betrachten (Vermehrung im Frühjahr), werden im Reutlinger Beitrag weniger angreifbar als Kritik am Auflesen von Freigängern und Verbringen ins Tierheim von der Grundproblematik (fehlgeleiteter Tierschutz) her auch aufgegriffen. Und in diesem Punkt schwingt im Reutlinger Beitrag sehr wohl auch Kritik an überzogenem Tierschutz mit, ebenso wie bei den Ausführungen zur Winterbekleidung von Haustieren. Alle seriösen Tierschutzorganisationen, so auch die Katzenhilfe Balingen, vertreten übrigens die Position, dass Füttern alleine nicht ausreicht! Also, was soll die künstliche Aufregung?! Im übrigen lassen sich die Tierschutzvereine des Deutschen Tierschutzbundes nicht gegeneinander ausspielen, und mit dem Reutlinger Vorsitzenden, der gleichzeitig Vorsitzender des Tierschutzlandesverbandes und der dortige Betreuer für unser Tierheim ist, stehe ich immer wieder in engem Kontakt. Ein schwerverdaubarer Brocken scheint für beide Kritiker unser beabsichtigter Neubau eines Katzenhauses zu sein, weswegen beide gleich munter auf dieser Klaviatur spielen, obwohl dieses Thema im Artikel in gerade einmal einem Halbsatz gestreift wurde (für Herrn Späth sieht so gleich „populistische Bewerbung aus“!). Da aber zu diesem Thema im Zusammenhang mit unserer Hauptversammlung und erst recht mit dem Baubeginn sicher noch weitere Veröffentlichungen und evt. Kommentare kommen, verzichte an dieser Stelle darauf, auf die in großen Teilen ebenso abwegigen wie unzutreffenden Ausführungen der beiden einzugehen. Mit dem eigentlichen beanstandeten Artikel hat dieses Thema nun wirklich fast nichts zu tun. Jedem Interessierten, der auch zum Thema Katzenhaus sachliches Hintergrundwissen erhalten möchte, und sich nicht von oberflächlicher Polemik blenden läßt, stehe ich gerne zur Verfügung. Ebenso bin ich jederzeit gerne bereit, die Ausführungen zum vernünftigen Tierschutzverhalten in der Winterzeit ausführlich zu erörtern. Das Feld ist noch viel weitschichtiger als es im Artikel nur oberflächlich angesprochen werden konnte, und bietet viele interessante und durchaus gegensätzlich diskutierbare Themen. Aber bitte dann eine Diskussion auf sachlicher Basis. Die Art der Kritik von Frau Schneider und Herrn Späth nützt doch nur den Gegnern des Tierschutzes.
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