
Von Torsten Pohling
Albstadt-Ebingen. Wenn die Phantasie eines Malers blüht, kommt manchmal "Florales" dabei heraus. Bei der Vernissage zur gleichnamigen Ausstellung in der Alten Kanzlei war das Ergebnis zu bestaunen.
"Ich bin Michel Brenner und male immer so vor mich hin" – so eröffnete der Künstler die Vernissage zur Ausstellung "Florales" in der Alten Kanzlei. Freilich sei das Thema als solches nicht besonders originell, schließlich seien Pflanzen "so ziemlich das Selbstverständlichste auf dieser Welt und schon lange vor uns da", so Brenner. "Sie sind Nahrung, Rohstofflieferant, Dekoration und vieles mehr." Stets beurteilten die Menschen das jeweilige Gewächs nach seinem Nutzwert und schafften es nicht, die Pflanze als "Mitgeschöpf unserer Erde zu betrachten".
Nach einem kleinen Ausflug in die Grundlagen der Pflanzenkunde – neuere wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen Pflanzen sowohl Emotionen als auch Kommunikationsfähigkeit zu – und vor allem zur Fortpflanzungsproblematik ("Es gibt kein ›Gehen wir zu dir oder zu mir?‹") kam der Maler letztendlich zu seinem Metier: dem wachen Blick, der spannende Welten eröffnet. Und diese seien dann auch in den Bildern der Vernissage zu sehen, die Michel Brenner, Barbara Irion, Susn Furtwängler, Hans Dieter Günter und – ganz neu im Team – Ingrid Münnich geschaffen haben.
Zu einer Vernissage gehört selbstverständlich auch ein Gläschen Sekt, doch statt von Serviererinnen in klassischem Schwarz und Weiß wurde er von "lebendem Efeu" – genauer: von "Eva Efeu" – kredenzt: Die junge Frau mit den grünen Ranken im Haar und gemaltem Efeu auf nackter Haut war der wandelnde Blickfang des Abends in der Galerie und der lebendige Beweis, dass Pflanzen zu mehr taugen als nur dazu, gegessen zu werden.