Albstadt-Ebingen - War das ein schönes Weihnachtsgeschenk, und genießen konnten es Freunde mehrerer Musikrichtungen: "Stecher and Friends" haben mit Balladen und Belcanto eine Bandbreite gezeigt, wie bisher noch nie zum rockigen Festauftakt.

"Seit Wochen grassiert das Stecher-Virus", sagt Jack Lang und muss den Blick nur über eine ausverkaufte Festhalle schweifen lassen, um zu wissen: Es könnte das bisher schönste Weihnachtskonzert der Albstädter Balladen-Band werden.

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Wie man einen Auftritt inszeniert, wissen die fünf Musiker. Scheinwerfer lassen Lichtkreise tanzen, Lichtbänder drehen sich an der Decke, und dann tauchen sie auf zwischen grün-weißen Nebelschwaden. Die "Traumreise", die Lang ankündigt, beginnt mit dem gefühlvollen Song über "John Lennons Guitar".

Vor 32 Jahren sei Lang es gewesen, der den "Stechern" ihr Markenzeichen verpasst hat, verrät Willi "The Voice" Schenk, und natürlich stehen auch diesmal "finest ballads" – feinste Balladen – im Mittelpunkt wie "Mexican Girl", "The Air That I Breath" "Give A Little Bit" und natürlich "Love Is All Around", einer der ältesten Schmuse-Songs im Repertoire der "Stecher".

Welch gute Arbeit der Musikalische Leiter Ulrich Ströhlin im Vorfeld geleistet hat, wird bei den epischen Balladen deutlich, wenn zu Gitarren, Bass, Schlagzeug und Piano orchestrale Klänge aus dem Synthesizer kommen. Billy Joels "Leningrad", "Hymn" und natürlich "Music" von John Miles mit einem fantastischen Wilhelm Wlassow am Schlagzeug sind solche Beispiele.

Sein Meisterstück liefert Ströhlin allerdings mit einem Werk ab, auf das alle an diesem Abend warten und das auch auf der neuen CD "And So It Goes" noch aus dem Rahmen fällt: "Nessun dorma", dank Paul Potts inzwischen die berühmteste Opern-Arie der Welt, singt ein Tenor, der das Zeug zum Heldentenor und eine Stimme wie die aufgehende Sonne hat: Ruben Mora Villegas schmettert den Puccini-Klassiker so kraft- und gefühlvoll, dass die Zuhörer vor Begeisterung aufspringen und minutenlang applaudieren.

Willi Schenk muss sich dahinter freilich nicht verstecken: Mit seiner glasklaren, ungemein vielseitigen Stimme singt er mit Mora im Duett Belcanto, "O sole mio" zum Beispiel, "Va pensiero" und "She’s My Baby" wärmen das Herz und schmeicheln dem Ohr.

Eine ganz andere Farbe bringt Harald Horrwarth aus Tübingen ins Konzert. Bei seinem "You Can Leave Your Hat On" vermisst man Joe Cocker nicht, und wenn er und Uli Ströhlin an seiner vier Zentner schweren Orgel bei "Whiter Shade Of Pale" so richtig aufdrehen, ist das fast besser als das Original.

Ganze Geschichten zu den Songs erzählen die "Stecher" – verstärkt durch den glänzenden Saxophonisten Oliver Freiberg – auf der Leinwand hinter sich. Über sie flimmern Bilder der Original-Interpreten, Video-Klassiker wie "Sledge Hammer" zum entsprechenden Song, ausgefallene Licht-Effekte und Live-Bilder, so dass auch die Fans hintem im Saal den Sängern an den Lippen hängen können. Schließlich genießt auch das Auge mit, wenn Jack Lang am Bass, Florian Conzelmann und Fidde Fischer an den Gitarren Spielfreude zelebrieren und beste Laune verbreiten, wenn Ulrich Ströhlin virtuos die ihn umzingelnden Klaviaturen bespielt und Willy Schenk mit dem Charakterkopf sein schönstes Weihnachtslächeln aufsetzt als er ein wunderschönes Bee-Gees-Medley singt.

Nach drei Stunden Gänsehaut und Genuss, zu dem auf kulinarische Weise das Valentino-Team beigetragen hat, endet ein Konzert, mit dem die "Stecher" die Quadratur des Kreises geschafft haben: neue, vielversprechende Wege zu gehen und sich dabei treu zu bleiben – sich und ihren Fans, die nach dieser Traumreise noch besser wissen, warum sie dazugehören.

Weitere Informationen: Die neue CD der "Stecher" mit dem Titel "And So It Goes" ist zum Preis von 15 Euro bei der Tourist Information im Rathaus Albstadt erhältlich sowie unter der E-Mail-Adresse: cd-bestellung @stecher-band.de.