
Von Nicole Westhauser
Albstadt-Ebingen. Tomatenverkauf statt Gemeinderatssitzung: Oberbürgermeister Jürgen Gneveckow hilft in der Albstädter Tafel mit. Er setzt damit ein Zeichen für das Ehrenamt.
Beim Fachsimpeln am Tafelstand bei der gesina im vergangenen Jahr sei den Mitarbeitern und dem Oberbürgermeister die Idee gekommen. "Ich bin von Natur aus neugierig", so Gneveckow. Daher habe er nicht lange überlegen müssen, ob er den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Tafel einmal unter die Arme greift. Es sei spannend, etwas Neues auszuprobieren, und zu sehen, wie die Bedürfnisse der Menschen erfüllt werden.
Der Nachmittag im Tafelladen sei eine gute Abwechslung zum Arbeitsalltag. "Man kann schon Freude daran haben", sagt Gneveckow. Er könne sich vorstellen, diese Aktion zu wiederholen. "Die Kunden werden hier besser behandelt als im Supermarkt. Die Lebensmittel werden einem sogar eingepackt," schwärmt er. Der Besuch des Oberbürgermeisters stehe symbolisch für das ehrenamtliche Engagement der Tafelmitarbeiter, sagt Matthias Siegler von der Caritas. "Es mangelt immer noch an Helfern." Derzeit sind 50 Ehrenatmliche für die Tafel im Einsatz, 30 davon helfen regelmäßig beim Sammeln der Lebensmittel und beim Weiterverkauf. Rund zehn Helfer werden laut Siegler aber noch gebraucht.
Gneveckow nimmt einen gemischten Eindruck mit nach Hause. "Sicher gibt es einige, die beim Anstehen beschämt auf den Boden schauen. Ich finde aber, wer unverschuldet in Not gerät, muss sich dafür nicht schämen", ist er überzeugt.
Ein Kunde habe sich bei Gneveckow über die hohen Preise der Tüten, die die Lebensmittel sicher nach Hause bringen sollen, beschwert. Das hat das Stadtoberhaupt gleich zum Anlass genommen, der Tafel eine große Tütenspende zu zusichern.
Doch nicht nur das Stadtoberhaupt setzt sich für die Tafel ein. Sechs Studenten der Hochschule Albstadt-Sigmaringen haben zusammen mit ihrem Dozenten Walter Ruf eine Internetseite entworfen, die seit gestern offiziell in Betrieb ist: Unter der Adresse www.albstädter-tafel.de sind alle wichtigen Informationen zur Tafel zu finden. Der Onlineauftritt richte sich an vier Zielgruppen, Spender, Kunden, Öffentlichkeit und Ehrenamtliche, erklärt Projektleiter Florian Mauser. "Um das Internet kommt man heute einfach nicht mehr herum."
Die Tafel sei den Studenten zu Beginn des Projekts kaum ein Begriff gewissen. "Wir dachten, da gebe es einen warmen Mittagstisch", geben sie zu. Ein Semester hätten sie mit dem Programmieren der Seite und der Informationsbeschaffung verbracht.
Damit auch Menschen ohne Auto bei der Tafel einkaufen können, gibt es seit kurzem einen Liefer- und Fahrdienst für Tailfingen, Bitz und Meßstetten. Allerdings wird dieser bisher nur selten in Anspruch genommen. "Der Dienst ist noch sehr unbekannt", nennt Siegler den Grund.
Zwischen 90 und 100 Menschen kommen immer dienstags und freitags zum Einkaufen vorbei. Für diesen Ansturm ist der Laden in der Bühlstraße allerdings zu klein, sagt Siegler. "Wir überlegen, ob wir einen dritten Verkaufstag anbieten."
Albstädter Promis wolle Siegler künftig öfter zu einem Arbeitstag in die Tafel einladen. "Wir versuchen daraus eine Tradition zu machen."