Albstadt NITTA: Pavillon oder Palast?

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Die Werkhöfe zwischen den Pavillons bieten Platz für Kommunikation und alles Mögliche. Foto: Schwarzwälder-Bote

Albstadt-Tailfingen - Pavillon oder Palast? – auf diese Formel lässt sich, überspitzt ausgedrückt, die Wahl reduzieren, vor der die Juroren des freien Auswahlverfahrens in Sachen "NITTA" am Freitag standen. Sie haben sich für die Pavillons entschieden.

Ein nicht unbedeutendes Detail war Dietrich Roth, Karl-Eugen Maute und Rainer Kraut, den Architekten, deren Entwurf das Rennen gemacht hat, bei der Lektüre des Auslobungstextes aufgefallen: der fast schon inflationäre Gebrauch des Wortes "Flexibilität".

Niemand kennt momentan die künftigen Nutzer des Netzwerkzentrums Innovation und technische Textilien, aber man tut gut daran, sie sich als heterogenen Haufen vorzustellen – nicht alle werden Hochschulabgänger mit viel Phantasie und wenig Raumbedarf sein, nicht alle ehrgeizige Firmengründer mit dem Startkapital, das etwas größere Sprünge zulässt. Man muss also auf alles eingerichtet sein.

Das ist der Entwurf von Roth, Maute und Kraut. Er sieht nicht ein einziges großes, sondern vier moderat dimensionierte Gebäude vor, die längs der Heutalstraße aufgereiht sind wie Zinken eines Kamms oder Tasten eines Klaviers. In den hinteren drei "Pavillons", die Büros und Werkstätten, sprich die geballte Kreativität der Netzwerker beherbergen, können beliebige Raumprogramme organisiert werden. Und wer Arbeitsfläche "open air" braucht, der findet sie auch – die Höfe zwischen den "Kammzinken" eignen sich gleichermaßen als Werkstatt, Ausstellungsraum und zum Rangieren für den Lieferwagen.

Ohne Verrenkungen nach Süden oder nach Westen

Flexibel ist dieser Entwurf noch in einer weiteren Hinsicht: Der additive, "serielle" Grundansatz ermöglicht es, im Bedarfsfall ohne gestalterische Verrenkungen nach Süden oder Westen zu erweitern, falls "NITTA" sich als Erfolg erweisen sollte.

Und wenn nicht? Dann wäre eine Umnutzung der Pavillons umstandslos möglich. Auch diese Überlegung dürfte bei der Entscheidung der Juroren eine Rolle gespielt haben – nur hat es keiner laut gesagt.

Der zweite Grundgedanke des siegreichen Entwurfs ist ein städtebaulicher. Boom und Krise der Textilindustrie haben in Tailfingens Stadtbild Spuren, präziser: Narben hinterlassen: hier Straßenschluchten zwischen vielgeschossigen Fabriken, dort durch Zahnlücken entstellte Plätze.

Dieser "verletzten Stadt" – so Karl-Eugen Maute – Maute – wollten er und seine Kollegen nicht noch weiter zusetzen und übten sich deshalb mit Kalkül in Bescheidenheit: Der Platz "Bauernscheuer" mag nicht stadtbildprägend sein; ihnen war trotzdem wichtig, ihm eine geschlossene Raumkante und ein Gesicht zu verleihen: Anders als etwa der Entwurf von Fusi & Ammann, der den Platz sich selbst überlässt, das Netzwerkzentrum nach Westen versetzt und sozusagen einer neue Zeit anbrechen lässt, passen Roth, Maute und Kraut ihr Hauptgebäude in die Häuserreihe ein und verzichten darauf, sie zu dominieren: Zwei Geschosse, das untere mit Glasfront, das obere mit einer Verkleidung aus Textilbeton, müssen genügen.

"Ein Netzwerkzentrum ist kein Repräsentationsbau"

"Ein Netzwerkzentrum ist kein Repräsentationsbau", sagt Dietrich Roth. "Wir brauchen auch kein neues Haka-Gebäude – die Leute auf der anderen Seite der Heutalsstraße hatten lange genug eine Wand vor der Nase."

Einmal zwei, dreimal ein Geschoss – reicht das aus, um das geforderte Raumprogramm zu erfüllen? Problemlos: Brutto stehen 1250 Quadratmeter Grundfläche zur Verfügung, die 6580 umbauten Kubikmeter liegen im Normbereich – und die Kosten laut Baubürgermeister Udo Hollauer auch. Die endgültige Entscheidung, ob Roth, Maute und Kraut den Zuschlag erhalten, fällt der Gemeinderat. Er tagt am 19. Juli.

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