Von Karina Eyrich

Albstadt-Ebingen. Nicht nur Anwohner sind gekommen zur ersten Bürgerwerkstatt, um Ideen für die Gestaltung der Freifläche zwischen Klara- und Taunusstraße zu liefern. Besonders wichtig ist diese vor allem für den Kindergarten Gartenstraße.

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"Für unsere 148 Kinder brauchen wir den Platz", sagt Ursula Habelt. Für die Leiterin der Kindertagesstätte Gartenstraße war es deshalb eine Selbstverständlichkeit, zur ersten Bürgerwerkstatt im Gemeindehaus Spitalhof zu kommen, um sich bei der Gestaltung der Grünfläche zwischen Klara- und Taunusstraße einzubringen.

"Je nach Wetterlage gehen wir so oft wie möglich mit den Kindern dorthin", erklärt Ursula Habelt. Die Fläche liege in erreichbarer Entfernung und die Verkehrserziehung sei damit gleich inklusive. "Es freut mich, dass die Bürger dazu gefragt werden", betont Habelt mit Blick auf die vier Ideen, die Irmgard Röcker, Gartenarchitektin aus Balingen, am Samstag Nachmittag als Vorschläge in den Raum gestellt hat – Vorschläge, die knapp 20 Bürger diskutieren und modifizieren dürfen.

Eine besondere Bedeutung hat die Fläche auch für Gerhard Penck, obwohl der Leiter des Stadtplanungsamtes in Tailfingen lebt, denn seine Frau hat als Kind selbst dort gespielt. Heute ist die Fläche trist, liegt etwas versteckt unter zu dunklen und schattigen Nadelbäumen. Ein Klettergerüst mit Rutschbahn steht traurig darunter.

In den Augen der Teilnehmer am Samstag hat sich "Idee 1" als Favorit herauskristallisiert, wie Penck diagnostiziert. Sie sieht im hinteren Teil einen Bereich mit Bänken – auch mit einer "Lümmelbank" – und Grünfläche vor. Davor soll Platz sein, um Federball, Streetball, Fußball und Boule zu spielen.

In der Mitte der 2000 Quadratmeter großen Fläche ist eine Wiese vorgesehen, und vorne – gut einsehbar und damit sozial besser kontrollierbar – sollen ein Klettergerüst, eine Sand- und eine Matschgrube Platz finden – soweit die Idee.

Auffällig für Penck: "Direkte Anwohner haben in der Diskussion erst einmal sehr deutlich ihren Frust abgelassen über Vandalismus und falsche Nutzung", betont er und freut sich, dass damit auch klar werde, was die Bürger nicht mehr wollen. Was sie hingegen unbedingt wollen, ist Aufenthaltsqualität für Menschen jedes Alters.

Ob das "Entenbrünnele" weiter dort stehen soll – darüber scheiden sich freilich die Geister. "Für die Kinder ist es ein Orientierungsbegriff", sagt Ursula Habelt, die sich für einen Verbleib der Brunnenskulptur ausspricht. Ein anderer Teilnehmer hingegen schlägt vor, sie an prominenterer Stelle in der Innenstadt "mehr ins Licht zu rücken" und auf der Freifläche stattdessen Steine, aus denen Wasser sprudelt, aufzustellen.

Was Freiraum eigentlich bedeutet und welche Elemente Priorität haben

Nach einem ausführlichen Vortrag Irmgard Röckers darüber, was Freiraumgestaltung ausmacht, durften die Bürger alle vier Ideen – die Parklandschaft, die Schichtstufenterrassen, die Gräser-Spiellandschaft und die Quartierswiese mit Raum für Spiele, Feste und Leben – bewerten und damit den einzelnen Elementen Prioritäten zuordnen. Für Ursula Habelt und ihre Kolleginnen steht bereits fest, dass die Fläche für alle Generationen ein Anziehungspunkt sein soll. "Es ist schön, zu sehen, wie sich die Senioren, die dort verweilen, an den Kindern freuen", betont sie und hat sich fest vorgenommen, auch bei der nächsten Bürgerwerkstatt am 23. Februar ab 14 Uhr im Spitalhof wieder dabei zu sein – oder eine Kollegin zu schicken.

Irmgard Röcker und Annette Stiehle vom Stadtplanungsamt haben indes die Adressen der Teilnehmer eingesammelt, um auch jene mit den veränderten Plänen zu versorgen, die am 23. Februar nicht dabei sein können – damit sie eine Rückmeldung darauf geben können.

Denn Gerhard Penck ist nicht der Einzige, der von den Anregungen der Bürger – darunter längst nicht nur Anwohner – begeistert ist: "Sie sind einfach spitze", rief er ihnen zum Abschluss zu.